Der Circus Roncalli hat sein 50-jähriges Bestehen mit einer besonderen Gala auf dem Neumarkt gefeiert. Direktor Bernhard Paul kehrte als Clown Zippo zurück. Die Höhner spielten in alter und neuer Besetzung.
Emotionale Gala zum 50-JährigenRoncalli-Chef kehrt als Clown zurück in die Manege
Dieser Abend war wieder einer für die Geschichtsbücher. Auf dem Kölner Neumarkt feierte der Circus Roncalli mit einer ganz besonderen Gala sein 50-jähriges Bestehen.
Am 18. Mai 1976 hatte Direktor Bernhard Paul mit „Die größte Poesie des Universums“ seine Welturaufführung im Bonner Hofgarten gefeiert und damit das Roncalli-Märchen gestartet.
Circus-Theater Roncalli: Gala zum 50. Jubiläum auf dem Neumarkt
Genau 50 Jahre später hieß es am Montagabend (18. Mai 2026) „Manege frei“ für eine ganz besondere Geburtstagsvorstellung. Mit jeder Menge Nostalgie, Musik, Artistik und Humor verzauberte Paul das Publikum, darunter Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester, Tommy Engel, Stephan Brings, Katja Burkard und Guido Cantz.
Während der Circus Roncalli inzwischen jedes Jahr rund 3,6 Millionen Menschen in seinen Bann zieht, musste Bernhard Paul zu Beginn für seinen Traum hart kämpfen: „Seit ich sechs Jahre alt war, habe ich davon geträumt, Zirkus zu machen und als Clown in der Manege zu stehen. Dass wir heute den 50. Geburtstag feiern, hätte ich mir damals nicht in meinen kühnsten Träumen vorstellen können“, gestand Paul mit Tränen in den Augen.
Zur Feier des Tages hatte sich der Direktor erstmals seit 20 Jahren wieder in Clown Zippo verwandelt. Die Gäste spendeten minutenlangen Applaus und stehende Ovationen für den 79-Jährigen. „Ich muss dem Schicksal danken, dass meine Träume regelrecht übererfüllt wurden. Ich habe in meinem Leben sehr viel Glück gehabt. Das fing schon damit an, dass ich im Circus Krone meine Frau Eliana gestohlen habe und sie mir drei wunderbare Kinder geschenkt hat, die alle für den Circus Roncalli arbeiten. Sie sind die nächste Generation. Wir werden den Circus Roncalli am Leben erhalten und weiterentwickeln.“

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Die Ur-Höhner Peter Werner, Henning Krautmacher, Janus Fröhlich und Hannes Schöner (v.l.) zusammen mit Bernhard Paul bei „Minge Droum“.
Hochemotional ging es direkt weiter, als die Ur-Höhner „Minge Droum“ anstimmten. „Lieber Bernhard, das wird heute kein leichter Abend für dich“, kündigte Henning Krautmacher, der Ex-Frontmann der Höhner, an. „Ich habe dich noch nie so mit Tränen erfüllten Augen gesehen, wie als zu Beginn der Applaus aufbrandete und du endlich wieder mal als Clown Zippo in deine Manege gekommen bist.“
Noch immer von seinen Gefühlen erschlagen, gestand Paul: „Es ist einfach unbeschreiblich. Heute feiern wir eine Mischung aus Klassentreffen und Kölschfest. Ich freue mich, dass meine lieben Freunde, die Ur-Höhner, wieder aus der Höhle gekrochen sind. Wir haben viele Jahre zusammen in ganz Deutschland erfolgreich die Höhner Rockin' Roncalli Show gemacht. Durch euch bin ich zu einem echten Kölner geworden.“

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Bernhard Paul setzte sich bei „Echte Fründe“ ans Höhner-Schlagzeug.
Bevor die Ur-Höhner zusammen mit der jetzigen Band-Formation „Echte Fründe“ anstimmten, lüftete Krautmacher ein Geheimnis: „Was die wenigsten wissen: Bernhard ist ein alter Rock’n’Roller, er hat Schlagzeug studiert.“ Unter dem nicht enden wollenden Applaus setzte sich Paul ans Schlagzeug und sorgte zusammen mit den zehn Höhnern für einen Auftritt, der ebenfalls in die kölsche Geschichte eingehen wird.
Nach dem Gänsehautauftritt setzte Ober-Hohn Patrick Lück noch einen drauf. „Wir sind sehr dankbar, dass wir dieses emotionale Jubiläum begleiten dürfen, und präsentieren jetzt unsere Circus-Prinzessin Geraldine Philadelphia, die uns mit ihrer Hula-Hoop-Darbietung verzaubern wird.“

