Rocker-Prozess in Köln Zuschauer applaudieren Hells-Angels-Boss

Serkan A

Serkan A. (33, Mitte) mit seinen Verteidigern Carsten Rubarth und Martin Bücher (r.) im Kölner Landgericht.

Köln – Martialisch ausstaffiert sicherten Beamte der Einsatzhundertschaft am Montagmorgen das Landgericht.

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen startete dort in einem abgeschotteten Saal das Verfahren gegen den Kölner „C-Town“-Boss Serkan A. (33) und sieben seiner „Mitstreiter“. Die Vorwürfe reichen von Erpressung über Körperverletzung und Drogenhandel bis zu versuchtem Mord.

Zuschauer feiern Angeklagte

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Die Polizei sicherte das Gericht mit starken Kräften.

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Als die insgesamt acht Angeklagten den Gerichtssaal betreten, werden sie von zahlreichen Zuschauern mit Sprechchören gefeiert und beklatscht. Gut gelaunt nehmen die bulligen Männer auf der Anklagebank Platz.

Dabei sind die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft  heftig: Staatsanwältin Stephanie Kerkering braucht fast eine dreiviertel Stunde, um die 300-seitige Anklage zu verlesen:

So sollen die Angeklagten  „das linksrheinische Köln als ihr Revier“ betrachtet haben, das sie mit Körperverletzungen und Tötungsdelikten verteidigten.

Linksrheinisches Köln ihr Revier

Laut Anklage sollen die Rocker mit scharfen Waffen auf Häuser und Bars von Konkurrenten gefeuert haben. Auch auf eine gut besuchte Bar auf der Aachener Straße sollen sie geschossen haben, weil deren Betreiber Schutzgeldzahlungen verweigerte.

Nach einem Einbruch in eine Shisha-Bar an der Bonner Straße, das von den Höllenengeln als Treffpunkt genutzt wurde, sollen die Rocker am 20. November 2015 in die Nippeser Bar „No Name“ eingefallen sein.

Dort eröffneten sie sofort das Feuer auf mehrere Männer, die sie für den Einbruch verantwortlich machten. Zurück blieb ein Toter. Nach der Tat setzte sich Serkans Bruder Erkan, der die tödlichen Schüsse abgegeben haben soll, in die Türkei ab.

Versuchter Mord am Büdchen

Am schwersten für die jetzt in Köln Angeklagten wiegt der Vorwurf des versuchten Mordes an zwei Brüdern am 16. Juni 2015 in einem Büdchen am Kölnberg.

Laut Staatsanwaltschaft wollten die Rocker ihre Drogeneinnahmen –  rund 20 000 Euro pro Monat – gegen die Brüder, die selbst in das lukrative Geschäft einsteigen wollten, verteidigen.

Rund zwei Dutzend Rocker sollen gegen Mitternacht zu dem Kiosk, der dem Vater des Brüderpaares gehört, begeben haben. Die Hälfte soll das Büdchen nach außen abgeschirmt haben, während drinnen die Brüder erst brutal verprügelt und dann niedergeschossen wurden.

Rocker schweigen zu Vorwürfen

„Es wurden zehn Schüsse abgegeben“, so die Staatsanwältin. Die Brüder erlitten teils lebensgefährliche Verletzungen. Auch die Mutter der beiden, wurde angeschossen.

Die Rocker schwiegen zu den Vorwürfen. Die Anklage kündigte an, dass sie sich bei einer Verurteilung von Serkan A.   eine  Sicherungsverwahrung vorstellen könnte.

Naturgemäß sieht das A.s Verteidiger Martin Bücher anders: „Bei dieser Anklage muss die Staatsanwaltschaft im Verfahren mit einem harten Gegenwind der Verteidigung rechnen“, so Bücher zum EXPRESS.

In dem  auf 61 Verhandlungstage angesetzten Mammut-Prozess sollen nach jetzigem Stand 149 Zeugen und vier Sachverständige gehört werden.

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