Bis 2028 gesperrt Bürokratie: Ganz Deutschland lacht über Hürther Schranken-Posse

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Die Schranken am Neubaugebiet „Efferen West" sind Teil eines kuriosen Bürokratie-Falls.

Köln/Hürth – Die Hürther Bürokratie-Posse: Die satirische Kultsendung „extra3” (Das Erste) berichtet in einem Beitrag von Donnerstag (5. März) über die Schranken an der Zufahrt zum Wohngebiet, die bis 2028 verschlossen bleiben werden.

Hier den Beitrag ansehen:

Ein echter Bürokratie-Wahnsinn, über den EXPRESS bereits im April 2019 berichtete. Hier der Beitrag von damals:

Knapp außerhalb der Kölner Stadtgrenzen entsteht ein riesiges Neubaugebiet, bis zu 300 Wohneinheiten werden in „Efferen West", wie das Projekt getauft wurde, in Reihen-, Ein- und Mehrfamilienhäusern entstehen. Die Erschließung des gut elf Hektar großen Areals hat bereits im vergangenen Jahr begonnen.

Doch seit Monaten wundern sich Autofahrer und Fußgänger, die die direkt am Neubaugebiet vorbeiführende Umgehungsstraße (zwischen „Bellerstraße" und „In den Höhnen") nutzen, über einen ungewöhnlichen Anblick: Die aus Richtung Köln kommend erste Zufahrt zum entstehenden Wohngebiet ist versperrt. Durch Schranken, ähnlich wie in einem Parkhaus. Lediglich die Zufahrt über den Kreisverkehr gut 200 Meter weiter wäre aktuell möglich.

Hürther Schranken sind kuriose Lösung für großes Problem

Aber was steckt dahinter? Wird das Wohngebiet nach der Fertigstellung nur für Anwohner erreichbar sein, die die Schranken passieren können? Oder sind die Schranken Vorboten einer Einfahrt zu einem Lebensmittelhandel? Beides nicht.

EXPRESS fand heraus: Die kuriose Vorrichtung ist Teil eines waschechten Bürokratie-Vorgangs. Und wird noch lange nach der Fertigstellung des Gebiets bestehen bleiben, genauer gesagt bis 2028!

Hürth: Förderung der Bezirksregierung droht zu kippen

Als die Umgehungsstraße zu Beginn des Jahrhunderts gebaut wurde, erhielt die Stadt Hürth finanzielle Unterstützung von der Bezirksregierung Köln, insgesamt vier Mio. Euro. Mittel, die allerdings zweckmäßig an die Umgehungsstraße gebunden sind.

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Da für Umgehungsstraßen normalerweise keine direkten Zufahrten zu Wohngebieten vorgesehen sind, darf nur eine Zufahrt eingerichtet werden, zumindest bis 2028. Dann läuft die Zweckbindung offiziell aus. Und dann wird auch die zweite Einfahrt geöffnet. Damit 2028 nicht erneut gebaut werden muss, wurde die Zufahrt jetzt schon errichtet – aber wird eben für die nächsten neun Jahre nicht offen sein.

Hürther Stadtrat muss vernünftige Entscheidung treffen

„Das hätten wir natürlich gerne anders gehabt", sagt ein Sprecher der Stadt Hürth. Doch in der Planung des neuen Wohngebietes wurde der Wunsch nach einer zweiten Zufahrt von der Bezirksregierung nicht erhört – wobei schon eine Zufahrt in gewisser Weise ein Zugeständnis ist.

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Die Einfahrt ins Wohngebiet ist bereits angelegt, erst ab 2028 kann sie genutzt werden.

Andernfalls hätten die Zufahrten aus der anderen Richtung gestaltet werden müssen. Das Wohngebiet dort sollte allerdings durch die Umgehungsstraße entlastet werden – ein Teufelskreis. 

Hürth: Schranken öffnen sich erst 2028

Weil die Bezirksregierung nicht einlenkte, beschloss der Stadtrat die aktuelle Lösung. Kein Wunder, immerhin standen die vier Mio. Euro Förderung auf dem Spiel. „Im schlimmsten Fall hätten wir die kompletten vier Mio. Euro zurückzahlen müssen", bestätigt der Stadtsprecher.

Dann doch lieber auf eine kuriose Schranken-Lösung vertrauen und bis 2028 warten. Die Anwohner, die ab 2020 die ersten Häuser beziehen sollen, müssen so lange eben mit einer Zufahrt auskommen.

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