Zoff im Trainingslager Werder Bremen setzt klares Zeichen, nun droht Klage von „Nachbarn“

Werder-Fans stehen im Gästeblock und tragen Anti-Nazi-Shirts.

Die Fans des SV Werder Bremen zeigen, wie hier schon am 23. Mai 2015 in Dortmund, was sie von Neonazis halten.

Stress im Trainingslager! Beim SV Werder Bremen fliegen die Fetzen. Allerdings sind weder Spieler noch Trainer daran beteiligt, sondern die Social-Media-Abteilung des Nordklubs.

Die Vorbereitung auf die kommende Spielzeit hat begonnen und viele Bundesligisten befinden sich derzeit im Trainingslager. So auch der Aufsteiger Werder Bremen.

Die Hanseaten haben sich im österreichischen Zell am Ziller niedergelassen, um die Mission Klassenerhalt in Angriff zu nehmen. Doch die Idylle im malerischen Österreich wird ordentlich gestört – und zwar von den Nachbarn. Die Folge: Zoff!

Aber was genau ist der Grund für die Missstimmung bei den Bremern? Die Antwort: In unmittelbarer Nähe zum Trainingsgelände hat die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) einen gut sichtbaren Werbepavillon platziert. 

Werder Bremen wehrt sich gegen rechtspopulistische FPÖ

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In der Vergangenheit sind Mitglieder der FPÖ immer wieder durch diskriminierende Äußerungen und NS-Symbolik aufgefallen. Beispielsweise zeigte sich der Teritzer FPÖ-Stadtrat Erwin Scherz 2020 mit einem Reichsadler-Shirt, der stellvertretender FPÖ-Ortsparteichef einer Pinzgauer Gemeinde nannte Spieler der französischen Nationalelf 2018 „Kongoaffen“ und in der Apotheke des FPÖ-Landesvorstandsmitglieds Martin Hochstöger wurden 2017 Nazi-Devotionalien gefunden.

Um sich von der rechtspopulistischen Partei abzugrenzen, twitterte der SV Werder das folgende Statement: „Wir fühlen uns hier so sehr zuhause, dass wir auch hier im Zillertal dafür einstehen: Klare Kante gegen Nazis.“

Darunter wurden Hashtags wie #notoracism, #nonazis und #nachbarnkannmansichnichtaussuchen angefügt.

Die diskreditierende Antwort der FPÖ ließ nicht lange auf sich warten. Leo Kohlbauer, FPÖ-Pressesprecher der Stadt Wien, schrieb bei Twitter: „Niemand braucht diese links versifften Piefke bei uns. Sollen's in Buntland den Regenbogen-Ramadan feiern.“

Werder Bremen: FPÖ-Chef verlangt Entschuldigung

Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger verlangt nun sogar eine Entschuldigung von Werder binnen einer Woche, ansonsten werde man klagen, wie er am Montag (4. Juli 2022) mitteilte.

Es handle sich um die Verunglimpfung einer demokratischen Partei, die seit Jahrzehnten fest in der Parteiendemokratie verankert sei und einen großen Wählerzuspruch erfahre, sagte der Landesparteichef. „Der Tweet stellt zudem eine Verharmlosung der Verbrechen des Nationalsozialismus dar.“

Werder hat auf den Tweet nicht mehr geantwortet und auch zu der drohenden Klage wollte sich der Nordklub bisher noch nicht äußern. Das Trainingslager der Grün-Weißen geht noch bis zum Sonntag, dem 10. Juli.

Werder Bremen und seine Fans engagieren sich gegen Rechts

Sowohl die aktiven Fanszene als auch der Verein Werder Bremen selbst engagieren sich seit Jahren gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Homophobie.

Das war jedoch nicht immer so: Noch bis weit in die 2000er-Jahre war die Bremer Ostkurve in Hand von rechten Hooligans. Gruppen wie „Standarte Bremen“ haben den Ton angegeben, entschieden, wer willkommen war und wer nicht.

Über viele Jahre erkämpften sich antirassistische Ultras die Ostkurve von den Rechten zurück. Doch dieser Weg war blutig: 2007 stürmten Bremer Neonazis und Hooligans eine Feier der Ultras im Ostkurvensaal und verprügelten zahlreiche Gäste. Spätestens seit diesem Ereignis ist der SV Werder für die ausgehende Gefahr durch Rechtsextreme sensibilisiert. (jm/dpa)

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