„Könnte Superspreader werden“ Kölner ist bei OPs dabei und bekommt keinen Impftermin

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Der Kölner Medizinproduktberater Holmer Bruhn (53) ist täglich bei Operationen dabei, bekommt aber keinen Impftermin.

Köln – „Für uns ist es aktuell nicht möglich, einen Impftermin zu bekommen. Egal, wo wir anrufen oder hinmailen“, sagt der Kölner Medizinproduktberater Holmer Bruhn. Jeder Tag ohne Impftermin bedeutet nicht nur für ihn ein erhöhtes Infektionsrisiko, sondern auch für viele Patienten aus Kölner Krankenhäusern. Denn der 53-Jährige begleitet täglich mehrere Operationen und hat daher am Tag manchmal mehr als 100 Kontakte.

  • Kölner Medizinproduktberater sind täglich bei OPs anwesend
  • Kölner (53) bekommt trotz Kontakt zur vulnerablen Gruppe keinen Impftermin
  • Stadt Köln erklärt Priorisierung

Kölner Medizintechniker (53) bekommt keinen Impftermin

Seit Tagen versucht Holmer Bruhn, einen Impftermin in Köln zu erhalten. Bislang ohne Erfolg.

„Wenn man die 116117-Hotline anruft, heißt es jedes Mal, dass es im Moment nur Termine für die über 80-Jährigen gibt – ohne Ausnahme“, so der Kölner Mitarbeiter der Medizintechnikfirma Smith & Nephew. 

Dabei ist der 53-Jährige täglich in Krankenhäusern und bei Operationen anwesend. Denn der Techniker ist für die Wartung der medizinischen Geräte zuständig, reicht Instrumente an und ist somit ein fester Bestandteil des medizinischen Ablaufs bei Operationen im ganzen Rheinland.

„Wir begleiten Operationen mit unseren Medizinprodukten und haben dadurch häufig Kontakt zu Älteren und pflegebedürftigen Patienten mit hohem Risiko zu einem tödlichen Verlauf im Falle einer Ansteckung mit Covid-19. Auch das gesamte OP-Team ist mit uns im regelmäßigen Kontakt. Wir nehmen oft mehrere OP-Termine am Tag in unterschiedlichen Kliniken in Köln und Umgebung wahr“, so Bruhn über seine Tätigkeit.

Kölner hat Angst, ohne Impftermin zum Superspreader zu werden

Seinen Kölner Kollegen ergeht es beim Versuch, einen Impftermin zu vereinbaren gerade genauso. Auch andere Mitarbeiter der Medizintechnikfirma erklären gegenüber EXPRESS, sich bei der Impfterminvergabe komplett im Stich gelassen zu fühlen. 

„Je länger sich das jetzt noch hinzieht und ich keinen Impftermin bekomme, desto mehr Angst hat man, irgendwann zum Superspreader zu werden, da der Kontakt zu mehreren Hundert Menschen im Klinikbereich schlichtweg zum Berufsalltag gehört“, betonen Holmer Bruhn und ein Kollege von ihm im EXPRESS-Gespräch.

Medizinproduktberater: „Nur in Köln gibt es diese  Probleme“

Die konkrete Kritik der Kölner Angestellten: „Die Firma hat in ganz Deutschland viele Mitarbeiter, die einen Impftermin brauchen und bekommen haben. Nur in Köln gibt es diese Probleme“, so die Erfahrung der Medizinproduktberater. Dabei gehe es Bruhn nicht nur um seine eigene Sicherheit.

„Ich möchte die Patienten nicht gefährden, darum geht es uns allen. Ich will das Virus nicht an eine Ältere und kranke Personen weitertragen, die sowieso gerade auf dem Operationstisch liegen“, sagt Bruhn.

Stadt Köln sieht Berufsgruppe in Impfgruppe 3

Auf EXPRESS-Anfrage erklärt die Stadt Köln den Hintergrund der Situation.

„Mitarbeiter der Firma „Smith Nephew“ werden laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) innerhalb der umgesetzten Priorisierung in Deutschland wie folgt eingestuft: Es handelt sich um die dritte der priorisierten Gruppen, für die noch kein konkreter Impftermin prognostiziert werden kann“, teilt eine Stadt-Sprecherin gegenüber EXPRESS mit.

Bundesverband für Medizintechnologie widerspricht Stadt Köln

Der Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BV Med), der die Produkthersteller und damit auch die Berufsgruppe der Medizinproduktberater vertritt, sieht das anders und glaubt, dass die Stadt Köln die Impfverordnung in diesem Fall falsch interpretiert.

„Das Bundesgesundheitsministerium hat die neue Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV) am 8. Februar 2021 veröffentlicht. In der Begründung zur Verordnung sind auch Mitarbeiter von Medizintechnik-, Hilfsmittel- und Homecare-Unternehmen, Sanitätshäusern sowie Medizinprodukteberater bei der OP-Begleitung als priorisierter Personenkreise zur Impfung genannt“, erklärt BV-Med-Sprecher Manfred Beeres gegenüber EXPRESS.

Corona: Kölner bekommt keinen Impftermin

„Insgesamt gilt als Voraussetzung zur Impfpriorisierung in Gruppe 1 nach wie vor regelmäßig bestehender Patientenkontakt zu älteren und vulnerablen Menschen sowie das damit einhergehende Expositionsrisiko. Sie bezieht sich (zumindest für Gruppe 1) also nicht grundsätzlich auf alle Mitarbeiter“, erklärt Beeres, und das sei die Crux.

Doch Holmer Bruhn als OP-Mitarbeiter gehört laut dem Verband definitiv in Impfgruppe 1. Die Stadt Köln will den Fall nach erneuter EXPRESS-Nachfrage noch einmal überprüfen.

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