Doping-Skandal bei Olympia Spektakuläre Wende für frühere deutsche Biathlon-Königin

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Evi Sachenbacher-Stehle bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi. Das Ergebnis ihres Dopingtests nach dem Verfolgungs-Rennen fiel positiv aus.

Moskau – Ihr positiver Doping-Test war der große Skandal bei den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi.

Sechs Jahre später soll das Buch eines russischen Whistleblowers die frühere Erfolgs-Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle (39) offenbar von den Doping-Vorwürfen entlasten. Die Aussagen deuten darauf hin, dass die Deutsche nur als Bauernopfer genutzt wurde.

Russischer Whistleblower entlastet Ex-Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle

Geht es nach den Aussagen von Whistleblower Grigoy Rodchenkov, dann deuteten die Ergebnisse des damaligen Dopingtests nicht zwingend auf einen vorsätzlichen Betrugsversuch hin. Allerdings hätten die Werte ausgereicht, um den Dopingverdacht gegen Sachenbacher-Stehle zu erhärten und damit vom Staatsdoping bei Olympia-Gastgeber Russland abzulenken.

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„Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder traurig sein soll. Aber die Erleichterung überwiegt dann doch, dass ich auch von dieser Seite in ein richtiges Licht gerückt werde“, sagte die zweimalige Olympiasiegerin (2002 und 2010) der „Augsburger Allgemeinen“.

Evi Sachenbacher-Stehle beendete nach Doping-Vorwürfen Kontakt zu vielen Weggefährten

Nachdem sie damals wie eine Kriminelle behandelt worden sei, habe sie den Kontakt zu vielen Bekannten aus der damaligen Zeit abgebrochen: „Wer sich bis jetzt nicht entschuldigt und mit dem Finger auf mich gezeigt hat, auf den kann ich gut verzichten.“

Die Details zum Fall Sachenbacher-Stehle sind ab Donnerstag im Buch „Rodchenkov-Affäre“ nachzulesen. Namensgeber Rodchenkov lebt aus Sicherheitsgründen inzwischen im Exil in den USA. Er war in der Vergangenheit Teil des russischen Doping-Systems und leitete später das Moskauer Anti-Doping-Zentrum. Später war er an der Offenlegung des russischen Doping-Sumpfs beteiligt.

Dopingtest von Evi Sachenbacher-Stehle diente Labor in Russland für ein Exempel

Um die Arbeit und die Funktionsfähigkeit des russischen Anti-Doping-Systems unter Beweis zu stellen, habe es während Olympia dringende Erfolge benötigt. Der grenzwertige Test der deutschen Biathletin wurde daher genutzt um ein Exempel zu statuieren.

„Ihr Fall war ein Grenzfall: dieses Stimulanzmittel taucht normalerweise in hohen Konzentrationen auf. Wenn ich bereits fünf echte Verstöße angemeldet hätte, hätte ich sie möglicherweise nicht abgegeben. Aber wir brauchten Blut. Sie wurde gesperrt und die Bestrafung passte nicht wirklich zu ihrem Verbrechen“, räumt Rodchenkov in seinem Buch ein.

Mit der damaligen Doping-Sperre endete auch die erfolgreiche Karriere der insgesamt fünffachen Olympischen Medaillengewinnerin. Zwar wurde die Strafe später auf ein halbes Jahr reduziert, die ehemalige Biathletin erklärte jedoch, dass sie nach der langen Pause nicht mehr in der Lage sehe, an alte Leistungen anzuknüpfen. (bc)

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