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Endlich der Richtige und plötzlich Zweifel?Warum wir glückliche Beziehungen selbst sabotieren

Copyright: Louisa Noack / KI-generiert

Eigentlich läuft alles gut und trotzdem kommen plötzlich Zweifel. Manchmal steckt dahinter nicht die falsche Beziehung, sondern die Angst davor, sich wirklich auf Nähe einzulassen.

Er meldet sich. Er meint es ernst. Keine Spielchen, kein Ghosting, kein Drama. Eigentlich genau das, was du immer wolltest. Und plötzlich findest du Gründe, warum es doch nicht passen könnte. Klingt verrückt? Ist es gar nicht. Paar- und Sexualtherapeutin Louisa Noack erklärt, warum sich eine gute Beziehung manchmal ausgerechnet dann bedrohlich anfühlt, wenn wir beginnen, wirklich etwas zu verlieren zu haben.

Endlich ist da jemand, bei dem du nicht rätseln musst. Kein „Was sind wir eigentlich?“, kein stundenlanges Analysieren einer WhatsApp-Nachricht, kein banges Warten darauf, ob nach dem dritten Date noch ein viertes kommt. Dieser Mensch ist da, interessiert sich für dich, plant mit dir und behandelt dich gut. Eigentlich müsste jetzt der romantische Teil des Films beginnen. Stattdessen passiert etwas Merkwürdiges: Plötzlich stört dich, wie er kaut. Du fragst dich, ob du ihn wirklich attraktiv genug findest. Die Schmetterlinge könnten auch etwas wilder flattern. Und überhaupt: War der Ex nicht irgendwie aufregender? Willkommen in einem Phänomen, das mir auch in meiner therapeutischen Arbeit begegnet: Manchmal bekommen wir genau die Beziehung, nach der wir uns lange gesehnt haben, und beginnen ausgerechnet dann, sie infrage zu stellen.

Warum sich Sicherheit manchmal verdächtig anfühlt

Wir glauben gern, dass wir automatisch das mögen, was uns guttut. Emotional funktioniert das leider nicht immer so ordentlich. Unsere bisherigen Beziehungserfahrungen prägen, was sich für uns vertraut anfühlt. Wer Liebe beispielsweise häufig mit Unsicherheit, Rückzug oder dem Kampf um Aufmerksamkeit erlebt hat, kann eine verlässliche Beziehung zunächst als ungewohnt empfinden. Plötzlich fehlt das ständige Auf und Ab. Niemand verschwindet für drei Tage. Niemand muss überzeugt werden. Und aus diesem fehlenden Drama entsteht mitunter der Gedanke: Da fehlt doch etwas.

Dabei fehlt möglicherweise gar nicht die Liebe. Es fehlt die Anspannung. Wer lange gewohnt war, um Nähe kämpfen zu müssen, kann Ruhe mit Langeweile verwechseln und Unsicherheit mit Leidenschaft. Das bedeutet keineswegs, dass jede komplizierte Beziehung auf alte Bindungsmuster zurückzuführen ist. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen, wenn wir ausgerechnet bei Menschen das Interesse verlieren, die emotional verfügbar sind.

Wenn das Gehirn plötzlich nach Fehlern sucht

Selbstsabotage muss nicht bedeuten, dass jemand bewusst eine gute Beziehung zerstört. Sie kann viel subtiler aussehen. Wir suchen nach Fehlern, ziehen uns zurück, provozieren Streit oder vergleichen den Partner plötzlich ständig mit früheren Beziehungen. Manchmal wird aus einer Kleinigkeit ein vermeintlicher Beweis: Siehst du, wir passen doch nicht zusammen.

Dahinter kann die Angst vor Verletzlichkeit stecken. Denn eine ernsthafte Beziehung hat einen ziemlich unangenehmen Nebeneffekt: Je wichtiger uns ein Mensch wird, desto mehr können wir verlieren. Solange wir dem emotional unerreichbaren Menschen hinterherlaufen, kämpfen wir vor allem darum, ihn zu bekommen. Wenn jemand dagegen wirklich da ist, müssen wir etwas anderes wagen: uns selbst zeigen. Mit Bedürfnissen, Unsicherheiten und der Möglichkeit, irgendwann verletzt zu werden. Nähe macht glücklich, aber sie macht eben auch verwundbar.

