Redner Jörg Runge, im Karneval bestens als Dä Tuppes vum Land bekannt, feiert 20 Jahre auf den Bühnen. Zum Jubiläum startet er eine ganz besondere Spendenaktion.
11.111 Pappnasen zum JubiläumDä Tuppes vum Land: „Karneval ist unser größtes Glück“

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So kennen ihn die Jecken von der Bühne: Jörg Runge als Dä Tuppes vum Land in seinem typischen Outfit samt Pappnase.
„Pappnas statt Pessimismus – weil Lebensfreude ansteckend sein darf.“ Nach diesem Motto lebt Jörg Runge bereits seit 20 Jahren den Karneval. Als Dä Tuppes vum Land ist er mit seinen Reimreden eine feste Größe auf den Bühnen. Aber er ist auch Experte für positive Psychologie.
Außerhalb der Session ist der Redner als Kommunikations- und Rhetoriktrainer unterwegs. Zu seinen Klienten gehören Führungskräfte, aber auch die Tollitäten, die bald die Zeit ihres Lebens erleben werden: das Düsseldorfer Prinzenpaar oder Jan un Griet. Im Sommer feierte sein Soloprogramm Premiere.
Dä Tuppes vum Land: 11.111 Pappnasen für den guten Zweck zum Jubiläum
„Ich liebe, was ich tue“, sagt der 54‑Jährige. „Die Zeiten sind schwierig. Aber wir müssen uns als Gesellschaft schon die Frage stellen, was wir wollen. Wollen wir nur noch Netflix-Konsumenten sein, ein makelloses, instagramtaugliches Leben führen oder auch noch mal Gemeinschaft in der Veedelskneipe erleben?“
In seinen 20 Jahren als Redner habe sich die Haltung vieler geändert. „Früher sind die Leute in den Saal gegangen und haben gesagt: ‚Heute machen wir uns einen schönen Abend‘. Heute sagen sie: ‚Ich hab‘ 45 Euro bezahlt, unterhalte mich.‘ Da wird ständig aufs Handy geschaut, geredet, desinteressiert der Saal verlassen. Es haben sich einige Unarten in der Gesellschaft eingeschlichen.“
Im Karneval wirbt die Initiative „Ruhe im Saal“ für mehr Wertschätzung. „Das ist total lieb“, sagt der Tuppes. „Hätten wir aber mehr Respekt in unserer Gesellschaft, bräuchten wir das nicht. Das sieht man auch im Supermarkt, wenn eine neue Kasse geöffnet wird. Da wird alles über den Haufen gerannt. Ich möchte als Redner nicht wie eine aussterbende Spezies behandelt werden.“
Trotzdem geht er jeden Auftritt voller Begeisterung an. Los ging alles vor über zwei Jahrzehnten bei einer Seniorensitzung, wo Runge als Alleinunterhalter mit seinem Keyboard dabei war. „Da gab es alles: Musik, Dreigestirne, aber keine Redner. Da habe ich gesagt: Ich gehe nächstes Jahr hier in die Bütt.“ Im Fernsehen sah er Willi Armbröster (93), ein Urgestein des Karnevals, der seine Späße und Spitzfindigkeiten stets in Reimform preisgab.

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Nie ohne Pappnase: Jörg Runge freut sich auf die Jubiläumssession als Dä Tuppes vum Land.
„Sprachakrobatik hat mich immer schon fasziniert. Anfangs habe ich Willis Reden wiedergegeben. Das hat mir schon gefallen, woraufhin ich meine eigenen Reime geschrieben habe.“ Im September 2006 versuchte er sein Glück beim Vorstellabend des Karnevalsverbands Rhein-Erft im Burgpark in Hürth und wurde anschließend direkt im Foyer gebucht. „Das Plakat habe ich heute noch zu Hause.“
Zwei Jahre später stand er bei der Kajuja in Köln auf der Bühne und relativ schnell auch schon im Gürzenich. „Ich kam sonntags von einem Frühschoppen in Leverkusen, als sich Ehrengarde-Literat Stephan Klippel bei mir meldete. Ein Redner sei ausgefallen, ich könnte spontan an dem Tag auftreten. Natürlich habe ich Ja gesagt.“
Die Reime sind seit der ersten Stunde sein Markenzeichen, die Pappnase ebenfalls, das Outfit wandelte sich. Anfangs trug der Tuppes ein grünes Jackett, darunter ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck „Köln“. Beim Festkomitee bekam er verschiedene Ideen mit auf den Weg. Kostümbildnerin Ulrike Janisch entwarf das rot-gelb-grüne Outfit. Zum Jubiläum wird es aktuell noch einmal überarbeitet.

