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Hat sie recht?Kölner Kabarettistin haut Selbstoptimierung in die Pfanne

Eine Frau mit blonden Haare und rotem Haarband schaut in die Kamera

Copyright: Yvonne Voermans-Eiserfey

Nach umjubelten Auftritten in Köln und Kerpen tritt Barbara Ruscher – das rote Haarband ist ihr Markenzeichen – am 1. Oktober im Bonner Pantheon auf.

Die Kölner Kabarettistin Barbara Ruscher nimmt Wechseljahre und den Selbstoptimierungs-Wahn aufs Korn. Schön böse, natürlich!

Barbara Ruscher (57) spießt gern auf, wo es zwischen Männlein und Weiblein so hakt. Und jetzt werden Teile ihres Programms („Romantik, aber zack zack“) ungeahnt aktuell. Denn mit der neuen „Allianz für Frauengesundheit“, die die Politik gerade erst ins Leben gerufen hat, erfüllt sich für die aus Funk und Fernsehen bekannte Kölner Kabarettistin im wahrsten Sinne des Wortes ein Herzensprojekt.

Und Beispiele für „geschlechtsunsensible“ Medizin hat Barbara Ruscher  zur Genüge. Studien in den USA hätten ergeben, dass Frauen nach Einnahme einer Schlaftablette morgens viel mehr Unfälle bauen. Warum? „Weil die Dosierung auf Studien mit Männern beruhe, Frauen sie aber ganz anders im Körper verarbeiten.“ Und weiter: „Ein Herzinfarkt kündigt sich bei Frauen ganz anders an, viel diffuser – mit Symptomen wie Kiefer- und Rückenschmerzen, Übelkeit oder Herzrasen“, ärgert sie sich im Gespräch mit EXPRESS.de, „und dann wird das vom Arzt oft nicht erkannt“. Sagt der: Ist nicht so schlimm, vielleicht haben Sie auch einfach nur Ihre Tage. Patientin antwortet: Ich bin 73! Er: Egal, Kassenpatientin, raus mit Ihnen, aber zack zack.“

„Ist es gesund, hektisch was Gesundes zu kochen?“

Im Programm gibt es nicht nur Wortbeiträge, sondern auch lustige, satirische Songs über Laubbläser, E-Bikes und auch über dieWechseljahre – ein Thema, das sie momentan am eigenen Leib zu spüren bekommt. Und das sich auch im 24-Stunden-EKG zeigt, das sie gerade macht. „Früher hatte ich immer einen Blutdruck von 90 zu 60 und habe ständig gefroren, jetzt liegt er bei 125 zu 90. Da wundere ich mich nicht mehr, dass die Temperatur in die Höhe schnellt, wenn mich ein Thema aufregt.“ Aktuell seien das natürlich die Wahlergebnisse.

Privat fühle sie sich als berufstätige Mutter beim grassierenden Selbstoptimierungswahn „oft etwas überfahren. Nichts gegen Yoga, Sport, gesunde Ernährung und Zahnseide – aber das alles in 24 Stunden? Da frage ich mich: Ist es eigentlich gesünder, hektisch was Gesundes zu kochen oder entspannt Pommes?“

Fünf bunt gekleidete Personen stehen zusammen und grinsen schelmisch.

Copyright: IMAGO/Horst Galuschka

Am 7.11. in „Ladies Night“ (v.l.): Die Nowak, Antonia Stabinger, Lisa Feller, Barbara Ruscher und Annick Adelle.

Und dann ist da noch die Sache mit der Romantik in Langzeitbeziehungen – ein Thema, das sie auf der Bühne genüsslich aufs Korn nimmt. Denn oft sei ja einer in der Beziehung romantisch, der andere nicht. Bei dem Programmpunkt würden viele Frauen auflachen: Freund, könntest du mir nicht wenigstens am Valentinstag Blumen schenken? Sagt er: Wieso? Am Totensonntag bin ich doch auch nicht einen Tag lang tot. Nein, sie regt sich nicht mehr auf, wenn „Freund“ (den Namen verrät sie auf der Bühne nicht) ihr Open-Air-Karten schenkt, doch statt Sting die „Monster-Truck-Show“ auf dem Kaufland-Parkplatz dabei herausspringt. Geht ja vielen Frauen so. „Wenn ich im Publikum frage, wo Männer sich auf der Romantik-Skala zwischen eins und zehn einstufen, kommt als Antwort meist nur eine solide Drei“, schmunzelt sie. Und auch die ist wohl oft noch ganz schön gestrunzt ...