Nach Geldwäsche-Razzia in Köln Zwei Frauen und zwei Männer vor Gericht: Sogar Bandenboss hintergangen?

Schwer bewaffnete Einsatzkräfte stehen vor einem heruntergelassenen Rollgitter.

Bei der Geldwäsche-Razzia am 27. Januar 2021 waren schwerbewaffnete Kräfte im Einsatz.

Vor dem Kölner Landgericht ist ein großer Prozess wegen Geldwäsche gestartet. Die Angeklagten waren bei einer Razzia Anfang 2021 festgenommen worden.

Die Mega-Razzia Anfang letzten Jahres war ein voller Erfolg. Fahnder schlugen in mehreren Städten zu: unter anderem in Köln auf der Keupstraße, wo in einem Safe Taschen voller Goldbarren sichergestellt wurden. Mehrere Personen wurden festgenommen. Vier davon stehen seit Montag (14. Februar 2022) in Köln vor Gericht.

Der Vorwurf gegen die zwei Frauen (61, 53) und zwei Männer (51, 31): Geldwäsche. Die vier Angeklagten sollen Teil eines riesigen, nicht genehmigten Finanztransfersystems gewesen sein, mit dem angeblich Vermögenswerte aus schweren Straftaten gewaschen wurden. Mutmaßlicher Bandenboss: Turan S., ein Schmuckhändler aus Istanbul. Nach ihm wird gefahndet.

Anklage wegen Geldwäsche in Köln: Es geht um Milliarden

Den vier Angeklagten in Köln wird neben Geldwäsche auch Verstoß gegen das Kreditwesengesetz und Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Sie sollen in dem System als Strohleute und Kuriere fungiert haben.

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Bei dem System wurde Geld, das es zu waschen galt, bei autorisierten Personen (meist Goldhändler und Juweliere) „eingezahlt“. Davon wurde dann Edelmetall, überwiegend Altgold, angekauft, in Barren eingeschmolzen und an der Steuer vorbei in die Türkei exportiert. Es geht um Barren mit Milliardenwert!

So wurde unter anderem schmutziges Geld gewaschen, das falsche Polizisten einer reichen Rentnerin (81) aus Bielefeld abgeknöpft hatten. Aus Angst vor einem drohenden Einbruch hatte die 81-Jährige im Mai 2019 den Betrügern unter anderem Goldbarren im Wert von mehr als einer Million Euro überlassen. Die Barren landeten in einem Geschäft an der Keupstraße in Köln, wo sie eingeschmolzen wurden.

Prozess in Köln: Angeklagte sollen Raubüberfall  erfunden haben

Eine der Angeklagten soll in Hürth eine Strohfirma geführt haben, von der aus unter anderem die Ausfuhr des Goldes in die Türkei organisiert wurde. Die großen Gold- und Bargeldmengen verleiteten offenbar die Angeklagten auch dazu, Boss Turan S. zu hintergehen. Sie sollen einen Raubüberfall erfunden haben, bei dem rund 1,3 Millionen Euro  weggekommen sein sollten. Um die Sache glaubhafter zu machen, sollen sie sogar einen der Mitangeklagten an einen Stuhl gefesselt haben. Das Geld sollen sie dann selbst eingesteckt haben.

Beim Prozessauftakt vor der 9. Großen Strafkammer schwiegen die Angeklagten. Insgesamt sind 30 Verhandlungstage bis zum 23. Mai vorgesehen. (iri)

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