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Verliebt in die VorstellungWarum wir Menschen daten, die es noch gar nicht gibt

Copyright: Louisa Noack / image generator pro

Aus wenigen Nachrichten wird manchmal eine ganze Liebesgeschichte im Kopf. Unser Gehirn füllt Lücken oft schneller, als wir denken.

Hier wird’s heiß: Eine Nachricht morgens. Zwei lustige Sprachnachrichten. Vielleicht ein erstes Date mit viel Lachen und einem „Meld dich, wenn du zu Hause bist“. Und plötzlich passiert etwas Verrücktes: Aus einem Menschen, den wir eigentlich kaum kennen, wird in unserem Kopf eine komplette Liebesgeschichte.

Wir sehen gemeinsame Reisen, Sonntage auf dem Sofa, Spaziergänge im Herbst, vielleicht sogar schon den Lieblingsplatz auf dem Balkon. Das Gehirn wirft Konfetti, die Fantasie übernimmt Regie und irgendwo im Hintergrund läuft romantische Filmmusik. Das Problem: Der Hauptdarsteller kennt das Drehbuch oft noch gar nicht.

Wenn das Gehirn den Rest einfach selbst schreibt

Gerade am Anfang kennen wir Menschen erstaunlich wenig. Trotzdem fühlt sich vieles plötzlich unglaublich eindeutig an. Eine nette Geste wird zum Zeichen tiefer Aufmerksamkeit, ein langer Blick bekommt Bedeutung und aus „Wir sollten mal essen gehen“ wird beinahe eine Zukunftsplanung. Unser Gehirn mag keine Lücken. Es liebt Geschichten und versucht ständig, Zusammenhänge herzustellen. Fehlen Informationen, ergänzt es sie einfach selbst.

Dating-Apps sind perfekte Projektionsflächen

Früher lernte man Menschen oft über längere Zeit kennen. Heute reichen wenige Fotos, einige Nachrichten und vielleicht ein erstes Treffen. Dadurch entsteht eine interessante Dynamik: Je weniger wir wissen, desto mehr Platz bekommt unsere Fantasie. Und manchmal verlieben wir uns dann weniger in die Person als in das Gefühl, das sie in uns auslöst.


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Die Enttäuschung beginnt oft erst später

Das Gemeine daran: Die andere Person hat häufig gar nichts falsch gemacht. Sie ist vielleicht einfach nur ein normaler Mensch mit schlechten Tagen, Macken und Eigenheiten. Genau wie wir selbst. Nur passt diese Realität manchmal nicht mehr zur Version, die wir vorher in unserem Kopf gebaut haben.

Therapeutische Einschätzung

Menschen ergänzen fehlende Informationen automatisch mit eigenen Erfahrungen, Wünschen und Sehnsüchten. Besonders Menschen, die sich nach Nähe, Sicherheit oder Liebe sehnen, neigen dazu, sehr früh innere Bilder zu entwickeln. Das ist nichts Pathologisches sondern menschlich. Wichtig wird nur, sich regelmäßig zu fragen: Verliebe ich mich gerade in diesen Menschen oder in die Vorstellung davon, wie er mein Leben verändern könnte?

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Fazit

Schmetterlinge sind wunderbar. Aber manchmal fliegen sie nicht um eine reale Person herum, sondern um eine Idee. Und Ideen können verdammt charmant sein. Aber die Realität auch. 

Ach, „Menners“!
Warum ein Autor mit Männern abrechnet (und sie trotzdem datet)