Unglaublicher FallDer 19-Mio.-Euro-Betrug von Köln – diesen Luxus soll sich Angeklagter gegönnt haben

Ein Mann sitzt in dicker Winterjacke auf der Anklagebank, Kopf und Gesicht sind mit Mütze und Schal vermummt.

Angst vor den Presse-Kameras: Der Angeklagte (38) sitzt beim Prozessauftakt am Montag (29. Januar 2024) total vemummt auf der Anklagebank. Vor sich eine Tasche als zusätzlicher Sichtschutz. 

Um rund 19 Millionen Euro soll ein 38-Jähriger die Kassenärztliche Vereinigung betrogen haben. Jetzt steht er in Köln vor Gericht. Mitangeklagt ist eine befreundete Frau. 

von Iris Klingelhöfer (iri)

Es geht um nicht weniger als 19 Millionen Euro! Ein Mann (38) steht seit Montag (29. Januar 2024) vor dem Kölner Landgericht, weil er im großen Stil mit Corona-Bürgertests betuppt haben soll.

Es geht um gewerbsmäßigen Betrug, Untreue, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung. Von den 19 Millionen Euro Gesamtschaden soll er mehrere Millionen Euro an sich selbst ausgezahlt haben – für Luxus. Auch einen Doktor-Titel soll er sich „gegönnt“ haben. 

Prozess in Köln: Coronatests abgerechnet, die es nicht gab

Als der Angeklagte, der in U-Haft sitzt, in den Gerichtsaal geführt wird, ist er nicht zu erkennen. Offenbar aus Angst vor den Kameras der zahlreichen Presseleute hat er sich vermummt und hält sich zusätzlich noch eine Aktentasche vor das Gesicht. 

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Die Vorwürfe gegen den 38-Jährigen sind heftig. Er soll als Geschäftsführer zweier Firmen (unter anderem Hersteller von Medizintechnik) von März 2021 bis Mai 2023 ein Netz von Corona-Testzentren in Köln, Euskirchen sowie im Rhein-Erft-Kreis und dem Rheinkreis Neuss aufgebaut, betrieben – und damit betrogen haben. 

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Der 38-Jährige soll die Anzahl der Testungen unzutreffend angegeben und diese einfach mal um mindestens ein Drittel erhöht haben. Heißt: Laut Anklage stellte er der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) Coronatests in Rechnung, die es gar nicht gab. Auch rechnete er Genesungszertifikate ab, die nie ausgestellt worden waren.

Betrug mit Coronatests: Angeklagte Frau betrieb Testzentrum in Kerpen

Dieses „Geschäftsmodell“ habe der 38-Jährige dann auch an seine Freundin herangetragen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die 47-Jährige sitzt nun mit auf der Anklagebank.

Sie soll ein Testzentrum in Kerpen auf eigenen Namen und eigene Rechnung geführt haben. Die Anklage wirft ihr einen gleichgelagerten Abrechnungsbetrug mit einem Schaden von mehr als 800.000 Euro vor. 

Kölner Staatsanwaltschaft: Viel Geld für Immobilien, Schmuck & Co.

Zur Corona-Hochzeit boomte das Geschäft. Teilweise soll der 38-Jährige jeden Monat Millionenbeträge ergaunert haben. Die Kölner Staatsanwaltschaft listet zum Beispiel für Februar 2022 einen Schaden von rund 2,7 Millionen Euro auf, in anderen Monaten soll er sogar noch höher gewesen sein. 

Mehr als sechs Millionen Euro soll der Angeklagte dabei über Scheinrechnungen an Drittfirmen beiseite geschafft oder an sich selbst ausgezahlt haben. Das zu Unrecht erhaltene Geld soll er dann für Immobilien, teure Flitzer, Luxusuhren und Schmuck verbraten haben. Auch von einer 50.000 Euro-Küche ist die Rede. Zudem soll er für das Haus seiner Eltern eine Solaranlage springen gelassen haben. 

Mutmaßlicher Corona-Betrüger schmort in Kölner JVA in U-Haft 

Der 38-Jährige sitzt seit seiner Festnahme in der JVA Köln in U-Haft. Die befreundete Mitangeklagte ist auf freiem Fuß. Der Prozess ist mit 20 Verhandlungstagen zunächst bis zum 25. April terminiert. Allerdings beantragte einer der Verteidiger beim Prozessauftakt, das Verfahren für eine Woche zu unterbrechen.

Hintergrund war seine Besetzungsrüge. So hatte unter anderem ein Schöffe kurzfristig ersetzt werden müssen, da dieser doppelt besetzt worden war – neben dem Prozess am Kölner Landgericht auch für einen Prozess am Amtsgericht Bergheim. Auch der eigentliche Vorsitzende Richter ist verhindert, sodass nun ein anderer Richter der Kammer vorsitzt.