Schon wieder jemand, der sich nicht festlegen will. Schon wieder einer, dem du hinterherläufst. Und irgendwann stellst du dir die Frage: Warum verliebe ich mich eigentlich immer in die Falschen? Dahinter steckt oft mehr als Pech beim Dating. Paar- und Sexualtherapeutin Louisa Noack erklärt, warum unser vermeintliches Beuteschema viel mit vertrauten Beziehungsmustern zu tun haben kann und wie wir daraus ausbrechen.
Immer der falsche Typ?Warum wir uns ausgerechnet in Menschen verlieben, die uns nicht guttun

Copyright: Louisa Noack / KI generiert
Andere Person, gleiche Geschichte? Wer beim Dating immer wieder in ähnliche Beziehungsmuster gerät, sollte nicht nur auf sein „Beuteschema“, sondern auch auf die Dynamik dahinter schauen.

Kennst du diese Freundin, bei der du schon nach dem ersten Date denkst: Bitte nicht schon wieder so einer!? Nur sie selbst sieht es natürlich noch nicht. Er ist wahnsinnig interessant, ein bisschen geheimnisvoll, meldet sich mal ständig und dann drei Tage überhaupt nicht. Und ausgerechnet das macht ihn plötzlich noch spannender. Ein paar Wochen später sitzen wir dann bei Wein oder Kaffee zusammen und analysieren, warum es wieder nicht funktioniert hat. Vielleicht kennst du diese Geschichte aber auch nicht von einer Freundin, sondern ziemlich gut von dir selbst. Andere Frisur, anderer Beruf, anderer Name und trotzdem fühlt sich das Ende erstaunlich vertraut an.
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Warum uns Vertrautes so magisch anziehen kann
Wir suchen unsere Partner nicht anhand einer geheimen Checkliste aus der Kindheit aus. Ganz so einfach funktioniert Psychologie nicht. Trotzdem prägen frühe Beziehungserfahrungen, wie wir Nähe, Sicherheit und Verlässlichkeit wahrnehmen. Die Bindungsforschung zeigt, dass sogenannte Bindungsmuster auch in romantischen Beziehungen eine Rolle spielen können. Wer beispielsweise gelernt hat, dass Zuneigung unberechenbar ist, kann Unsicherheit später leichter mit emotionaler Intensität verwechseln. Ein Mensch, der zuverlässig schreibt, Interesse zeigt und verbindlich sein möchte, fühlt sich dann womöglich zunächst weniger aufregend an als jemand, bei dem wir nie genau wissen, woran wir sind.
Genau das finde ich therapeutisch besonders spannend: Wir fühlen uns nicht automatisch zu dem hingezogen, was uns guttut. Manchmal zieht uns das an, was wir kennen. Und Vertrautheit kann sich im ersten Moment erstaunlich ähnlich anfühlen wie Verliebtheit.
Ist das wirklich Chemie oder macht er mich einfach nervös?
Dieses berühmte Kribbeln im Bauch genießt in Liebesgeschichten einen ziemlich guten Ruf. Dabei lohnt es sich manchmal, genauer hinzuspüren. Ist das gerade Vorfreude oder Unsicherheit? Freue ich mich auf seine Nachricht oder kontrolliere ich seit zwei Stunden mein Handy? Fühle ich mich bei dieser Person begehrt oder bin ich ständig damit beschäftigt, ihre Zuneigung zu gewinnen?
Besonders Menschen mit unterschiedlichen Bindungsbedürfnissen können sich gegenseitig stark aktivieren. Einer sucht mehr Nähe, der andere zieht sich zurück. Je mehr der eine versucht, die Distanz zu überwinden, desto stärker geht der andere auf Abstand. Daraus kann eine enorme emotionale Dynamik entstehen. Nur ist Intensität eben nicht dasselbe wie Intimität.
Unser „Typ“ ist nicht in Stein gemeißelt
„Ich stehe eben auf solche Männer“ oder „Bei mir sind es immer die emotional unerreichbaren Frauen“ höre ich durchaus in Gesprächen. Doch ein Beuteschema ist kein Schicksal. Der erste Schritt besteht darin, Wiederholungen überhaupt zu erkennen. Schau dir deine vergangenen Beziehungen oder Datinggeschichten einmal weniger unter der Frage Was war mit denen falsch? an und mehr unter der Frage: Was war immer ähnlich? Wann hast du dich besonders stark angezogen gefühlt? Wie haben diese Menschen auf Nähe reagiert? Und welche Rolle hast du selbst übernommen?
Das kann unangenehm sein, weil wir plötzlich merken, dass wir nicht nur Opfer unserer Datinghistorie sind. Gleichzeitig ist genau das die gute Nachricht. Denn was wir selbst mitgestalten, können wir auch verändern.
Vielleicht fühlt sich gesund am Anfang sogar ungewohnt an
Ein Satz ist mir dabei besonders wichtig: Eine gute Beziehung muss nicht langweilig sein. Aber Sicherheit fühlt sich anders an als emotionale Achterbahn. Jemand, der anruft, wenn er es angekündigt hat, Interesse zeigt und nicht nach einem wunderschönen Wochenende für fünf Tage verschwindet, erzeugt weniger Unsicherheit. Und damit vielleicht zunächst auch weniger Adrenalin.
Gib deshalb nicht nur dem Menschen eine Chance, bei dem sofort das komplette Feuerwerk losgeht. Achte auch darauf, bei wem du dich wohl, gesehen und sicher fühlst. Manchmal entsteht Anziehung nicht in den ersten fünf Minuten, sondern wächst mit Vertrauen. Vielleicht besteht der Ausstieg aus dem falschen Beuteschema also gar nicht darin, sich plötzlich in einen völlig anderen „Typ“ zu verlieben. Sondern darin, endlich andere Signale attraktiv finden zu lernen.
Wenn dir bei deinen Beziehungen immer wieder dieselben Geschichten begegnen, lohnt sich manchmal ein Blick auf das Muster dahinter. Nicht um Schuld zu verteilen, sondern um zu verstehen, warum bestimmte Menschen und Dynamiken so eine starke Anziehung auslösen. In meiner Praxis begleite ich Einzelpersonen und Paare genau bei solchen Fragen. Mehr Informationen findest du auf www.kommwirreden.de.
FAQ: Das falsche Beuteschema
Warum verliebe ich mich immer in Menschen, die keine Beziehung wollen?Dafür kann es viele Gründe geben. Einer davon kann sein, dass emotionale Unerreichbarkeit ein vertrautes Beziehungsmuster aktiviert. Wichtig ist deshalb weniger das Etikett „Bindungsangst“ als die Frage, warum gerade diese Dynamik für dich so anziehend ist.
Kann ich verändern, in wen ich mich verliebe?Gefühle lassen sich nicht auf Knopfdruck steuern. Aber du kannst beeinflussen, welchen Kontakten du Raum gibst, welche Warnsignale du ernst nimmst und ob du eine Verbindung weiterverfolgst, obwohl deine Bedürfnisse dauerhaft nicht erfüllt werden.
Woran erkenne ich eine gesunde Beziehung?Nicht daran, dass niemals gestritten wird. Gute Anzeichen sind Verlässlichkeit, gegenseitiges Interesse, Respekt, emotionale Sicherheit und die Möglichkeit, Bedürfnisse anzusprechen, ohne ständig Angst vor Rückzug oder Ablehnung haben zu müssen.

