Gesundheit und Corona Kölner Fitness-König kritisiert Politik: Schäden sind irreparabel

Frank Böhme von der Just Fit Kette in Köln

Frank Böhme vor seinem Gym im Mediapark.

Der Kölner Unternehmer Frank Böhme (61) gilt als Fitness-König der Stadt. Im Interview mit EXPRESS.de spricht er im Jubiläumsjahr seiner Marke über die Entwicklung der Clubs im Lauf der Jahre und speziell in der Corona-Zeit.

Gründer Frank Böhme hat die Fitness-Szene in der Region geprägt wie kein Zweiter, leitet 23 Anlagen mit mehr als 800 Mitarbeitern, ist als Vertreter einer ganzen Branche Sprachrohr im Dialog mit der Politik. Seine Fitnessmarke Just Fit wird in diesem September 20 Jahre alt. EXPRESS.de hat mit ihm gesprochen. 

Just Fit-Gründer Frank Böhme über seine neuen Pläne in Köln

Herr Böhme, was sind Ihre Ziele fürs neue Jahr?

Böhme: Ich bin ein Kind der Fitnessbranche, mache seit 1984 Fitnessclubs. Mit unserer Marke haben wir dieses Jahr 20-Jähriges. Jetzt haben wir Neues vor im Kölner Markt. Wir wollen zehn weitere Clubs im Stadtzentrum etablieren.

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Wie wird der Fitnessclub der Zukunft aussehen? Was für verrückte Trends gibt es?

Böhme: Ein Beispiel: Wir haben im Mediapark ein Gehirntrainingsgerät. An diesem Gerät können die Synapsen trainiert werden. Für einen Gamer oder Profifußballer können diese Millisekunden entscheidend sein. Das ist ein Beispiel dafür, dass wir neue Wege gehen müssen und schneller sein müssen als der Wettbewerb.

Warum sind Sie nie weg aus Köln? 

Böhme: Diese Idee hat mich jahrelang verfolgt. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte einst nicht viel größer gedacht. Aber ich bin heute 61 und es ist Zeit, die Familie mehr in den Fokus zu stellen und den Staffelstab an meinen Sohn Pascal in den nächsten Jahren zu übergeben.

Und: Wir waren in Düsseldorf und sind immer noch in Mönchengladbach. Dort sind wir EIN Fitnessanbieter, in Köln aber  haben wir uns einen Markennamen aufgebaut. Hier haben wir genug zu tun. Da müssen wir uns nicht noch andere Städte auf den Bauch binden.

Was waren Fehler in der Karriere?

Böhme: Ich bin 2000 dem Lockruf des Geldes erlegen, habe mich an 24 Hour Fitness (US-amerikanische Fitnesskette aus Kalifornien, Anm. d. Red.) verkauft. Wer mit Amerikanern zusammengearbeitet hat, weiß wie die ticken. Da sind Menschen nichts wert. Ich war als CEO eingestellt, aber nach sechs Monaten habe ich gesagt: Macht euren Mist alleine. Einem amerikanischen Konzern zu dienen, der seine Mitanbieter tagtäglich vorführt, dafür war ich nicht zu haben. Anschließend machte ich einen guten Schritt und kaufte Interfit und verkaufte es später für viel Geld, was mich unabhängig gemacht hat.

Was ist Ihr Erfolgstipp für einen jungen Unternehmer?

Böhme: Immer authentisch bleiben und nicht dem letzten Euro hinterherjagen.

Wie haben sich die Kunden verändert?

Böhme: 1984 habe ich den ersten Club in einer Nacht und Nebel-Aktion gekauft. Meine Mutter sagte: Du kündigst auf gar keinen Fall bei Ford. So hab ich angefangen. Wir hatten von 100 Menschen in Deutschland 1,4, die ins Gym gingen. Vor Corona jetzt waren es 13. Die Tendenz geht in Richtung 20 Prozent. Fitness ist heute gesellschaftlich anerkannt, damals hieß es nur: dicker Oberarm, breite Schultern. Ich habe alle Trends als Unternehmer durchlaufen. Aber in erster Linie muss ich meine Mitarbeiter mitnehmen. Das ist das A und O.

Was hat Corona mit Ihrer Branche gemacht?

Böhme: Unsere Branche hat schwer gelitten, ist nicht gesehen worden. Wir wurden als Freizeitunternehmen eingestuft, aber wir sind viel mehr, wir sind Gesundheitsunternehmen. Wir liegen alle zwischen 25 und 35 Prozent Mitgliederverlust und Umsatzrückgang. Bis wir auf das Niveau von 2019 kommen, brauchen wir drei bis fünf Jahre. Wir brauchen jetzt Unterstützung.

In welcher Form?

Böhme: Wir brauchen eine Entlastung steuerlicher Natur. Deshalb plädiere ich für eine Reduzierung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent. Damit belasten wir den Haushalt nicht sofort.

Hat die Politik die gesundheitliche Komponente bei den Trainierenden unterschätzt?

Böhme: Völlig. Durch Corona sind so viele Schäden gesundheitlich entstanden, die irreparabel sind. Die Folgen und Kosten sind gar nicht abzusehen.

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