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Kölsch-Rocker, Rebell, OpaJürgen Zeltinger feiert 70. Geburtstag – das Interview

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Jürgen Zeltinger und seine Band auf der Bühne der Bühne im Club Volta in Mülheim.

Köln – Er hat mit Lemmy von Motörhead gesoffen und war kurzzeitig wegen Haschisch im Jugendgefängnis. Er war Straßenmusiker, Prolet, Spinner, Tunte und vor allem immer Rebell – Jürgen Zeltinger ist eine Kölner Ikone. Unlängst feierte „Onkel Jürgen“ seinen 70. Geburtstag, doch für Zeltinger nur eine Zahl.

Jürgen Zeltinger: Konzert zum 70. Geburtstag

Am Freitagabend zeigte er im ausverkauften Club Volta, dass er im Herzen jung und im Kopf verrückt geblieben ist. Sofort nimmt „de Plaat“ sein Publikum in die Pflicht und ruft: „Ihr seid besser als Medizin!“ Gassenhauer wie der „Panzerfahrer“, „Mein Vater war ein Wandersmann“, „Balla Balla“ und natürlich der lautstark eingeforderte „Asi mit Niwoh“ lassen den Club beben.

Ebenso dürfen Songs wie „Sozialamt“, „Entzug“ und „Kölsche Junge“ nicht fehlen. Sie alle hämmert Zeltinger mit seiner Spielfreudigen Band wie eh und je zur Freude des Publikums raus.

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70 Jahre Jürgen Zeltinger und 40 Jahre Zeltinger-Band

Bevor Zeltinger mit seiner Arbeitslosen-Hymne „Müngersdorfer Stadion“ den Durchbruch schaffte und sich bis heute tief ins Kölner Musikgedächtnis eingegraben hat, war er musikalisch eher ein Softie, der vom „Hotel California“ träumte. Sein Image als Straßenjunge mit großer Schnauze, der auch gerne mal austeilt, pflegte Zeltinger selbst. Dabei war er zu sich und anderen ehrlich, wie 1979 bei seinem schwulen Coming-out mit dem „Tuntensong“.

„Für mich war es als Mensch und Musiker eine selbstverständliche Entscheidung“, betont der Altrocker. Nach der Gründung seiner Band (1979) war Zeltinger für ein paar Jahre der Allergrößte. Während Wolfgang Niedecken mit Bap noch in den Kinderschuhen steckte, feierte der „Asi mit Niwoh“ mit der LP „Live im Roxy und Bunker“ bereits Riesen-Erfolge und wurde zum Kult-Star der Kölschen Szene. Da störte auch nicht, dass er gerne mal sein Publikum mit „Na, ihr Dreckspack“ begrüßte.

Jürgen Zeltinger: Der dicke Zeh ist amputiert worden

In der ersten Band-Besetzung saß sogar Jaki Liebezeit von Can am Schlagzeug und Gitarrist war Arno Steffen. Ihm blieb gar nichts anderes übrig, denn Zeltinger befahl: „Ab morgen spielst Du in meiner Band, sonst gibt es Ärger.“

Weggefährten wie Steffen oder Wolfgang Niedecken beschreiben „de Plaat“ als einem Typen, der faszinierend, total authentisch, gleichzeitig aber auch angsteinflößendend sein konnte.

Mit dem Herz am richtigen Fleck, scherte sich Zeltinger nie um traditionelle Beziehungsmodelle und seine Gesundheit. Doch dann kurz vor seinem 70. Geburtstag der Rückschlag: Am 25. Mai musste Jürgen Zeltinger in die Klinik. Wegen seiner Diabetes wurde Jürgen Zeltinger der dicke Zeh amputiert (hier mehr lesen). „Nachdem ich jetzt insgesamt über vier Monate Krankenhausaufenthalt und vier Operationen hinter mir habe, kann man langsam von einer Verbesserung sprechen. Ich hoffe, dass bis Weihnachten alles überstanden ist und ich nicht mehr diesen lästigen Schuh tragen muss“, beschreibt Zeltinger die Situation.

Jürgen Zeltinger: Das Interview zum 70. Geburtstag

EXPRESS sprach vor seinem Konzert mit Zeltinger:

70. Geburtstag und 40 Jahre Zeltinger-Band. Wie gehst du mit dem Alter um?„Vom Kopf her wunderbar. Ich bin wie mit 30. Nur mit der Kraft hapert es mittlerweile.“

Wenn Du auf die letzten 40 Jahre zurückschaust – was war schön und auf was hättest du verzichten können?„Wenn ich ganz ehrlich bin – hätte ich auf nichts verzichtet. Ich habe wunderbar gesoffen, ich habe geliebt und ich habe immer Musik gemacht. Ich habe mein Leben genossen und würde es immer wieder so machen. Nur in einem Punkt wäre ich heute cleverer – mit den Finanzen. So wie das Geld reinkam, habe ich Prinz Karneval gespielt. Aber am verhungern bin ich dennoch nicht.“

Wie sieht deine Zukunft aus?(lacht) „Jetzt fragst du einen 70-jährigen, wie seine Zukunft aussieht. Meine Ziele sind vor allen Dingen, dass mein Stiefsohn und Gitarrist Dennis Kleimann mit seiner eignen Band „Stadtrebellen“ einen guten Durchbruch schafft – dass ich ihm dabei helfen kann. Mit der Zeltinger-Band wird heute oder morgen sowieso Schluss sein, weil ich einfach nicht mehr die Power habe, wie in früheren Zeiten über zwei Stunden die Bühne zu rocken. Dagegen die Unplugged-Duett-Konzerte mit Dennis möchte ich noch lange spielen.“

Also steht die Rente noch nicht an?„Nee, ich kann doch ohne Musik überhaupt nicht leben. Die Bühne und die Zusammenarbeit mit Dennis hält mich jung. Wenn ich nicht mehr spiele, bin ich tot.“

Seit dem 11. September gibt es eine ganz neue Rolle in deinem Leben: Opa Jürgen!„Das war ein ganz besonderer Moment für mich, als die Tochter von Dennis und seiner Frau Laura geboren wurde. Als ich die kleine Lea letztens im Arm hatte und sie mich anstrahlte, kamen mir die Tränchen. Ich bin echt stolz darauf, dass ich für sie Opa Jürgen sein darf.“

Zum Schluss noch eine gute Nachricht für alle Fans: „Die für dieses Jahr angekündigte Best of-Platte (alle Songs werden neu aufgenommen) erscheint auf jeden Fall im nächsten Jahr“, kündigt Zeltinger an.