Nach der Absage des Zollstocker Zoches hagelt es Kritik – aber es gibt auch Lösungsvorschläge.
Karnevalszug in Zollstock abgesagtFrust in Köln – Forderung nach „Mitgeh-Gebühr“

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Michael Siegenbruck (2.v.l.), Vorsitzender der Freunde des Zollstocker Dienstagszuges, mit Teilnehmern des Vereins „Fidele Fortuna“. 2027 findet der Zollstocker Karnevalszug nicht statt.

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Der Zollstocker Dienstagszug fällt 2027 aus! Das Thema erhitzt die Gemüter.
Vor allem wegen hoher Sicherheitskosten, aber auch wegen schwindender Vereinsarbeit und ausbleibender Unterstützung musste der Zoch abgesagt werden. Es hagelt Kritik, aber es gibt auch Lösungsvorschläge.
Vorschlag für Zoch-Rettung in Köln-Zollstock
„Wie wäre es mit einer Mitgeh-Gebühr in Höhe von zehn Euro? 13.000 Euro Kosten – 1300 nehmen teil. Dann wäre das Problem gelöst“, rechnet ein EXPRESS.de-Leser vor.
„So ein Zug kostet 13.000 Euro jedes Jahr, und die müssen wir auch jedes Jahr einnehmen“, hatte Michael Siegenbruck, Vorsitzender der Freunde des Zollstocker Dienstagszuges, gegenüber EXPRESS.de erklärt.
Andere sehen das Problem bei der mangelnden Zahlungsbereitschaft der Kölner selbst: „Wenn den Kölner Bürgern und Firmen der Karneval so wichtig wäre, dann müssten ja auch deutlich mehr Menschen bereit sein, zu spenden oder sich in Vereinen zu engagieren.“
Kritik gibt es auch an der Kommunikation im Vorfeld: „Sehr schade, dass man nicht früher mit der Entscheidung in die Öffentlichkeit gegangen ist. Es hätten sich sicher bestimmt Helfer und Spenden gefunden.“
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Auf Instagram wird auch staatliche Hilfe gefordert: „Das geht jetzt wirklich zu weit mit den Sparmaßnahmen! Beim Kölner Karneval hört's auf! Wo ist der Staat, der da mal spenden könnte?“
Viele beklagen, dass mit dem Zoch ein Stück kölsche Tradition verschwinde: „Und die werden einfach alleine gelassen. Immer mehr Tradition, die aus dem Stadtbild verschwindet“, schreibt eine Kölnerin.
Eine andere Stimme wird grundsätzlich: „Stück für Stück wird alles abgeschafft, was Menschen zusammenbringt und Freude bereitet. Am Ende scheint nur noch eines zu zählen: arbeiten, funktionieren und Steuern zahlen, während man sich immer häufiger fragt, ob das Geld überhaupt dort ankommt, wo es den Menschen zugutekommt. Gemeinschaft, Lebensqualität und gemeinsame Erlebnisse bleiben dabei immer mehr auf der Strecke. Armes Deutschland!“
Dass die Veedelsvereine insgesamt unter Druck stehen, bestätigt auch das Festkomitee Kölner Karneval. Präsident Lutz Schade erklärte bei der Jahreshauptversammlung, dass die Veedelsvereine sehr leiden.
Lutz Schade vom Festkomitee Kölner Karneval
Den Rosenmontagszug bekomme man dank guter Kontakte zu Rettungsdiensten und Stadt zwar weiterhin hervorragend organisiert – doch seit einem Jahr gebe es vermehrt Absagen von Herbstfesten, Weihnachtsmärkten und St.-Martins-Umzügen, weil Verantwortliche Angst vor der Verantwortung hätten. Organisatorisch sei das für viele Vereine auch deshalb kaum mehr zu stemmen, weil inzwischen enorme und finanziell aufwendige Sicherheitskonzepte notwendig seien.
Wie sollen kleine Karnevalszüge finanziert werden?
Die Kosten für die Organisation eines Veedelszuges sind enorm. Wo soll das Geld herkommen?
„Ralf Remmert ist im Vorstand dafür zuständig, die Veedelsvereine zu beraten, damit die Züge noch durchgeführt werden können. Karneval findet nicht nur in großen Sälen und Hotels statt. Ich möchte auf keinen Fall einen Karneval, den sich nur Reiche leisten können“, so Schade.
Ob das reicht, um den Zollstocker Zoch 2028 zu retten, ist offen. Vorsitzender Michael Siegenbruck hatte zuletzt gehofft: „Ich hoffe einfach, dass viele sich zusammenreißen und sagen, ey, komm, wir finden eine Lösung für 2028, dass das wieder funktioniert.“
