Ein Vorhaben von Umweltdezernent William Wolfgramm sorgt in Köln für gewaltigen Zoff.
Baum-Zoff in KölnPlan der Stadt macht Eigentümer stinksauer

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Diese 25 Meter hohe Platane steht am Bürgerzentrum Alte Feuerwache im Agnesviertel.
An 45 Standorten sollen Bäume in Köln zu Naturdenkmälern werden. Das betrifft nicht nur öffentliche Flächen, sondern auch Privatgärten – und die Auflagen für die Besitzer sind knallhart. Sie gehen weit über die übliche Baumschutzsatzung der Stadt hinaus.
Wer so einen Baum besitzt, darf ihn dann weder fällen noch stutzen. Sogar der Boden im direkten Umfeld ist ohne Genehmigung tabu. Diese massive Beschränkung des Eigentumsrechts wird durch das Bundesnaturschutzgesetz ermöglicht.
Eigentümerverein schlägt Alarm
„Wir stehen einem so wesentlichen Eingriff in privates Eigentums kritisch gegenüber und lehnen eine solche Unterschutzstellung ab“, findet Thomas Tewes, Hauptgeschäftsführer des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins, klare Worte im „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Es gehe nicht darum, den Naturschutz zu blockieren, sondern um die „Unfähigkeit der öffentlichen Hand, pragmatisch, schnell und lösungsorientiert mit Bürgerinteressen umzugehen“. Tewes warnt mit einem drastischen Fall: „Wenn schon an einem so herausragenden Baudenkmal wie dem Bahnhof Belvedere der Baumschutz vor dem Gebäudeschutz steht und Substanzschäden billigend in Kauf genommen werden, dann will man sich gar nicht ausmalen, in welches Hintertreffen private Eigentümer in einer solchen Situation geraten würden“. Das Gebäude in Müngersdorf steht direkt an einer Platane, deren Fällung ein Gericht verboten hatte, obwohl sie geplant war.
Doch wie wird ein Baum überhaupt zum Denkmal? Behörden, Verbände oder Privatleute können Vorschläge einreichen. Die Stadt Köln als zuständige Behörde prüft dann die Kandidaten. Die Kriterien: Ist ein Baum besonders alt, groß, selten, wertvoll, prägt er die Landschaft oder ist er historisch wichtig?
„Man will damit Bäume, die auch Dokumente ihrer Zeit sind, besonders schützen und herausheben“, erklärt Joachim Bauer, Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln. Bei einem Naturdenkmal werde auch das Umfeld geschützt und mehr Geld in den Erhalt investiert. Weil die Prüfung und die Anhörungen der Eigentümer so aufwendig sind, dauert die offizielle Eintragung oft Jahre. „Das macht man nicht jedes Jahr neu“, so Bauer.

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Eine 13 Meter hohe Wintergrüne Eiche in Köln-Lindenthal wird zum Naturdenkmal.
Hält das Umweltdezernat einen Baum für geeignet, können die Besitzer und andere Stadtämter ihre Bedenken äußern. Eine Garantie, dass sie erhört werden, gibt es aber nicht. Am Ende müssen der Stadtrat und die Bezirksregierung Köln als höhere Instanz zustimmen. Erst dann wird der Baum ins Denkmalregister eingetragen. So kommt die bunte Mischung an ausgewählten Bäumen zustande.
Auf der Liste der neuen Kandidaten steht zum Beispiel eine 25 Meter hohe Platane vor dem Bürgerzentrum Alte Feuerwache im Agnesviertel. Sie soll wegen ihrer Größe, ihres Alters, ihrer Erscheinung und der Wirkung mit dem denkmalgeschützten Gebäude geschützt werden. Eigentümerin ist hier die Stadt Köln.
Ebenfalls geschützt werden soll eine 13 Meter hohe Wintergrüne Eiche am Kringsweg 6 in Lindenthal. Sie steht vor einem Gästehaus der Kölner Universität. Hier waren die Seltenheit des Baumes und seine prägende Funktion für das Straßenbild entscheidend.
Es kann aber auch Privateigentümer treffen: In Rodenkirchen sollen zwei stattliche Rotbuchen im Garten eines Hauses an der Uferstraße unter Schutz gestellt werden. Grund sind ihre Imposanz, ihr Alter und die gemeinsame Wirkung des Baum-Paares.
In Buchforst soll sogar eine ganze Allee mit 85 Platanen zum Naturdenkmal werden. Die Stadt nennt als Grund die Stattlichkeit, das Alter und die Erscheinung der Allee sowie ihre wichtige Funktion für das Stadt- und Straßenbild.
KVB und Bauamt laufen Sturm
Doch nicht alle sind von den Plänen begeistert. Die Kölner-Verkehrs-Betriebe (KVB) wollten die Unterschutzstellung der Allee in Buchforst verhindern, weil die Bäume die Stadtbahn-Gleise säumen. Das Umweltdezernat wies den Einwand aber zurück. Der Schutz stehe der Verkehrssicherheit nicht entgegen und die Verordnung sei flexibel genug.
Auch die städtische Gebäudewirtschaft wehrte sich grundsätzlich gegen den Schutz von Bäumen auf Grundstücken in ihrem Sondervermögen. Die Sorge: Bauliche Verdichtungen auf Schul- und Kita-Grundstücken würden erschwert oder unmöglich. Diesen Einwand nahm das Umweltdezernat auf und schuf eine Sonderregelung, um den Schulbau nicht zu gefährden.
Bäume als Naturdenkmäler: Wie findet ihr das?
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Kritik kam ebenso vom Bauaufsichtsamt. „Es ist auffällig, dass sich die Bäume in klassischen Baulücken befinden oder in Hinterhöfen, wo eine Nachverdichtung nach Paragrapah 34 Baugesetzbuch möglich wäre“, teilte das Amt mit. Die Naturdenkmäler würden so Flächen für potenzielle Bauprojekte blockieren.
Vor allem der Schutzbereich von fünf Metern um den Baum herum würde die Bebauungsmöglichkeiten „deutlich einschränken“. Das Umweltdezernat entgegnet, dass auch bei Baulücken so geplant werden müsse, dass ein Denkmal nicht unnötig beeinträchtigt wird. Verhindere der Baum aber jede sinnvolle Nutzung, sei eine Befreiung denkbar.
Die traurige Liste der verschwundenen Baum-Denkmäler
Bislang listet die Stadt 154 Einzelbäume, 34 Ensembles mit 95 Bäumen und sechs Alleen mit 589 Bäumen als Naturdenkmäler. Die Liste wurde aber seit 2002 nicht mehr aktualisiert. Deshalb existieren 33 dieser Standorte gar nicht mehr. Die Bäume mussten meist wegen Krankheit gefällt werden.
Ein trauriges Beispiel ist eine Rotbuche, die auf dem Domfriedhof direkt hinter dem Kölner Dom stand. Sie ist noch in der Liste, aber in der Realität längst weg. Wie eine Sprecherin mitteilte, überlebte der Baum den trockenen Frühling 2011 nicht und wurde 2012 mit Genehmigung der Stadt entfernt. Heute steht dort eine Sommer-Linde, zehn weitere Bäume sollen folgen.
Einen großen Vorteil hat der Status als Naturdenkmal für die Eigentümerinnen und Eigentümer aber doch: Die Stadt Köln übernimmt alle Kosten für die Pflege und den Schnitt der geschützten Bäume. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