Nicht jeder Zweifel ist Selbstsabotage

Und hier kommt mir eine Unterscheidung besonders wichtig vor. Nicht jeder Mensch, der Zweifel an einer guten Beziehung hat, sabotiert sein Glück. Manchmal ist der Partner wunderbar, nur eben nicht der richtige Partner für uns. Auch ein respektvoller, zuverlässiger Mensch kann schlicht nicht zu uns passen.

Deshalb sollten wir uns Zweifel weder sofort ausreden noch ihnen blind folgen. Spannender ist die Frage, wann sie auftauchen. Immer dann, wenn die Beziehung verbindlicher wird? Sobald über Zusammenziehen, Zukunft oder Exklusivität gesprochen wird? Kennst du dieses Muster bereits aus früheren Beziehungen? Oder gibt es konkrete Bedürfnisse und Werte, bei denen ihr tatsächlich nicht zusammenpasst? Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, kann besser unterscheiden zwischen einem echten Warnsignal und einem alten Schutzmechanismus.


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Muss Liebe eigentlich immer kribbeln?

Wir haben außerdem ein ziemlich romantisches Missverständnis geerbt: Wenn es richtig ist, müsse es sich ständig intensiv anfühlen. Aber Verliebtheit und langfristige Liebe sind nicht dasselbe. Eine stabile Partnerschaft besteht zwangsläufig auch aus Alltag, Wiederholung und Vertrautheit. Niemand kann jahrelang in der emotionalen Lautstärke eines ersten Dates leben.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger fragen: Kribbelt es noch genug? Und häufiger: Wie fühle ich mich mit diesem Menschen? Kann ich ich selbst sein? Fühle ich mich gesehen? Können wir Konflikte austragen? Vertraue ich ihm? Freue ich mich auf unsere gemeinsame Zukunft? Sicherheit ist nicht der langweilige kleine Bruder der Leidenschaft. Im besten Fall ist sie der Boden, auf dem Intimität überhaupt erst wachsen kann.

Und vielleicht besteht eine der schwierigsten Aufgaben in der Liebe darin, nicht nur zu erkennen, wer uns nicht guttut. Sondern auch auszuhalten, wenn es plötzlich jemand tut.

Wenn du immer dann zu zweifeln beginnst, wenn eine Beziehung eigentlich gut läuft, kann es sich lohnen, nicht nur auf den Partner, sondern auch auf das eigene Beziehungsmuster zu schauen. In meiner Praxis begleite ich Einzelpersonen und Paare dabei, solche Dynamiken zu verstehen und herauszufinden, was sie in Beziehungen wirklich brauchen. Mehr Informationen findest du auf www.kommwirreden.de.

FAQ: Sabotiere ich meine Beziehung?

Woran merke ich, dass meine Zweifel Selbstsabotage sein könnten?Ein Hinweis kann sein, dass Zweifel regelmäßig auftauchen, sobald Beziehungen enger oder verbindlicher werden. Auch wenn du immer wieder Interesse an emotional schwer erreichbaren Menschen hast, während verlässliche Partner schnell „langweilig“ wirken, lohnt sich ein Blick auf dieses Muster.

Warum vermisse ich Drama, obwohl ich endlich eine ruhige Beziehung habe?Nicht unbedingt, weil du Drama wirklich möchtest. Vertraute emotionale Dynamiken können sich zunächst intensiver und dadurch vermeintlich richtiger anfühlen. Ruhe muss man manchmal erst als etwas Positives kennenlernen.

Soll ich bleiben, obwohl ich Zweifel habe?Zweifel allein sind weder ein Grund zu bleiben noch zu gehen. Entscheidend ist, was dahintersteckt. Gibt es konkrete Probleme und unvereinbare Bedürfnisse oder macht dir vor allem die zunehmende Nähe Angst? Genau diese Unterscheidung ist wichtig.

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