Draußen wird es kälter, drinnen wächst die Sehnsucht nach Nähe. Doch die sogenannte „Cuffing Season“ kann für Singles zur Liebesfalle werden, wenn aus dem Wunsch nach Zweisamkeit plötzlich Beziehungsdruck entsteht.
Kuscheln statt Swipen?Warum die „Cuffing Season“ beim Dating zur Liebesfalle werden kann

Copyright: Louisa Noack / KI-generiert
Kuscheln statt Singleleben? In der sogenannten Cuffing Season wächst bei vielen Menschen der Wunsch nach einer festen Beziehung. Doch wer aus Angst vor dem Alleinsein zu schnell eine Partnerschaft eingeht, übersieht möglicherweise wichtige Warnsignale.

Wenn aus Herbstgefühlen plötzlich Beziehungsdruck wird
Die Blätter fallen, die Temperaturen sinken und in Köln werden die ersten Glühweinbuden aufgebaut. Während man im Sommer noch spontan am Rhein saß und das Singleleben genoss, sieht die Sache im November plötzlich anders aus. Jetzt wäre jemand schön, mit dem man sonntags im Bett bleiben, Weihnachtsmärkte besuchen und sich durch die dunklen Monate kuscheln könnte. Und schon wird aus dem gelegentlichen Swipen auf der Dating-App eine ziemlich ernsthafte Partnersuche.
Dieses Phänomen hat sogar einen Namen: „Cuffing Season“. Der Begriff stammt aus dem Englischen und beschreibt die Zeit im Herbst und Winter, in der Singles verstärkt nach einer festen Verbindung suchen. „To cuff“ bedeutet sinngemäß, jemanden an sich zu binden. Gemeint ist die Sehnsucht nach einer Beziehung, die möglichst rechtzeitig zur gemütlichen Jahreszeit beginnt.
Das klingt zunächst romantisch. Problematisch wird es allerdings, wenn aus dem Wunsch nach Nähe die Angst entsteht, den Winter allein verbringen zu müssen.
„Wenn der Gedanke ‚Ich muss jetzt schnell jemanden finden‘ aus Angst vor dem Alleinsein kommt, entsteht Druck – und dieser kann dazu führen, dass man Kompromisse eingeht oder sich selbst nicht mehr wirklich wahrnimmt“, erklärt Anouk Algermissen, Psychologin, Paartherapeutin und Dating- und Beziehungsexpertin bei der Dating-App Hinge.
Hauptsache, Weihnachten nicht allein?
Gerade die Wochen vor Weihnachten können für Singles emotional herausfordernd sein. Überall begegnen uns Bilder glücklicher Paare: gemeinsames Plätzchenbacken, romantische Weihnachtsmarktbesuche, Silvester zu zweit. Wer allein ist, kann schnell das Gefühl bekommen, etwas zu verpassen.
Dabei ist die Sehnsucht nach Zweisamkeit völlig normal. Wir Menschen brauchen Nähe, Zuneigung und das Gefühl, verbunden zu sein. Doch es macht einen entscheidenden Unterschied, ob wir uns einen Partner wünschen, weil wir unser Leben mit jemandem teilen möchten, oder ob wir eine Beziehung suchen, um unangenehme Gefühle nicht spüren zu müssen.
Denn wer unbedingt bis Weihnachten vergeben sein möchte, übersieht möglicherweise Warnsignale. Plötzlich erscheint jemand interessant, der eigentlich überhaupt nicht zu den eigenen Vorstellungen passt. Unterschiedliche Lebensziele werden heruntergespielt, mangelndes Interesse schöngeredet und aus einem mittelmäßigen Date wird gedanklich schon der gemeinsame Silvesterabend.
Das Problem ist nicht der Wunsch nach einer Beziehung. Das Problem beginnt, wenn die Angst vor dem Alleinsein wichtiger wird als die Frage, ob zwei Menschen wirklich zusammenpassen.
