Der Kampf gegen verschmierte Scheiben und Staub in der Kölner Innenstadt. Ein Profi erklärt, was wirklich dahintersteckt.
„Ganz andere Liga“Kampf gegen fiesen Schmierfilm in der Kölner City

Copyright: privat
Fensterputzer Stokrp Ljubomir – er kennt sich aus mit schmutzigen Fenstern in der Kölner Innenstadt.

Kaum ist der Lappen weggelegt, ist die Scheibe schon wieder versifft. So geht es vielen Kölnern.
„Ich muss fast täglich Staub wischen, und wenn ich die Fenster geputzt habe, sind sie am nächsten Tag wieder schmutzig“, ärgert sich ein Anwohner der Innenstadt. Sein Eindruck: Köln wird immer staubiger – vor allem in der City.
Fenster putzen in der Innenstadt: Es gibt mehrere Dreckquellen
Stokrp Ljubomir (65) kann das nur bestätigen. Er putzt seit 35 Jahren Fenster für die Firma Klüh, und hat in dieser Zeit schon ziemlich jede Art von Scheibe gesehen. Unter anderem wischte er schon den 162,5 Meter hohen Posttower in Bonn, wo er zwölf Jahre lang im Einsatz war, oder die vielen kleinen Sprossenfenster im Kaisersaal der Abtei Brauweiler.
„In der Kölner Innenstadt“, sagt er, „ist Fensterputzen eine ganz andere Liga als draußen in den Vororten.“
Der Grund: Gleich mehrere Dreckquellen wirken hier gleichzeitig. Bus- und Autoverkehr sorgen für feinen Ruß, Reifenabrieb und Bremsstaub. Dieser Film legt sich nicht nur als Staub auf die Möbel und Fensterbänke, er setzt sich auch auf dem Glas fest.
Passanten hinterlassen Fingerabdrücke, Straßenreinigungsmaschinen spritzen Schmutzwasser bis in Fensterhöhe. Dazu kommen die Abluftanlagen von Restaurants und Imbissen: Feine Fettpartikel aus der Gastronomie machen die Scheibe laut Ljubomir zu einem „Magneten für Staub“. Und weil in der dicht bebauten Innenstadt die Luft eher steht, sinken die Partikel nicht einfach zu Boden, sondern lagern sich an Fassaden und Fenstern ab.

Copyright: Matthias Trzeciak
Seine wichtigsten Putzutensilien: ein Eimer mit Wasser und Reinigungsmittel, ein Schwamm zum Einschäumen der Scheiben, Abzieher in verschiedenen Größen, ein Mikrofaser- und ein Poliertuch sowie eine kleine Leiter.
Im Sommer kommt ein weiterer Effekt hinzu, den Ljubomir den „Klebeeffekt“ nennt: Durch die Sonne heizen sich die Scheiben auf, Fett- und Staubpartikel aus dem Verkehr verbinden sich auf der heißen Oberfläche chemisch – die Scheibe wirkt dabei fast wie ein Katalysator.
Das Ergebnis ist ein zäher Schmutzfilm auf den Fenstern, den auch Regen nicht mehr abwäscht. Während sich der Staub in der Wohnung mit einem Tuch oder einem Staubsauger beseitigen lässt, benötigt man laut Ljubomir für die Glasreinigung schon etwas Chemie.
Wie oft man die eigenen Fenster putzen sollte, lässt sich laut Ljubomir nicht pauschal sagen.
In der stark befahrenen, dicht bebauten Innenstadt dürfte der Bedarf aber deutlich höher sein als in ruhigeren Lagen am Stadtrand. Sein Tipp: alle zwei bis drei Monate. Wer seltener putzt, hat beim nächsten Mal mehr Dreck und natürlich auch mehr Arbeit.
