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Raub-ProzessKölner Anwalt bringt Waffe mit ins Gericht – das steckt dahinter

Schölzel

Der Kölner Anwalt Sebastian Schölzel.

Köln – Was war da denn los? Mit einem silbernen Trommelrevolver betrat der bekannte Kölner Anwalt Sebastian Schölzel am Mittwoch den Saal 5 des Kölner Landgerichts. Es war die Tatwaffe in einem Raub-Prozess – eine Spielzeug-Waffe für 10 Euro! Schölzels Mandant Mohamed C. (28) soll in Köln und im Umland neun Tankstellen überfallen haben.

Spielzeug kann Haft ersparen

Dass er die meisten Überfälle mit einer Spielzeugpistole begangen hat, könnte dem Angeklagten mehrere Jahre Gefängnis ersparen. Raub mit scharfer Waffe wird mit fünf Jahren Knast aufwärts bestraft, mit einer Attrappe geht’s hingegen ab drei Jahren Haft los.

Besagter Revolver war zu Beginn der Hauptverhandlung aber nicht auffindbar, konnte also nicht als entlastendes Beweismittel gewertet werden. Die Raub-Opfer konnten nämlich nicht erkennen, dass es sich um eine Karnevals-Pistole gehandelt hatte.

Tatwaffe unter Kühlschrank versteckt

„Den Revolver habe ich bei mir zu Hause unter dem Kühlschrank versteckt“, sagte der Räuber dem Richter. Da habe die Polizei bei einer Hausdurchsuchung offenbar  nicht nachgeschaut.

Der Vorsitzende Richter wollte daraufhin die Ermittler wieder zur Anschrift des in U-Haft sitzenden Täters schicken. Der hatte aber Sorge, dass das seine Freundin zu sehr aufregen könnte. Also bot sich Verteidiger Schölzel an, die Tatwaffe zu besorgen. Er übergab sie am Mittwoch dem Richter.

Mehreren Zeugen hielt der Vorsitzende die Spielzeug-Pistole daraufhin vor – tatsächlich erkannten sie den Revolver wieder. Bei seinen Opfern entschuldigte sich der Räuber. Hohe Schulden hätten ihn zu den Taten getrieben. Ein Urteil soll Ende Februar fallen.

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(exfo)