Doping und Technik-Betrug? Tour der Zweifel: Fahrer verdächtigen sich untereinander

Bei der Tour de France fährt das Peloton im Nebel eine Bergabfahrt hinunter.

Das Peloton der Tour de France am Dienstag auf der 13. Etappe zwischen Pas de la Casa und Saint-Gaudens.

Kurz vor dem Ende der Tour de France mehren sich die Zweifel an der Sauberkeit im Radsport. Neben der Doping-Razzia beim Team Bahrain Victorious sollen einige Fahrer die Konkurrenz des Betrugs verdächtigen.

Libourne. Fällt der Radsport zurück in Richtung seiner dunkelsten Zeiten? In den vergangenen Jahren polierten Tour de France, Giro d’Italia und Co. ihr stark angeschlagenes Image wieder deutlich auf. Der Doping-Sumpf, zu dem die Sportart verkommen war, schien zu weiten Teilen ausgetrocknet.

Die erfolgreichsten Fahrer durften erstmals wieder ohne den ganz großen Betrugsverdacht jubeln, der harte Anti-Doping-Kampf trug Früchte. Doch im Laufe der aktuellen Tour de France kehren die Zweifel an der Sauberkeit im Radsport offenbar zurück – und wabern angeblich bereits mitten durch das Fahrerfeld beim größten Radrennen der Welt.

Tour de France: Unruhe um Razzia bei Bahrain Victorious

Für den ersten großen Aufreger sorgte am Mittwochabend (14. Juli) die Razzia im Hotel des Teams Bahrain Victorious. In Pau untersuchte die Polizei unter anderem die Zimmer der Fahrer. Die Verantwortlichen mussten Unterlagen zur Verfügung stellen, die Profis ihre Handys vorzeigen.

Die zuständige Staatsanwaltschaft in Marseille begründete die Maßnahme mit dem Verdacht des Erwerbs, Transports oder Besitzes von illegalen Substanzen durch einen Fahrer der Mannschaft. Die Untersuchungen sollen bereits seit dem 3. Juli und damit seit der ersten Tour-Woche laufen.

Matej Mohoric fährt bei seinem zweiten Etappensieg bei der Tour de France am 16. Juli in Libourne über die Ziellinie.

Matej Mohoric fährt bei seinem zweiten Etappensieg bei der Tour de France am 16. Juli in Libourne über die Ziellinie.

Bahrain Victorious feierte bei der Frankreich-Rundfahrt mit Doppelsieger Matej Mohoric (26) aus Slowenien und dem Belgier Dylan Teuns (29) bereits drei Etappensiege. Im Anschluss an seinen Sieg am Freitag sagte Mohoric, er habe auf dem letzten Kilometer über die Razzia nachgedacht, bei der sich „wie ein Krimineller“ gefühlt habe. Als er über die Ziellinie fuhr, legte er demonstrativ den Finger auf die Lippen.

Fahrer äußern Verdächtigungen bei Tour de France

Derweil macht im Fahrerfeld angeblich wieder der Verdacht des „Technik-Dopings“ die Runde. Hatte es in vorigen Jahren immer wieder Gerüchte über mögliche eingebaute Motoren gegeben, berichtete die Schweizer Zeitung „Le Temps“ jetzt unter Berufung auf mehrere Fahrer, dass es bei den Rädern von vier Teams „metallische und sehr ungewöhnliche Geräusche“ am Hinterrad geben solle.

Das Rennrad von Brent Van Moer wird bei der Tour de France aus dem Auto heraus repariert, während der Belgier auf dem Rad sitzt.

Schnelle Reparatur am Rennrad von Brent Van Moer aus dem Team Lotto Soudal. Die Räder einiger Teams geraten bei der Tour de France aktuell unter Verdacht.

Den möglichen Effekt verglich einer der Fahrer mit der kinetischen Energiegewinnung beim Bremsen, die etwa auch in der Formel 1 genutzt wird: „Wir reden nicht mehr über einen Motor in der Tretkurbel oder ein elektromagnetisches System in der Felge, sondern einem versteckten Gerät in der Nabe des Fahrrads.“

Auch spanische Medien nahmen die Berichte auf. „Marca“ befragte weitere Fahrer, die allerdings aussagten, nichts über die Vorwürfe zu wissen. Tadej Pogacar (22), der unmittelbar vor seinem zweiten Gesamtsieg bei der Tour de France steht, erklärte bei einer Pressekonferenz auf Nachfrage: „Ich weiß nicht. Wir hören keine Geräusche.“

Tour de France: Tadej Pocagar trotz Zweifeln entspannt

Beweise oder konkrete Anhaltspunkte gibt es bislang nicht. Umso schwerer wiegt dadurch allerdings der Eindruck, dass innerhalb des Fahrerfeldes offenbar die Zweifel gegenüber der Konkurrenz wieder größer werden.

Auch Pogacar musste sich in den vergangenen Tagen bereits mit kritischen Nachfragen beschäftigen. Der Slowene habe sogar Verständnis für die Zweifel: „Es sind unbequeme Fragen, weil die Geschichte unseres Sports sehr schlecht ist.“ (bc)

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