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Personalwechsel an RosenmontagGründungsmitglied hört auf: Räuber präsentieren ihren Neuen

Die Räuber mit ihrem neuen Keyboarder Sebastian Eichmeier.

Copyright: Daniela Decker

Die Räuber präsentieren ihren neuen Keyboarder. Sebastian Eichmeier (3.v.l.) wird nach der Session in der Gruppe einsteigen.

Personalwechsel bei den Räubern. Mit Kurt Feller hört nach der Session das letzte Gründungsmitglied der Band auf. Seinen Nachfolger kennt Frontmann Sven West schon seit über 25 Jahren.

Sie haben sich auf der Überholspur wieder in die Spitzengruppe der kölschen Bands vorgekämpft. Nach schwierigen Jahren gehören die Räuber dank ihrer jüngsten Hits wieder zu den angesagtesten Gruppen. Zweimal in Folge der Sieg beim Närrischen Oscar als beste Band sind der Beleg für die Fan-Liebe.

Doch 35 Jahre nach Gründung der Band hat die gute Seele, Keyboarder Kurt Feller (66), in diesem Jahr angekündigt, aufzuhören. Am 11. Dezember 2026 wird er im Gloria das letzte Vollkonzert mit seiner Gruppe, die er 1991 mit Karl-Heinz Brand (74) zusammengebracht hat, spielen.

Die Räuber: Noch 192 Sessions-Auftritte für Kurt Feller

Danach folgen noch 192 Auftritte in der Session, ehe sich für Feller in der Nacht zu Rosenmontag um 0.30 Uhr in der Wolkenburg bei der Schneeball-Party endgültig das Kapitel Räuber schließt.

Als die Gruppe jüngst auf dem Räuberschiff unterwegs war, sind schon viele Tränen bei den Fans geflossen. „Da ist es mir wirklich schwergefallen, wenn die Menschen so traurig sind. Ich werde die Jungs auch mal bei Auftritten besuchen, werde aber nicht mehr auf die Bühne gehen. Höchstens beim Jubiläum zum 40-Jährigen.“

Der Entschluss steht. „Ich merke, dass der Akku einfach leer ist. So viel haben die Räuber noch nie gearbeitet wie aktuell. Allein im Vorjahr waren es 364 Veranstaltungen. Das ist zu sportlich“, sagt er offen. „Auch in den Erholungsphasen komme ich kaum mehr zur Ruhe. Ich benötige Tage, wenn wir Urlaub haben, bis ich wieder schlafen kann. Du läufst nur noch deiner Energie nach. Das Gefühl, leer zu sein, ist enorm.“

Bereits mit zwölf Jahren hat Feller in der Gaststätte seiner Eltern gespielt, mit 14 war er schon jedes Wochenende ausgebucht. „Ich habe mein ganzes Leben lang auf Bühnen verbracht. Die ersten ein, zwei Auftritte nach einer Session sind mir immer schwergefallen. Ich bin ein introvertierter Typ und hab' mich da oft gefragt, was ich hier eigentlich mache. Jetzt freue ich mich, künftig kulturelle Dinge zu erleben und die Welt zu bereisen.“

Kurt Feller gibt sein Akkordeon an Sebastian Eichmeier.

Copyright: Daniela Decker

Kurt Feller (l.) übergibt symbolisch schon einmal die 15 Kilogramm schwere „Quetsch“ an seinen Nachfolger Sebastian Eichmeier.

In den vergangenen 35 Jahren gab es schon mehrere Momente, in denen die Zukunft der Räuber ungewiss war. 2007 starb Norbert „Nobby“ Campmann im Alter von 48 Jahren. 2018 kündigte Frontmann Torben Klein überraschend. Während der Coronapandemie verließen zwei weitere Musiker die Band. „Damals habe ich lange überlegt, ob ich den Karren wirklich noch mal anziehen soll“, sagt Feller.

