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Kölner Brauer mit Appell So retten wir unser Kölsch durch die Corona-Krise

Kölsch

Das liebste Getränk der Kölner: Kölsch.

Köln – Werden die Kölner und Rheinländer am Ende der Corona-Krise noch ihre Lieblings-Kölschmarke in der Kneipe bekommen? Diese Frage stellen sich zurzeit viele kleine Kölsch-Brauereien, auch die Kneipenwirte leiden wie viele andere Branchen enorm.

Kölsch: Fassbier-Umsatz komplett eingebrochen

Deshalb steht auch bei Christian Kerner, Geschäftsführer des Kölner Brauerei-Verbands, das Telefon nicht mehr still. „Der Markt an Fassbier ist zu fast 100 Prozent eingebrochen“, rechnet er vor.

ChristianKerner

Christian Kerner ist Geschäftsführer des Kölner Brauerei-Verbandes.

Denn zu den geschlossenen Kneipen kommen beispielsweise der Einbruch bei Lanxess-Arena, FC und Tourismus-Geschäft. Auch Messebesucher, die nach einem Messetag mit den Kollegen zum Kölsch greifen, fehlen. Ebenso Grill-Partys und Co.

Appell: Im Supermarkt auf regionale Kölsch-Marken setzen

Für Kerner steht fest: „Bis Ende des Jahres werden manche Kölsch-Brauer, die nur Fassbier anbieten, wohl nicht durchhalten können.“

Aber es gibt auch einen anderen Trend, der die Kölsch-Brauer hoffen lässt: Der Absatz an Flaschenbier ist seit der Corona-Krise um gut 15 Prozent angestiegen. „Das kann den Wegfall am Fassbier-Umsatz aber nicht kompensieren“, so Kerner.

Er sagt aber: „Wenn Kunden Bier im Supermarkt oder Getränkehandel kaufen, dann wäre es schön, wenn sie auf die regionalen Kölsch-Marken setzen und nicht auf andere Biere ausweichen.“ Das würde zumindest ein wenig helfen, unser Kölsch zu retten.

KölschFlaschen

Das könnte helfen: Wenn Kunden im Supermarkt Bier kaufen, sollten sie auf regionale Kölsch-Marken setzen.

Die Beschränkungen in der Gastronomie treffen die Kölsch-Brauer also hart. Familienunternehmen, die sich jetzt mit aller Macht gegen die Krise stemmen. „Wir alle stehen vor einer großen Herausforderung und können aufgrund der täglich wechselnden Informationslage aktuell natürlich nur auf Sicht fahren“, sagt auch Gaffel-Inhaber Heinrich Philipp Becker. „Nichts desto trotz bleiben wir optimistisch und sind uns sicher, dass wir diese Situation mit unseren Mitarbeitern sowie den Partnern in Gastronomie und Handel gemeinsam meistern werden.“

Gaffel-Chef fordert flexible Lösung für Wirte

Seine besondere Aufmerksamkeit gilt den Maßnahmen in der Politik. „Die Herabsenkung der Mehrwertsteuer war vielleicht ein guter Schritt, aber zu kurz gedacht bzw. nicht ausreichend.“ Denn die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent beträfe eben nur Speisen und nicht Getränke. „Wir leben in Köln aber auch von der Kneipenkultur, wo viele Betriebe wenig Speisen anbieten. Unsere Kneipenkultur, ein wesentlicher Bestandteil unseres kölschen Jeföhls, ist damit in Gefahr.“

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Gaffel Marketing-Geschäftsleiter Thomas Deloy: „Wir sind das beliebteste Kölsch in der rheinischen Gastronomie mit über 3000 Betrieben. Wir versuchen auch in dieser Situation konstruktiver Ansprechpartner und Dienstleister zu sein. Dort kommen vielfach Sorgen und Nöte zum Vorschein, die wir individuell bearbeiten.“

Kölsch-Brauer: Biergärten öffnen!

Heinrich Becker erhofft sich von der Politik jetzt flexiblere Maßnahmen. „Ich stelle mir vor, dass die Stadt den Gastronomen unter anderem die Möglichkeit gibt, Außengastronomie unbürokratisch zu vergrößern bzw. neu zu konzessionieren, um so, unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes, die existenznotwendigen Umsätze erwirtschaften zu können.“

AlexanderManek

So wie bei Alexander Manek im Unkelbach könnten viele Biergärten mit dem nötigen Abstand sofort loslegen.

Das soll kein Dauerzustand werden. „Es muss klar sein, dass wir in einer Ausnahmesituation sind. Das sollte man bei allen Entscheidungen berücksichtigen.“

Köln: Parkplätze als Biergärten?

Im Klartext kann das aber auch bedeuten: Parkplätze, Grünflächen oder Plätze, wo es durchführbar ist, für die Gastronomie zu öffnen. Das sieht auch Christian Kerner so, der die Forderungen des Deutschen Brauerei-Verbands unterstützt. „Man darf zumindest mal diskutieren, warum Biergärten geschlossen bleiben. Das ist nicht nachvollziehbar und hätte zumindest den Kölsch-Wirten mit Außengastronomie enorm geholfen.“

Kerner klipp und klar: „20 Prozent Umsatz ist besser als null Prozent."

Köln: Wirte müssen Kölsch wegschütten

Das bestätigt auch Frank Markus, Inhaber des Dom im Stapelhaus in der Altstadt. Doch die Wirte stehen vor ganz anderen Problemen. „Kölsch ist ein Lebensmittel. Wir müssen nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums das Kölsch wegschütten." Je länger das Gastro-verbot dauert, umso mehr muss in den Gulli. Frank Markus: „Das tut mir in der Seele weh. Dieses Lebensmittel bedeutet für mich Umsatz. Und dann muss ich es einfach wegschütten."

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