Kölner Filialen bald dicht? Demo für Mitarbeiter von Handelsriese mit klarer Botschaft

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Der Demozug vor der Galeria Kaufhof in der Schildergasse.

Köln – Mit langen „Zukunft statt Kahlschlag"-Transparenten, wehenden Flaggen und lautstarken Sprechchöre mit den Rufen „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut" zogen am Dienstagmorgen Verdi-Demonstranten aus ganz Deutschland durch die Kölner City – von Karstadt zum Kaufhof und wieder zurück.

Die Angst sitzt tief, bei den bundesweit rund 38.000 Beschäftigten der angeschlagenen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof.

Wie gehen die seit Montag in Köln laufenden Verhandlungen in der ehemaligen Kaufhof-Zentrale an der Leonard-Tietz-Straße zwischen der der Verdi-Bundestarifkommission und der Arbeitgeberseite weiter?

Der vorläufige Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz kündigten danach an, dass im Zuge der Sanierung bis zu 80 der 172 Warenhäuser geschlossen werden könnten.

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Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi drängt in den Verhandlungen auf einen Sozial-Tarifvertrag, die Bildung einer Transfergesellschaft sowie einen Tarifvertrag für gute und gesunde Arbeit.

Verdi-Proteste gegen Schließung bei Galeria Karstadt Kauhof

Werden auch die berühmten Warenhäuser an der Schildergasse und Breite Straße dicht gemacht?

„Kölns Kaufhof und Karstadt dürfen nicht sterben", sagt eine langjährige Kundin zum EXPRESS: „Da stecken so viele Kindheitserinnerungen drin, die Kaufhäuser sind einfach ein Stück Köln."

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Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei der Gewerkschaft Verdi, sprach vor den Demonstranten.

Das Pikante: Alle rund 50 Demonstranten waren Mitglieder der Bundestarifkommission. Aus Köln war von den Beschäftigten und Betriebsräten offiziell niemand präsent, da derzeit kein Arbeitskampf ausgerufen ist und deshalb der Arbeitsplatz für eine Protestaktion nicht verlassen werden darf.

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Allerdings machte Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei der Gewerkschaft Verdi, seiner Wut per Megaphon so lautstark Luft, dass es wohl auch in den Kaufhäusern unüberhörbar war: „Man will 80 Filialen schließen und damit Tausende Beschäftigte auf die Straße setzen. Davon sind 70 Prozent Frauen, die zum Teil seit 40 Jahren in diesem Unternehmen arbeiten. Die tagtäglich Menschen bedienen, die dafür sorgen, dass unsere Innenstädte nicht veröden – diesen Menschen will man jetzt die Existenz rauben."

Akman kritisierte, dass es keinen Zukunftsplan gebe und betonte: „Wenn Eigentum laut Grundgesetz verpflichtet, dann gilt das auch für die Kaufhof-Bosse. Sie müssen ihrer Verantwortung gerecht werden, dass man tausende Menschen nicht auf die Straße setzen kann und ihnen einen Arschtritt gibt und sie mit zweieinhalb Monatsgehältern zusehen sollen, wo sie hinkommen."

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Auch vor der Karstadt-Filiale nahe Olivandenhof wurde gegen den Job-Abbau demonstriert.

Der Handelsriese musste angesichts der Umsatzeinbrüche durch die Corona-Krise Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen.

In Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern, Gläubigern und Vermietern versucht die Geschäftsführung aktuell die Grundlagen für einen Sanierungsplan zu legen. Der muss bis Ende des Monats vorliegen, um ein reguläres Insolvenzverfahren zu vermeiden.

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Sabine Jakoby und Olaf Elfner, Mitglieder der Verdi-Bundestarifkommission, kamen zur Demo aus Baden-Württemberg angereist.

„Ansonsten ist zu befürchten, dass zum 1.Juli alle Mietverträge und Mitarbeiter gekündigt werden und ab 30.September dann alle Kollegen arbeitslos sind", sagt Betriebsrätin Sabine Jakoby. Und Kollege Olaf Elfner fügt hinzu: „Es kann alle treffen. Auch Köln."

Die Ungewissheit, dass nicht verraten werde, welche Häuser bestehen bleiben, habe auch taktische Gründe: „Derzeit befindet sich die Geschäftsführung in Gesprächen mit allen Vermietern. Wenn man öffentlich zusagt, in Häusern bleiben zu wollen, hat man bei den Mietverhandlungen schlechtere Karten."

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