Drei Fragen, die Singles sich jetzt stellen sollten
Anouk Algermissen empfiehlt deshalb, die Cuffing Season nicht als Wettlauf gegen die Einsamkeit zu betrachten, sondern als Gelegenheit, bewusster zu daten. Drei Fragen können dabei helfen:
Was brauche ich, um beim Dating authentisch zu bleiben? Vielleicht bedeutet das, sich nach einem Date Zeit zum Nachdenken zu nehmen, mit Freunden darüber zu sprechen oder eine neue Bekanntschaft bewusst langsamer anzugehen.
Wonach sehne ich mich gerade wirklich? Geht es um emotionale Tiefe, Verbindlichkeit und eine langfristige Partnerschaft? Oder wünsche ich mir vor allem jemanden, der die dunklen Abende weniger einsam macht?
Bei wem kann ich wirklich ich selbst sein? Eine gute Verbindung sollte nicht davon abhängen, dass wir uns verstellen, ständig gefallen wollen oder eigene Bedürfnisse zurückstellen.
Besonders Singles, die schon länger auf Partnersuche sind, rät die Expertin zu einem Perspektivwechsel: „Mein Rat ist, den Blick zu verändern: weg davon, ausgewählt werden zu wollen, hin zu der Frage, was und wen du selbst wählst.“ Ein wichtiger Gedanke. Denn beim Dating geht es nicht darum, möglichst schnell jemanden von sich zu überzeugen. Es geht darum, herauszufinden, ob beide Menschen einander guttun.
Weniger Dating-Stress, mehr echte Verbindung
Auch Dating-Apps versuchen inzwischen, bewusstere Begegnungen zu fördern. Hinge setzt beispielsweise auf sogenannte „Du bist dran“-Limits. Die Funktion soll Nutzer dazu bewegen, zunächst auf offene Nachrichten zu reagieren, bevor sie immer neue Gespräche beginnen. Mit der Funktion „Signals“ soll außerdem aufmerksames und rücksichtsvolles Verhalten sichtbarer werden.
Du möchtest mal wieder richtig flirten und suchst nach der großen Liebe oder einem knisternden Date? Dann entdecke Bütz Mich, das kölsche Partnerportal aus deiner Region.
➔ Jetzt bei Bütz Mich kostenlos anmelden*
Solche Funktionen können dabei unterstützen, bewusster mit Dating-Kontakten umzugehen. Ob daraus tatsächlich eine passende Beziehung entsteht, entscheidet sich allerdings nicht auf dem Bildschirm, sondern im persönlichen Miteinander.
Wer schreibt von sich aus? Wer interessiert sich wirklich für den anderen? Wer nimmt sich Zeit, hört zu und hält Verabredungen ein? Und vor allem: Wie fühlt man sich nach einem Treffen? Entspannt, gesehen und neugierig auf mehr? Oder verunsichert und ständig damit beschäftigt, die Aufmerksamkeit des anderen zu gewinnen? Gerade in der Cuffing Season lohnt es sich, auf diese Unterschiede zu achten.
Lieber allein auf dem Sofa als zu zweit unglücklich
Natürlich spricht nichts dagegen, sich im Herbst zu verlieben. Im Gegenteil: Gemeinsame Spaziergänge durch das herbstliche Köln, ein gemütlicher Abend im Lieblingsrestaurant oder der erste Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt können wunderbare Anfänge einer Beziehung sein.
Nur sollte die Jahreszeit nicht darüber entscheiden, mit wem wir unser Leben teilen. Denn ein Partner ist keine Winterjacke, die man sich schnell besorgt, damit es bis zum Frühling nicht so kalt wird.
Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis der Cuffing Season deshalb ganz einfach: Lieber ein bisschen länger auf den Richtigen warten, als sich aus Angst vor dem Alleinsein an den Falschen zu klammern. Und wer weiß? Vielleicht wird der Winter auch ohne neue Beziehung richtig schön.

