Jens Singer hat sich als „Schofför des Kanzlers“ von den Karnevals-Bühnen verabschiedet. Die Andenken an seine 18 jecken Jahre sind jetzt aber immer in Berlin in der Ständigen Vertretung zu bestaunen.
Zum Abschied aus der BüttKölner Redner verewigt sich in Berliner Kultkneipe

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Jens Singer stand 18 Jahre lang als „Dä Schofför des Kanzlers“ auf Kölns Karnevalsbühnen.
Am Anfang war es ein Versuch, in Zeiten, in denen sich der Karneval immer mehr zum Partyevent veränderte, etwas entgegenzusteuern. Daraus wurde eine fast 20-jährige Erfolgsgeschichte.
Jens Singer schaffte es als „Schofför des Kanzlers“, die politische Rede im Kölner Karneval trotz anfänglicher Skepsis fest zu etablieren. Der promovierte Jurist arbeitet in der Berliner Bundestagsverwaltung und hat gewissermaßen aus Spaß einen Typenredner auf die jecken Bühnen gebracht. Dennoch quittierte er seinen Dienst.
Jens Singer quittierte als „Schofför des Kanzlers“ in diesem Jahr den Dienst
Zu seinem Entschluss führten zwei Gründe: „Wir wissen nicht, wer in zwei Jahren im Kanzleramt sitzt, aber wir wissen, welche Band Karnevalssamstag 2028 um 23 Uhr im Gürzenich auf der Bühne steht. Die Sitzungsprogramme sind fast identisch, es fehlt einfach die Abwechslung und der Mut, etwas Neues auf die Bühne zu holen.“
Als zweiten Grund gibt Singer die massive Verschlechterung der Verkehrsanbindung an. „Zwischen Köln und Berlin gibt es keine halbwegs zuverlässige Bahn- oder Flugverbindung. Früher sorgte der Russe dafür, dass man nicht aus Berlin herauskam, jetzt macht das die Deutsche Bahn. Berlin ist in Richtung Westen fast wie abgeschnitten. So habe ich zum Beispiel nach Rosenmontag über 13 Stunden von Köln nach Berlin gebraucht. Das ist der pure Wahnsinn und das tue ich mir mit 59 Jahren nicht mehr an.“
Ursprünglich hatte Singer geplant, mit Angela Merkel und der Schließung des Flughafens Tegel aufzuhören. „Da sich die Fertigstellung des neuen Berliner Flughafens verzögerte und Scholz und Merz Vorlagen lieferten, bei denen ich einfach nicht widerstehen konnte, stand ich insgesamt 18 Jahre auf allen großen Bühnen des Kölner Karnevals. Ich hätte niemals gedacht, dass eine politische Büttenrede so lange funktionieren kann.“
In seinen 18 Jahren im jecken Geschehen haben sich Berge von Orden angesammelt. „Diejenigen, die einen Orden bekommen, freuen sich. Die, die keinen bekommen, sind sauer und die Angehörigen wissen nicht, wohin mit dem ganzen Blech“, sagt Singer.

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Jens Singer hat seine Orden Jörn Peter Brinkmann (r.) überreicht. Der hat die über 1000 Exemplare an die Decke der Ständigen Vertretung in Berlin gehängt.
„Für meine Frau Kerstin waren die Orden schon länger ein Problem. Sie wollte nicht in einem Karnevalsmuseum leben. Das ging so weit, dass ich in meine Rede einen Witz einfügte, in dem ich sagte: ‚Bei uns wurde eingebrochen und die Diebe haben alle Orden der letzten Session gestohlen. Anstatt sich aufzuregen, rief meine Frau ihnen hinterher: Danke, aber im Keller sind noch mehr!‘“
Als im vergangenen Jahr der Erweiterungsbau der „Ständigen Vertretung“ in Berlin eröffnet wurde, kam Kerstin mit dem Geschäftsführer der Kult-Gaststätte, Jörn Peter Brinkmann, ins Gespräch. Dieser meinte, dass in den neuen Räumlichkeiten noch etwas Besonderes fehlen würde. „Kerstin sah sofort ihre Chance und bot an: ‚Wir haben unzählige Orden, die könnt ihr gerne haben.‘“

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Jens Singer mit seiner Ehefrau Kerstin im jecken Geschehen. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Orden ihres Mannes jetzt in der Ständigen Vertretung Berlin hängen.
Brinkmann, der seit April 2026 auch der neue Präsident des Hotel- und Gastronomieverbandes Berlin ist, nahm das Angebot sofort an. „So einen besonderen kölschen Schatz für unser Lokal zu bekommen, ist einfach fantastisch“, freut sich der gebürtige Rheinländer. „Bei uns in der StäV treffen sich Rheinländer und Karnevalisten in Berlin – was könnte besser passen als über 1000 Orden aus dem Epizentrum des kölschen Fastelovends?“, betont der Gastronom.
„Die Ordens-Aktion wurde über meinen Kopf entschieden“, gesteht Singer. „Ich hatte gar keine Chance, Nein zu sagen. Im Nachhinein finde ich es aber großartig, denn die Ständige Vertretung verbindet meine 18 Jahre in der Kölner Bütt mit meinem Job im Berliner Bundestag.“ Einen kleinen Kompromiss ist seine Kerstin dann aber doch eingegangen: „Ich durfte die Prinzenspangen und die Orden, mit denen ich besonders emotionale Erinnerungen teile, behalten.“
Jedes Mal, wenn Jens Singer jetzt ein Kölsch in der Ständigen Vertretung genießt, wird er eindrucksvoll an seine karnevalistische Karriere erinnert. „Ich genieße mein Kölsch, schaue nach oben und erinnere mich an all die schönen Momente und Auftritte. Ich hoffe, dass die Orden dort weiterhin unter der Decke hängen, wenn ich nicht mehr da bin. Bis dahin bleibe ich mit ganzem Herzen Karnevalist.“