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Alte und neue Höhner zusammen in der Zirkusmanege. Am Mikrofon wechselten sich der ehemalige Frontmann Henning Krautmacher (l.) und sein Nachfolger Patrick Lück (r.) ab.
Nach dem musikalischen Geburtstagsständchen der Höhner sorgte Bernhard Paul als Clown Zippo für viele Lacher. „Ich wollte immer ein Clown sein. 30 Jahre lang habe ich mich jeden Abend in mein altes Ego verwandelt und die Menschen zum Lachen gebracht. Gerade in der heutigen Zeit wirkt Lachen wie eine kleine Befreiung, also zeigt Gefühle, zeigt Emotionen“, so der Aufruf von Paul, der im nächsten Jahr seinen 80. Geburtstag feiert.
Zusammen mit seinem Sohn Adrian in der Rolle des Clown Bippo präsentierte Paul eine witzige Zauber-Nummer. „Je älter ich werde, umso mehr liebe ich meinen Vater und seine Rolle als Clown Zippo. Was soll ich sagen, mir blieb gar nichts anderes übrig, als auch Clown zu werden“, gestand Adrian, der in Düsseldorf das Roncalli Apollo Varieté leitet. Er trug bei der Nummer übrigens das allererste Clownskostüm seines Vaters.

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Bernhard Paul in seiner Kult-Rolle als Clown Zippo (r.) zusammen mit seinem Sohn Adrian als Clown Bippo (M.) und Moderator Matthias Opdenhövel.
Auch mit fast 80 Jahren und nach einem halben Jahrhundert Zirkuszauber, hat Paul noch Träume. Ein Museum in Köln wäre ein solcher Wunsch. „Ich habe nicht nur 50 Jahre Zirkus gemacht, sondern auch 50 Jahre gesammelt. Unter den vielen wunderbaren Dingen ist unter anderem auch der Nachlass des weltberühmten Clowns Grock.“ Leider sind die Pläne für ein Zirkus-Museum in Köln immer wieder gescheitert. Grund dafür: „Bevor ich ein Museum eröffnen kann, muss ich erst einmal für 500 Parkplätze sorgen.“
Moderator Matthias Opdenhövel machte dann zusammen mit dem Publikum Nägel mit Köpfen. „Wenn wir schon Kölns neuen Oberbürgermeister unter den Gästen haben, wie wäre es, Herr Burmester, wir beschaffen 100 Parkplätze und Sie bekommen das mit dem Museum hin?“

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Lili Paul-Roncalli begeisterte mit ihren unglaublichen Verrenkungen.
Wortgewandt wie Burmester ist, gratulierte er zum Jubiläum: „Die Stadt Köln und ich verneigen uns vor ihrem Lebenswerk und sagen Danke für 50 tolle Jahre.“ Woraufhin sofort die Frage von Opdenhövel kam: „Ist das jetzt ein Ja zum Museum?“ Der OB wich aus: „Das ist jetzt erst einmal ein Ja, dass ganz Köln den Circus Roncalli liebt.“
Bevor Kathy Kelly von der Kelly Family musikalisch mit dem Song „Das Leben ist ein Circus“ gratulierte, begeisterte Pauls Tochter Lili unter anderem am Trapez. Wenn der stolze Papa sich an ihre Kindheit erinnert, hat er immer ein Bild im Kopf. „Wenn sie sich einen Film angeschaut hat, dann hat sie dabei ihre Füße über den Hals und nach hinten gedreht. Ich habe immer nur gedacht: Wie macht sie das bloß?“

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Kathy Kelly (M.) von der Kelly Family gratulierte musikalisch mit dem Song „Das Leben ist ein Circus“.
Lili, die mit sechs Jahren bereits angefangen hatte zu trainieren, war immer sehr ehrgeizig. „Immer wenn Papa mit mir ein Eis essen gehen wollte, habe ich nein gesagt, weil ich trainieren wollte. Da war Papa immer traurig, weil eigentlich er das Eis haben wollte“, erinnerte sich die „Let’s Dance“-Siegerin.
Die dreieinhalbstündige, grandiose Jubiläumsshow endete mit „Viva Colonia“ von der kompletten Höhner-Familie. „Für mich war es einer der schönsten Zirkusabende der letzten 50 Jahre. Alles, was man mit Liebe macht, wird auch geliebt“, freute sich Bernhard Paul. „Meine Kinder Vivian, Lili und Adrian haben einen wunderschönen Satz gesagt: Unser Vater wird große Fußstapfen hinterlassen, aber zu dritt werden wir sie ausfüllen. Ein Satz, der mich sehr stolz macht.“
