Nach Skandal in Köln Lauterbach kehrt Institution den Rücken, die sein Leben prägte

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Karl Lauterbach, hier ein Foto vom 25. März 2021, ist bereits vor Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten. Das verriet der SPD-Politiker jetzt in einem Interview.

Köln – In der Corona-Krise gilt er als Mann mit klarer Meinung, die nicht immer jedem gefällt. Doch auch im privaten Bereich steht Karl Lauterbach (58) offenbar für klare Kante und Haltung. Wie er jetzt in einem Interview verriet, ist der Kölner SPD-Politiker bereits vor Jahren aus der Kirche ausgetreten – als Reaktion auf die Missbrauchsfälle, auch im Erzbistum Köln.

  • Karl Lauterbach trat vor Jahren aus der Kirche aus
  • SPD-Mann spricht von „Gewissensentscheidung”
  • Eine Rückkehr schließt er nicht aus

„Ich habe mich schon vor einigen Jahren dafür entschieden, es war eine Gewissensentscheidung“, sagte Lauterbach im Podcast „Talk mit K“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er sei ausgetreten, als ihm das Ausmaß von sexuellem Missbrauch in der Kirche bewusst geworden sei, so der SPD-Gesundheitsexperte weiter.

Karl Lauterbach bereits vor Jahren aus der Kirchen ausgetreten

Dabei ist Lauterbach nach eigenen Angaben in seiner Kindheit (in Oberzier, Kreis Düren) stark von der katholischen Religion geprägt worden. Auch heute noch stehe er der Kirche sehr nah. Doch die massenhaften Austritte der vergangenen Woche, zum großen Teil auch als Reaktion auf die Missbrauchsfälle und den Umgang mit ihnen, kann Lauterbach nachvollziehen.

„Als junger Katholik hätte ich es niemals für denkbar gehalten, dass es so etwas gibt, und das bestürzt mich stark“, sagte er mit Blick auf den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche. Den Umgang des Erzbistums Köln mit diesem Problem könne man „bestenfalls noch als unglücklich bezeichnen“, so Lauterbach. „Aus der Perspektive der Opfer tun sich Abgründe auf.“

Karl Lauterbach steht der Religion eigentlich sehr nah

Dabei versteht Lauterbach die Kirche auch weiterhin als potenziell wichtige Institution, die zum Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft beitragen könne. In einer Gesellschaft, in der es vielen nur noch um Geld und Macht geht, könnten sie sinnstiftende Gegenpole sein.

Ist das Kapitel Kirche trotzdem nun für immer geschlossen? Nicht unbedingt, sagt Lauterbach. „Ich habe meinen Austritt damals nicht an die große Glocke gehängt und würde auch nicht ausschließen, dass ich wieder eintrete, wenn sich die Dinge ändern.“

Karl Lauterbach und Corona: Kritik an neuen Beschlüssen

Natürlich stand im Podcast-Interview aber auch das Thema Corona ganz oben auf der Agenda. Dabei kritisierte Lauterbach die im Bundeskabinett am Dienstag beschlossenen Schritte im Kampf gegen die Corona-Pandemie als nicht ausreichend. Das gelte auch für eine nächtliche Ausgangssperre in Köln, die aber dennoch ihre Berechtigung habe.

„Die Ausgangsbeschränkung wird auf jeden Fall einen Einfluss haben, weil die Zahl der Menschen, die sich abends auf den Weg machen geringer wird. Oft beginnen die Treffen ja draußen und enden drinnen. Man darf die Wirkung aber auch nicht überschätzen. Diese Maßnahme allein wird nicht ausreichen, um die Pandemie-Lage zu stabilisieren.“ (tw)

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