„One Love“-Binde als Angriff „Spaltende Botschaft“: Aussagen von WM-Chef machen sprachlos

Der Generalsekretär des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, Hassan Al-Thawadi, nimmt am 04.01.2018 im Khalifa International Stadium in Doha (Katar) an einer Pressekonferenz teil.

In den Augen von Hassan Al-Thawadi, Generalsekretär des WM-Organisationskomitees (hier 2018 bei einer Pressekonferenz zum Turnier in Katar), hinterlässt die „One Love“-Binde eine „spaltende Botschaft“.

Hassan Al-Thawadi, Chef des Organisationskomitees der WM in Katar, hat das Verbot der „One Love“-Binde verteidigt. Er spricht von einer „spaltenden Botschaft“.  

Die „One Love“-Binde als Treiber einer „spaltenden Botschaft“ und Angriff auf die „islamische Welt“? Klingt falsch, ist in den Augen von Hassan Al-Thawadi allerdings Realität.

In einem Gespräch mit dem britischen Fernsehsender „TalkTV“ hat der Chef des Organisationskomitees der WM Ende November 2022 in Katar das Verbot der Kapitänsbinde nun offensiv verteidigt. Er sei zwar nicht Teil der Entscheidungsfindung gewesen, sondern die FIFA allein, einen Hehl daraus, dass er das Ergebnis durchaus als positiv bewertet, machte er allerdings nicht.

WM-OK-Chef: „One Love“-Binde ist Protest gegen „islamisches Land“

Es sei eine Sache, wenn ein Team beschließe, eine solche Binde während einer ganzen Saison zu tragen, sagte Al-Thawadi. „Aber wenn sie kommen, um in Katar ein Statement zu setzen, habe ich ein Problem damit.“ Katar habe als Teil der arabischen Welt „seine eigenen Werte“.

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Im Grunde genommen würde man mit dem Tragen der „One Love“-Binde gegen Katar als islamisches Land, das eine Veranstaltung ausrichtet, protestieren, behauptet Al-Thawadi.

„Bedeutet das, dass islamische Länder niemals Veranstaltungen ausrichten können? [...]Wenn Sie also hier in Katar oder speziell an Katar und damit an die islamische Welt gerichtet ein Statement setzen, dann habe ich natürlich etwas dagegen. Es hinterlässt eine sehr spaltende Botschaft.“

Denn: Jeder sei in Katar willkommen, „auch wenn wir bei manchen Dingen nicht übereinstimmen“. Wegen der Weltmeisterschaft gebe es aktuell einen kulturellen Austausch auf einem „beispiellosen Level“. Doch die „falschen Informationen“ der internationalen Medien nährten Stereotype über den Nahen Osten und speziell Katar. „Für viele Menschen ist es einfach, das Negative über unseren Teil der Welt und uns zu glauben“, fügte der Organisationskomitee-Chef hinzu.

Angesprochen darauf, dass zu Beginn des Turniers Fanutensilien in Regenbogenfarben konfisziert worden waren, bat Al-Thawadi um Verständnis: „Wenn es um ein Thema wie dieses geht, ist es kompliziert. Für uns, oder zumindest für diesen Teil der Welt, ist dies ein grundlegender Bestandteil der religiösen Werte.“

WM-OK-Chef bestätigt Tod von bis zu 500 Gastarbeitern

Derweil gibt es in Sachen verstorbener Gastarbeiter im Zuge der Vorbereitungen auf die WM neue Zahlen. „Die Schätzungen liegen zwischen 400 und 500“, sagte Al-Thawadi dem Sender: „Ich kenne die genaue Zahl nicht, aber jeder Toter ist einer zu viel.“

Bisher hatten der Weltverband FIFA und offizielle Stimmen aus Katar von drei Todesfällen auf WM-Baustellen gesprochen. Medienberichten zufolge dagegen sollen seit der WM-Vergabe 2010 mehrere Tausend Arbeiter auf katarischen Baustellen ums Leben gekommen sein.

Trotz der hohen Opferzahlen betonte der 44-Jährige die Reformen, die im Golfstaat in den vergangenen Jahren angeschoben worden und unabhängig von der WM notwendig gewesen seien: „Die Verbesserungen in Bezug auf Sicherheits- und Gesundheitsstandards sowie die Abschaffung des Kafala-Systems haben wir vorgenommen, weil es unseren eigenen Werten entspricht“, sagte er. Die Vergabe des Turniers nach Katar habe diesen Prozess lediglich beschleunigt. (sal/mit sid)

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