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In 20 Jahren hat sich das Erscheinungsbild von Jörg Runge als Dä Tuppes vum Land geändert.
Die Sessionsrede steht auch schon und die ist dreigeteilt. Anfangs geht es um die 20 Jahre auf der Bühne, dann um das Thema Glück und schließlich um aktuelle Themen. „Da überlege ich schon genau, worüber die Leute noch lachen können. Einerseits liegt viel auf der Straße, andererseits sind die meisten von Politik maximal genervt. Witze über Trumps Frisur benötigt keiner mehr. Wenn aber alle Parteien für sich reklamieren, in der Gesellschaft angekommen zu sein, darf man sich auch über sie lustig machen.“
Letztlich kommt Runge in diesem Jahr in seiner Rede zu einer Erkenntnis: „Wir sind immer auf der Suche nach dem Glück. Der Karneval ist unser größtes Glück. Wir haben unfassbares Glück, dass wir genau hier in dieser Region der Welt leben dürfen. Der Karneval ist in unserer Gesellschaft und dieser Zeit einer der letzten, kleinsten gemeinsamen Nenner, auf die wir uns noch einigen können.“

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Passend zu seiner Jubiläumsaktion hat Dä Tuppes vum Land den Song „Pappnas“ aufgenommen.
Deshalb liebt er das jecke Treiben so. „Man sieht an Ludwig Sebus, wie fit der Karneval im Kopf hält. Er ist der Beweis, dass man mit Karneval lange lebt. Der Karneval hat eine unfassbare Wucht entwickelt. Er ist nicht nur professioneller, sondern auch größer geworden. Die Gäste kommen längst nicht mehr nur aus dem Rheinland.“
Auch um Nachwuchs kümmert sich Jörg Runge. „Zwei Fründinne“, das sind Luisa Klüser und Celina Sysk aus Lohmar, die vom Bütt-Profi beraten werden. „Ich sehe es wie Jürgen Klopp. Die neuen Gesichter brauchen auch Spielpraxis, um sich entwickeln zu können. Aktuell sind die Sitzungen austauschbar. Die Literaten bräuchten mehr Mut bei den Leuten, die noch keinen Namen haben“, sagt er. „Ich würde es begrüßen, wenn bei jeder Veranstaltung die ersten zehn Minuten für den Nachwuchs reserviert wären.“
Jörg Runge: Anfang 2027 erscheint sein Buch „Unglück ist auch harte Arbeit“
Zum Jubiläum startet der Tuppes 2027 die größte Pappnasen-Spendenaktion. Der Redner hat insgesamt 11.111 rote Nasen bestellt, die er verteilen möchte. Zudem hat er zwei verschiedene Pins für die Session. Im Gegenzug sollen die Jecken spenden – für „Dat Kölsche Hätz“ und „Dat Bönnsche Hätz“, die krebskranke Kinder und deren Familien unterstützen. „Ich möchte damit das Wir-Gefühl stärken und für mehr Respekt in der Gesellschaft werben.“
Zudem hat er auch den Song „Pappnas (Et Levve es vill schöner)“ aufgenommen. Schließlich kommt am 13. Januar 2027 sein Buch „Unglück ist auch harte Arbeit“ sowohl in gedruckter Form als auch in der Hörbuch-Variante auf den Markt. „Für mich ist jetzt Halbzeit. Ich hab‘ schon noch Lust auf 20 weitere Jahre. Ich bin ein Fastelovends-Jeck und das ist meine Art, Karneval zu feiern. Das ist kein Job, auch wenn es Teil meines Berufs ist“, sagt der Jubilar.
