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„Das Maß ist voll“Bittere Studie: Das sind die großen Verlierer in Köln

Altbauwohnungen in Köln

Altbauwohnungen in Köln (Archivbild): Die IG Bau warnt davor, dass vor allem Jüngere und Ältere die Verlierer auf dem Kölner Wohnungsmarkt sind.

Aktualisiert

Die Lage in Köln ist ernst – und das bereits seit vielen Jahren. Die Mieten und Kaufpreise in der Stadt steigen immer weiter. Nun belegt eine neue Studie, wer die großen Verlierer dieser Entwicklung sind.

Zu wenig, zu teuer: Der Wohnungsmarkt in Köln spitzt sich immer weiter zu. Köln gehört in ganz Deutschland neben Berlin und Frankfurt zu den Top-7-Städten mit dem höchsten Wohnungsbedarf, wie eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im vergangenen Jahr ergeben hat. 

Der Grund: Es werden zu wenig Wohnungen neu gebaut, um den riesigen Bedarf in der Stadt zu decken. In Köln ist die Lücke laut IW zwischen Bedarf und Bautätigkeit am größten – kurzfristig ist der Mangel damit weiterhin riesig. Für viele Menschen wird es immer schwerer, eine passende Wohnung zu finden – oder sie müssen immer tiefer ins Portemonnaie greifen. 

„Dann ist das Maß voll“

Eine neue Studie der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hat nun ergeben, welche dramatischen Folgen diese Entwicklung hat: Vor allem Jüngere und Ältere sind die Verlierer auf dem Wohnungsmarkt. 

Der „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat, zeigt: Menschen, die in der Stadt eine Ausbildung antreten wollen, leiden massiv. „Etliche der rund 20.100 Azubis in Köln wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, erklärt Mehmet Perisan, Bezirksvorsitzender von der IG Bau in Köln-Bonn.


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Das könne auch zur Folge haben, dass ein Ausbildungsvertrag gar nicht erst zustande kommt, weil Wohnen zu teuer ist. „Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Perisan. Das wiederum falle auch auf die lokalen Betriebe zurück. Er warnt: „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben.“

Auch „Baby-Boomer“ zählen zu den Verlierern

Nicht nur Azubis, auch Ältere leiden laut der Studie. Die IG Bau warnt vor „Wohnarmut im Alter“. Vor allem wenn die Baby-Boomer bis 2035 komplett in Rente sind, könnte es dramatisch werden. Etliche könnten sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten. „Viele der Baby-Boomer in Köln bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie ganz häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet“, so Perisan. „Sie wohnen sich regelrecht arm.“

Die Gewerkschaft warnt vor einer weiteren Verschärfung. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, so Bezirkschef Persian. Ein wichtiger Schritt seien mehr Sozialwohnungen. „Bis 2035 muss es in ganz Nordrhein-Westfalen 454.900 Sozialwohnungen geben.“

Um dem Problem Herr zu werden, will Köln den „Bau-Turbo“ zünden: Zum Beispiel soll auf einen langwierigen und teuren Bebauungsplan verzichtet werden, um den Bau von Wohnungen zu beschleunigen. Statt mehreren Jahren soll die Prüfung dann nur drei Monate dauern, dann würden Bauanträge automatisch als genehmigt gelten. Damit das funktioniert, braucht die Stadt Köln einen Ratsbeschluss zur Übertragung der Zustimmung der Gemeinde auf die Verwaltung.

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