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Bier statt Eis fürs KindKölner Kiosk-Betreiber schlägt Alarm

Ünver Yilmaz (40) betreibt in Köln-Mülheim einen Kiosk. Mitarbeiterin Nicky Celik (53) unterstützt ihn dabei.

Copyright: Matthias Trzeciak

Ünver Yilmaz (40) betreibt in Köln-Mülheim einen Kiosk. Mitarbeiterin Nicky Celik (53) unterstützt ihn dabei.

Steigende Preise, schrumpfende Kaufkraft: Kiosk-Betreiber Ünver Yilmaz aus Köln-Mülheim redet Klartext.

Der Vater steht an der Theke, das Kind neben ihm, das Geld ist knapp. Er greift zur Bierflasche statt zum Eis fürs Kind. Für Kiosk-Betreiber Ünver Yilmaz ist das ein Moment, bei dem er manchmal am liebsten einfach nachgeben würde.

Mit etwa 780 Büdchen in 86 Veedeln ist Köln unumstrittene Kioskhauptstadt Deutschlands, aber das Geschäft läuft schleppend.

Kölner Kiosk-Besitzer: Betrieb lohnt sich kaum noch

Der 40-jährige Yilmaz betreibt in Köln-Mülheim einen Kiosk. Im Gespräch mit EXPRESS.de schildert er, wie sich das Kaufverhalten seiner Kundschaft in den vergangenen Jahren verändert hat – und warum er einen eigenen Kiosk heute nicht mehr eröffnen würde.

Mittlerweile bekomme man für einen Euro höchstens noch ein einfaches, kleines Wassereis. Auch bei einfachen Getränken habe sich der Preis von früher 30 bis 50 Pfennig auf weit über einen Euro erhöht. Die Folge: Eltern sagen viel öfter „Nein – nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie es sich nicht leisten können.“

Zudem beobachtet Yilmaz beim Zigarettenkonsum eine klare Verschiebung. Weg von Topmarken, hin zu deutlich günstigeren, kaum bekannten Marken – produziert in Tschechien, Polen oder Ungarn. Eine Packung der bekannten Marken koste zehn Euro, der Einstieg bei den No-Name-Produkten liege bei 6,50 Euro – bei gleicher Stückzahl. Hinzu kämen Discounter-Marken, die es vor Jahren noch gar nicht gab.

Auch beim Kaffee schlägt die Preisentwicklung durch: Der Kilopreis sei in den vergangenen fünf Jahren von rund zehn auf 22 Euro gestiegen. Ein Kaffee zum Mitnehmen koste mittlerweile auch mal drei Euro in der Stadt. Am Kiosk könne man solche Preise nicht verlangen.

Dazu kommen laut Yilmaz deutlich gestiegene Energiekosten: Die Stromrechnung für seinen Kiosk habe sich binnen fünf Jahren von rund 500 Euro im Monat auf  knapp 1000 Euro erhöht. Und das trotz moderner, sparsamerer Geräte.

Wirklich lohnen, sagt Yilmaz, würde sich das Kiosk-Geschäft kaum noch. Er arbeite teilweise täglich 13 Stunden, von acht bis 21 Uhr, sieben Tage die Woche. Am Ende bleibe nicht viel übrig. Zum Glück habe er noch ein zweites Standbein. Yilmaz betreibt neben dem Kiosk in Köln noch einen Online-Tabakhandel.

Schwarzmarkt-Geschäft wächst – immer wieder Kontrollen

Dieser gesamte Kostendruck würde auch das Schwarzmarkt-Geschäft befeuern. Yilmaz rechnet vor: Eine Stange Zigaretten koste in Polen rund 20 Euro, in Luxemburg wegen fehlender Steuern nur etwa ein Viertel des deutschen Preises. Auch E-Zigaretten seien im Ausland wesentlich günstiger. Getränke würden teils aus den Niederlanden geholt – 24 Dosen für rund acht Euro, ohne Pfand.

Der Verkauf solcher Produkte ist in Deutschland illegal. Immer wieder führen Zoll und Kölner Ordnungsamt Kontrollen durch und decken Steuerbetrug auf. Es drohen empfindliche Strafen.