„War sprachlos“ Kölner kauft Lego bei Amazon und kann nicht fassen, was ankommt

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Benjamin Stapf zeigt seine „Errungenschaft“.

Köln/Herkenrath – Eigentlich hatte sich Benjamin Stapf (39) nur einen Scherz erlauben wollen. „Ich habe ja wirklich nicht damit gerechnet, dass es ankommt“, sagt der gebürtige Kölner über seine „Errungenschaft“.

„Militärische Figuren Set“ heißt das Paket, das Stapf vor ein paar Tagen bei Amazon gekauft hat. Was es wirklich ist: gefälschtes Nazi-Lego. Mit drei Ausgaben von Adolf Hitler, SS-Soldaten, Flaks und Flaggen mit Reichsadler-Emblem.

Kölner kauft Nazi-Lego bei Amazon: „War einfach sprachlos“

Stapf distanziert sich klar von rechtem Gedankengut. Dass er auf das Lego-Set stieß, war vollkommener Zufall. „Nachdem meine Kinder beim Entenangeln auf der Kirmes ein Polizei-Set gewonnen hatten und wir dafür acht Euro ausgegeben hatten, dachte ich mir: Das muss es doch auch billiger geben.“

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Also klickte er sich durch die Amazon-Seiten. Über Umwege kam er zum zweifelhaften Angebot. „Plötzlich habe ich 'unseren Adolf' gesehen und war einfach sprachlos.“ Der Mini-Führer und seine Gefolgschaft tragen rote Armbinden mit der in Deutschland verbotenen Siegrune.

Das 30-teilige „Militärische Figuren Set“ wird zum unschlagbaren Preis von 27,99 Euro angeboten. Versandkosten fallen keine an, obwohl das Produkt aus China geliefert wird.

Nazi-Plagiate ähneln originalem Lego stark

Stapf bestellte aus Jux – im Glauben, dass die Lieferung auf dem Weg zu ihm aufgehalten werden würde. Stattdessen lag sie wenige Tage später im Briefkasten. Kein Paket, dafür eine schlichte Plastikverpackung.

Bei Benjamin Stapf mischen sich Schock und verquere Faszination: „Es ist wie ein Autounfall, man will nicht hingucken, muss aber. Ich bin sprachlos, dass man es sich einfach nach Deutschland liefern lassen kann. Ich will nicht wissen, wie viele Leute sich diesen Mist bestellen.“

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Lego-Adolf mit seinem Schäferhund und einer Luger-Pistole in der Hand.

Vom reinen Preis-Leistungs-Aspekt her hat der 39-Jährige keinen schlechten Deal gemacht: „Die Qualität ist hochwertig, es sieht aus wie ein hochwertiges Lego-Produkt.“ Dennoch hat sich Stapf vorgenommen: „Ich will es auf jeden Fall zurückschicken und um Stellungnahme bitten.“

Darf ich ein Amazon-Paket behalten, das ich gar nicht bestellt habe? Wir haben die Antwort – in unserem Artikel.

Lego über Nazi-Plagiate: „Werden notwendige Maßnahmen ergreifen“

Doch was hält eigentlich Lego vom dreisten Nazi-Plagiat? Sprecherin Joëlle Homberger sagt auf EXPRESS-Anfrage: 

Man werde „alle notwendigen Maßnahmen“ ergreifen, um sicherzustellen, dass „unsere Urheberrechte und – noch viel wichtiger – unsere Kunden geschützt sind“.

Nazi-Merchandise, Aufkleber und Propaganda-Schriften frei verfügbar

Nazi-Artikel sind leider keine Ausnahme bei Amazon. Kürzlich forderte bereits der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, den Versandhändler zum Verzicht auf den Verkauf entsprechender Artikel auf.

Es sei eine „völlig inakzeptable Situation, dass über Amazon T-Shirts und Aufkleber vertrieben werden, die NS-Größen oder rechtes Gedankengut verherrlichen oder den Hass auf Minderheiten schüren“, sagte Schuster dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Der Shopping-Lust rechtsgerichteter Menschen ist auf Amazon tatsächlich kaum eine Grenze gesetzt.

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T-Shirts mit Slogans wie „Auch ohne Sonne braun“, Fanartikel der mittlerweile verbotenen Rechtsrock-Band „Landser“, außerdem Aufkleber mit Sprüchen wie „Lieber Kernkraft als Flüchtlingsstrom“ und als „wissenschaftliche Quellentexte“ ausgewiesene Propagandaschriften mit Titeln wie „Der Jude als Weltparasit“ oder „Judas: Der Weltfeind“.

Ein Großteil der genannten Artikel ist auch aktuell noch frei bestellbar – und wird unter anderem von Shops vertrieben, deren Inhaber als Aktivisten der rechten Szene bekannt sind.

Das sagt Amazon zu den Nazi-Artikeln auf seiner Webseite

Amazon distanziere sich deutlich vom Nationalsozialismus und seiner Verherrlichung, teilt Sprecher Tobias Goerke auf EXPRESS-Anfrage mit. Das Nazi-Lego-Set sei nicht mehr erhältlich. Bezug nehmend auf die anderen Artikel ergänzt Goerke:

Benjamin Stapf freut sich, dass Amazon beim Nazi-Lego durchgegriffen hat. Der Familienvater musste nach seinem Kauf zu Hause übrigens einige Gespräche führen. „Wir haben einen sechsjährigen Sohn. Dem musste ich alles erklären. Er darf nur damit spielen, wenn Adolf in der Gefängniszelle der Lego-Polizei sitzt“, sagt Stapf.

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