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„Empfinde ich als Respektlosigkeit“ Kölner Urgestein über Festkomitee und Frauen im Karneval

Marita Köllner beim Interview im Brauhaus Sion.

Marita Köllner beim EXPRESS.de-Interview im Brauhaus Sion in Köln.

Sie ist das „Fussich Julche“, Königin der Kölner Straßenfeste und eine weibliche Institution im Kölner Karneval: In dieser Session feiert Marita Köllner (63) ihr 55. Bühnen-Jubiläum. EXPRESS.de widmet der Frau, die sich oft durchboxen musste, deshalb eine Mini-Serie. Zum Auftakt spricht die Sängerin offen über ihre Rolle im Fastelovend, ihre Beziehung zum Festkomitee und ein weibliches Kölner Dreigestirn. 

Kommen wir direkt zu Ihrem Thema: In der letzten Zeit gibt es wieder mehr Frauen auf der Bühne im Kölner Karneval. Das müsste Sie doch sehr freuen?

Marita Köllner: Ja, aber es sind eben keine Kölnerinnen. Ich mag und respektiere zum Beispiel Ingrid Kühne oder Annette Eßer, sie sind qualitativ echt super und brillant. Aber die echten Kölnerinnen trauen sich nicht so ganz.

Was sind die Gründe dafür?

Wenn ich das wüsste. Vielleicht Vorurteile und althergebrachte Dinge. Als Frau hat man es nicht immer leicht im Kölner Karneval. Das habe ich ja schon oft gesagt. Neben mir ist es nur nach Gabi Elabor als echt kölsches Mädcher.

Hat Ihnen das „Frau sein“ manchmal auch weh getan?

Wenn wir darüber reden, tat es mir weh, dass das Festkomitee mich ständig übergeht. Da spiele ich eben keine Rolle. Das empfinde ich persönlich als Respektlosigkeit, weil es bestimmt nicht an meiner Leistung liegen kann.

Marita Köllner bei ihrem Auftritt in der Lanxess-Arena am 13.11. 2021

„Fussich Julche“ Marita Köllner, hier am 13. November 2021  in der Lanxess-Arena.

Woran liegt es dann?

Ich weiß es nicht. Vielleicht sind es persönliche Animositäten. Das interessiert mich auch nicht mehr wirklich. Denn die normalen Jecke begegnen mir in der Stadt eben anders. Sie respektieren, dass ich 55 Jahre lang unterwegs bin, und schenken mir viel Respekt.

Das bringt mich zum Lachen, da freue ich mich drüber. Es ist ein schönes Gefühl, ohne Perücke erkannt zu werden, denn das ist nicht selbstverständlich.

Vor 15 Jahren hätten Sie so aber auch noch nicht geredet?

Nein, aber ich sehe viele Dinge viel entspannter. Warum soll ich mich die ganze Zeit darüber aufregen? Ich weiß doch, was ich bei den Auftritten leiste und geleistet habe. Und wenn die Menschen das honorieren, ist das doch viel mehr wert, als jede Ehrung. Das Volk hat mich nicht vergessen.

Wie hat sich der Karneval für Sie entwickelt?

Auf einmal ist ein Schalter umgelegt worden und es wurden sehr viele junge Bands genommen. Ob die kölsch singen konnten oder nicht – das war vollkommen egal. Hauptsache jung und Hauptsache laut. Das hat sich in den letzten zwei Jahren durch Corona geändert.

Die Menschen stellen fest, dass ruhigere Formate auch sehr schön sein können. Man hört von vielen Vereinen, dass sie die kleinen Formate wieder mit einbauen möchten.

Zu viel Party?

Ja, schon. Da bin ich aber auch ehrlich, denn auch ich musste mich da ja anpassen. Im Programm, das ist mir besonders wichtig, habe ich aber auch noch die ruhigeren Komponenten.

Es ist jetzt nicht so, dass ich nur auf die Pauke haue. Aber wenn vor mir eine junge Band ist und ich muss danach auf die Bühne, bleibt mir nichts anderes übrig.

Finden Sie die Entwicklung schade?

Sehr schade. Den Karneval macht so viel mehr aus: Den Spiegel vorhalten, Redner müssen offen und demokratisch der Obrigkeit die Meinung sagen können. Alls das gehört auch dazu. Es gibt so viel mehr Facetten als die Reduzierung auf die Party-Schiene. Das beweisen zum Beispiel die Flüstersitzungen, die so viel Zulauf haben.

Würden Sie in einem weiblichen Dreigestirn Prinzessin werden wollen?

Ich bin traditionell eingestellt. Mag sein, dass es modern wäre mit einem weiblichen Dreigestirn. Ich würde da aber nicht mitmachen. Grundsätzlich sollen es drei Menschen machen, die dafür geeignet sind. Da geht es um Qualität, auch um ein bisschen Entertainment.

Auf Teufel komm raus weiblich zu sein, halte ich nicht für richtig. Die Besten sollen es machen. Wenn das zufällig drei Frauen sind, dann ist das schön. Aber als Muss würde ich es nicht sehen.

Was wollen Sie nach der aktiven Zeit, sagen wir in 15 Jahren, für eine Rolle im Kölner Karneval spielen?

Gerne möchte ich etwas für den Nachwuchs tun, denn die jungen Leute gehören gefördert. Wie meine Rolle dann aber aussieht, weiß ich jetzt noch nicht. Denn ich fühle mich auf der Bühne nach wie vor sehr wohl.

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