Doch als Räuber 3.0 ist die Band mit Hits wie „Wigga Digga“, „Oben unten“ und zuletzt „Platz für dich“ und „Weil mer Kölsche sin“ wieder voll durchgestartet. „Karl-Heinz Brand hat mit 65 aufgehört. Ich habe mir gesagt, ich kann erst dann gehen, wenn es nicht mehr nötig ist, dass ich dabei bin. Jetzt hat sich die Band so gut etabliert.“

Am 6. März 2027 wird sein Nachfolger beim Konzert im Eltzhof in Porz seine Feuertaufe erleben. Die Wahl fiel auf Sebastian Eichmeier (44). Den kennt Frontmann Sven West schon seit über 25 Jahren aus dem Eventbereich.

„Wir haben uns noch nie gestritten. Ihn habe ich von Anfang an favorisiert und lege für ihn die Hände ins Feuer. Wir haben in den vergangenen sechs Jahren solch einen guten Teamspirit aufgebaut. Da mussten wir genau schauen, dass es auch von der menschlichen Komponente passt. Frank Reudenbach von den Klüngelköpp, Mirko Bäumer von den Bläck Fööss und einige Höhner haben schon oft mit Sebi gespielt. Für mich lag diese Lösung auf der Hand. Er hat den Schalk im Nacken und ist genauso bekloppt wie wir“, sagt der Sänger.

Andreas „Schrader“ Dorn auf der Bühne neben Kurt Feller.

Copyright: Daniela Decker

Ur-Räuber Kurt Feller (r.) neben Andreas „Schrader“ Dorn. Für den Keyboarder ist nach der Session Schluss.

Mit vier Jahren fing „Sebi“ mit dem Klavierspielen an, gewann als Kind bereits etliche Wettbewerbe, was ihm Auftritte in Mailand oder Tokio einbrachte. „Als ich Sven kennengelernt habe, bin ich in die Coverszene gerutscht. Ich bin super froh und freue mich wirklich darauf, eigene Titel zu spielen. Bisher habe ich auf Events immer nur Songs anderer Künstler gecovert“, sagt der Neue. „Die Räuber sind ohnehin meine Lieblingsband im kölschen Bereich gewesen.“

Mit Schlagzeuger Thomas „Thommy“ Pieper hat er in einer Schülerband gespielt. Mit Martin Zänder betreibt er das Studio, in dem seit einigen Jahren die Räuber-Produktionen stattfinden. „Uns war es wirklich wichtig, jemanden zu finden, mit dem man gerne so viel Zeit im Bus verbringt und von dem man weiß, dass er mit dem Stress umgehen kann“, sagt der Bassist. „Sebi ist ein Flummi. Ich freue mich auch schon, mit ihm auf der Bühne zu tanzen.“

Der 44-Jährige geht demütig an die Aufgabe ran. „Ich will den Kurt nicht ersetzen, ich möchte meine eigene Persönlichkeit in die Band bringen“, sagt er. Seine Frau, die 13-jährige Tochter und auch der Hund wissen, was sich jetzt alles verändert.

Karl-Heinz Brand, Kurt Feller und Norbert Campmann von den Räubern.

Copyright: Die Räuber

Die Räuber in ihren Anfangsjahren: Karl-Heinz Brand, Kurt Feller und Norbert Campmann (v.l.).

„Möglicherweise werden jetzt auch einige wieder spitz anmerken, dass wir ohne Gründungsmitglied nur noch eine Coverband sind. Es wird immer welche geben, die der ehemaligen Formation nachtrauern, aber das hält sich bei uns in Grenzen, weil wir den Blick nach vorn gerichtet haben“, sagt Pieper.

Bester Beleg dafür ist die neue Ballade „Künnigin vum Rhing“, die am Freitag erschienen ist. Die musikalische Liebeserklärung an Köln verbindet Heimatgefühl, tiefe Verbundenheit und kölschen Stolz zu einer mitreißenden Hymne. Nach vielen Mittanz-Nummern setzen die Räuber in dieser Session auf besonders viel Gefühl.