Denkmal im Kölner Westen Hinter dieser Mauer begann der Weg in die Hölle

Deportationslager Köln-Müngersdorf

Diese Stahl­wand-Skulp­tur soll an das ehemalige De­por­ta­ti­ons­la­ger in Mün­gers­dorf erinnern.

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar bekommt eine schlichte Stahlwand in Köln-Müngersdorf eine noch größere Bedeutung: Sie erinnert an die Kölner Juden, die von hier aus in Vernichtungslager gebracht wurden.

Es ist ein eher unscheinbares, schlichtes Denkmal: 19 Meter lang, vier Meter breit, aus rostig-rotem Stahl. Doch es erinnert im Kölner Westen an unfassbares Grauen: Dort, nahe des Eingangs zur heutigen Kleingartenanlage „Waldfrieden“, befand sich Anfang der dunklen 1940er Jahre ein Deportationslager.

In diesem Lager begann für tausende Menschen jüdischen Glaubens der Weg in die Hölle, ein Weg unvorstellbaren Leides. Sie wurden von den Nationalsozialisten in verschiedene Vernichtungslager verschleppt.

Köln: In Müngersdorf trieben die Nazis Juden zusammen – und deportierten sie

Ende 1941 begannen die Nazis auch im Rheinland mit Deportationen. Die damals noch in Köln lebenden Juden wurden zusammengetrieben, kamen in die frühere preußische Befestigungsanlage Fort V und in ein armseliges Barackenlager – das Deportationslager. 

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Die Zustände im Lager am Walter-Binder-Weg, das auch „Müngersdorfer Judenlager“ genannt wurde, waren unvorstellbar: Das Wasser lief von den Wänden, die Fenster waren vergittert – es kam kaum Luft und Licht in die Räume. Eng war es dort. Eng und eiskalt. 15 Menschen auf 35 Quadratmetern – Krankheiten durch mangelnde Hygiene waren an der Tagesordnung, Suizide ebenfalls.

Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln hat die Historie dieses Deportationslagers in Müngersdorf aufgeschrieben, es ist ein Zeugnis aus der dunkelsten Zeit unserer Geschichte. Schätzungsweise 3500 Personen mussten vor ihrer Deportation das Lager im Kölner Westen erdulden.

Köln im Nationalsozialismus: Tausende interniert in Müngersdorf

Wie aus dem Bericht des NS-Dokumentationszentrums weiter hervorgeht, diente das Barackenlager 1943/44 der Firma Eichhorn Bauunternehmung als „Gemeinschaftslager“ zur Unterbringung von Arbeits- und Zwangsarbeitskräften verschiedener Nationalität.

Ab September 1944 internierte die Kölner Gestapo demnach jüdische Männer und Frauen, die in „Mischehen“ lebten, in Müngersdorf. Außerdem Männer, Frauen und Kinder, die als „Halbjuden“ galten. Viele von ihnen wurden von hier aus direkt in die Vernichtungslager deportiert.

Als die Alliierten auf Köln marschierten, wurde das Lager am 1. März 1945 aufgelöst. Die verbliebenen Häftlinge verließen Müngersdorf auf einem Evakuierungsmarsch ins Sauerland. Dutzende starben noch auf dem Weg an Krankheiten und Entkräftung. Fünf Tage später erreichten US-amerikanische Truppen Köln ...

Denkmal in Müngersdorf von Kölner Architekt Simon Ungers (†) gestaltet

Gestaltet worden ist das Denkmal nach einem Entwurf des Kölner Architekten Simon Ungers: Er wurde 1957 in Müngersdorf geboren und war 1969 in die USA ausgewandert. 1999 kehrte er zurück ins Rheinland, wo er 2006 nach langer Krankheit verstarb.

In seinem Nachlass, den seine Schwester verwaltet, befand sich der Entwurf einer 19 Meter langen und vier Meter breiten Stahlwand mit ausgesparten Öffnungen – das heutige Mahnmal. (smo)

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