Kein Einspruch möglich Zverev findet es „unfair“: Djokovic und sein Australien-Finale vor drei Richtern

Novak Djokovic (l) sitzt auf dem Rücksitz eines Autos, als er an einem Abschiebehotel ankommt.

Novak Djokovic in einer Limousine am 15. Januar 2021 auf dem Weg zurück ins Quarantäne-Hotel.

Das Drama um Novak Djokovic geht in den finalen Akt: Kurz vor Mitternacht deutscher Zeit kommt es in Australien zur Entscheidung, ob der serbischen Tennis-Star an den Australian Open teilnehmen darf.

Novak Djokovic (34) schaute nicht nach links und nicht nach rechts. Ein paar Fotografen kamen allerdings auch so zu ihrem perfekten Motiv, als sie durch die verdunkelten Scheiben der hellen Limousine knipsten, mit der Djokovic am Samstag (15. Januar 2022) wieder ins Abschiebe-Hotel in Melbourne gebracht wurde. An dem tristen Ort, aus dem seine Anwälte ihn am Montag mit einem juristischen Teilerfolg befreit hatten, verbringt der Impfskeptiker nun die Stunden bis zum „Endspiel“ um sein Visum – und seinen Start bei den Australian Open.

Am Sonntag um 9.30 Uhr Ortszeit (Samstag 23.30 Uhr MEZ) beginnt der mutmaßlich finale Akt vor Gericht. Wie die australische Nachrichtenagentur AAP am Samstag schrieb, wird der Fall am Federal Court of Australia vom Vorsitzenden Richter James Allsop sowie dessen Kollegen Anthony Besanko und David O'Callaghan verhandelt. Das Bundesgericht soll Klarheit schaffen, ob Djokovic ausreisen muss. Dem Bericht zufolge können nach einer Entscheidung durch drei Richter keine Rechtsmittel mehr gegen das Urteil eingelegt werden.

Die Uhr tickt unerbittlich. Am Montag steht eigentlich das Erstrundenmatch des neunmaligen Melbourne-Siegers Djokovic gegen seinen serbischen Landsmann Miomir Kecmanovic auf dem Programm. Ein Szenario, das nah und doch so fern erscheint.

Djokovic erneut in Abschiebe-Hotel festgesetzt

Am Samstag wurde nach der erneuten Annullierung von Djokovics Visum die Gerichtsverhandlung über den anschließenden Einspruch der Anwälte des 34-Jährigen vor dem Bundesgericht für Sonntag angesetzt. Zugleich wurde auch die vorläufige Festsetzung des mehr denn je polarisierenden Tennis-Superstars beschlossen.

Djokovics Anwälte zweifelten in der Anhörung am Samstag erwartungsgemäß die Rechtmäßigkeit der Regierungsentscheidung durch den zuständigen Minister Alex Hawke an. In einem grundsätzlich durch die australische Verfassung erlaubten persönlichen Beschluss hatte Hawke die Aufenthaltserlaubnis für den nach eigenen Angaben Mitte Dezember positiv auf das Coronavirus getesteten Djokovic wieder eingezogen und den ungeimpften Weltstar als Gefahr für die öffentliche Gesundheit und sogar für die öffentliche Ordnung dargestellt.

Minister: Djokovic ein schlechtes Vorbild für die Menschen

Djokovic sei „eine Person mit Einfluss und Status“, hieß es in Hawkes von der Zeitung „The Age“ veröffentlichten Begründung: „Mit Blick auf sein Verhalten nach dem Erhalt eines positiven Coronatests, seine öffentlich geäußerten Ansichten und seinen Status als Ungeimpfter glaube ich, dass seine Anwesenheit in Australien andere Menschen dazu veranlassen kann, die Richtlinien zur öffentlichen Gesundheit zu missachten.“

Auch könne Djokovics Anwesenheit eine „Anti-Impf-Stimmung in der Bevölkerung stärken“ und damit „möglicherweise eine Zunahme ziviler Unruhen bewirken, die bereits zuvor mit Kundgebungen und Protesten erlebt wurden“. Es gehe um „den Erhalt von Leben und Gesundheit von vielen Mitgliedern der Gesellschaft“.

Rafael Nadal kritisiert das Theater um Novak Djokovic

Auch die Kollegen des Tennis-Weltranglistenersten reagieren zunehmend dünnhäutig. Rafael Nadal (35), der wie Djokovic und der Schweizer Roger Federer jeweils 20 Grand-Slam-Titel errungen hat, merkte am Samstag beim Medientag spitz an: „Die Australian Open sind viel wichtiger als jeder einzelne Spieler.“

Nadal respektiert nach eigenen Angaben seinen Dauerrivalen „als Person, natürlich, und ohne Zweifel als Sportler“, der Spanier ist jedoch „mit vielen Dingen, die Novak in den letzten Wochen getan hat, nicht einverstanden“.

Zverev findet die Behandlung von Kumpel Djokovic unfair

Olympiasieger Alexander Zverev (24), der sich auf der Jagd nach seinem ersten Grand-Slam-Titels befindet und vom juristischen Scheitern Djokovics zweifellos profitieren würde, zeigte hingegen Verständnis für den Serben und kritisierte stattdessen die australischen Behörden.

„Ich denke, es ist nicht sehr fair, wenn jemand hierher kommt und nicht spielen kann“, sagte der Hamburger: „Die australische Regierung und die des Bundesstaates hätten sich im Voraus darüber im Klaren sein müssen, was passieren würde.“ Doch der deutsche Finals-Sieger verkennt dabei, wie sehr Djokovic gegen die Regeln verstieß, was er teilweise auch eingeräumt hat. Dass er sich in der Pandemie seiner Vorbild-Funktion nicht gerecht wird, hatte er schon im vergangenen Sommer mit seiner umstrittenen Adria-Tour unter Beweis gestellt. (ach/sid)

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