„Wie eine tote Kuh Auto fährt" Kölner Fitness-König kritisiert Angela Merkel

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Erfolgreicher Unternehmer: Der Kölner Frank Böhme ist ein Sprachrohr der Fitnessbranche in der Krise.

Köln – Es ist dramatischer denn je: Ganze Branchen ächzen unter den verschärften Corona-Maßnahmen.

Wie die Gastro und die Veranstaltungsszene ist auch die Fitnessbranche derzeit stillgelegt. Die Hanteln und Ergometer stehen in den Gyms des Landes wie Deko-Stücke herum. Jeder Tag, an dem die Studios geschlossen bleiben, kostet Mitglieder. Und das heißt: Umsatz.

Mächtige Vertreter der Szene haben sich deshalb nun zusammengeschlossen und einen Brandbrief an die Abgeordneten des Bundestages verfasst, in dem sie dazu auffordern, die Situation für die Studios neu zu bewerten.

Der Kölner Frank Böhme, Gründer der bekannten Just Fit-Kette, ist einer von ihnen. Das EXPRESS-Interview.

Herr Böhme, wie beurteilen Sie die aktuelle Lage der Fitnessbranche?

Frank Böhme: Es gibt zwei Herzen in meiner Brust. Auf der einen Seite das des Menschen, der noch Eltern und Schwiegereltern hat. Dann den Unternehmer Frank Böhme. Als Privatperson verstehe ich: Wir müssen die Kontakte reduzieren, sonst explodiert uns am Ende die Zahl der Kranken in den Krankenhäusern. Doch was ich der Politik ankreide, ist, dass man in der Zeit, als alle Experten gesagt haben: Wir bekommen eine zweite Welle - dass da soviel Zeit versäumt worden ist, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Und da kommt der Unternehmer dann durch.

Wie beurteilen Sie die Verschärfungen dann jetzt?

Böhme: Hier ist panisch reagiert worden. Das Ganze ist nicht final durchdacht worden. Ich hätte den Lockdown ganz anders gemacht und 14 Tage alles komplett dicht gemacht. Dass sich alle besinnen. Es kann doch nicht sein, dass da in Berlin jetzt 20.000 Leute auflaufen können, ohne Abstand und Masken, die auch noch randalieren. Und dann werden die Gastronomen kaputt gefahren. Da passt doch was nicht. Die Maßnahmen, die laufen, funktionieren nicht. Da hat die Politik in meinen Augen geschlafen.

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Der Brief der zehn Fitness-Größen an die Abgeordneten des Bundestags.

Was bedeuten die Schließungen der Studios, die Sie in Ihrem Brief kritisieren, grob in Zahlen?

Böhme: Dass das uns natürlich wirtschaftlich richtig auf die Füße fällt. Wir als Just Fit haben in den letzten Jahren kaufmännisch gut gewirtschaftet. Wir haben in die Clubs investiert, eine sehr gute Liquiditätsbasis gegründet. Wir können ein halbes Jahr zumachen, und es passiert nichts. Aber an unsere ganze Expansion für die nächsten Jahre ist nicht zu denken.

Doch Sie haben den Brief angesprochen. Hierfür sitzen schon zehn Menschen zusammen, die ein Großspektrum der Branche abdecken, Wir wollen politische Arbeit machen ohne Parteibuch.

Was sind Ihre Argumente gegenüber den Abgeordneten?

Böhme: Guckt euch die Branche an. Wir reden von Millionen Leuten mit Herz-Kreislauf-Problemen, mit Adipositas, die diesen Sport einfach brauchen. Und bei uns entgeht keinem was: Wir können auf die Sekunde jeden einzelnen auf die Sekunde digital bestimmen und nachverfolgen. Wenn ein Corona-Fall in einem Studio ist und die Gesundheitsämter überfordert sind, können wir die Leute nachverfolgen und anrufen und bitten in Quarantäne zu gehen.

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Die WorldGym-Mitarbeiter Thomas Plett und Silke Bierbaumer im präparierten Studio.

Was ist Ihre Prognose für die nächsten Wochen?

Böhme: Wir gehen davon aus, dass wir bis kurz vor Weihnachten zu bleiben. Der Dezember wird ein Kollateralschaden, Die Branche verliert 15 bis 20 Prozent unserer Mitglieder.

Wer kann das verkraften?

Böhme: Ich denke, dass 15 Prozent der Branche den Bach runtergeht, eine 2 kann auch davor stehen. Ich glaube ehrlich, dass durch die Schließung der kommerziellen Fitnessclubs ein volkswirtschaftlicher Langzeitschaden angerichtet wird, den keiner in Zahlen fassen kann.

Ich rede von einem zweistelligen Milliardenbereich, da würde ich auch drauf wetten. Im Sommer wurde verpasst, genau zu analysieren. Die Branche und die Trainierenden wären doch heute froh, mit Maske zu trainieren. Ich sage: Sauberer und klarer geht es nicht.

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Partner: Frank Böhme mit FC-Finanzchef Alexander Wehrle

Warum finden Sie dann kein Gehör?

Böhme: Unsere Branche hat keine Lobby und wird wie ein Stiefkind behandelt. Ich bin ein Fan von Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier. Aber die können mit Sport leider soviel anfangen, wie eine tote Kuh Auto fährt. Wir als Fitnessstudios werden auf dem Niveau von Puffs angesiedelt. Und das ist eine Tragödie.

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