„Gemeinsam geweint“ Hertha-Coach Sandro Schwarz schildert emotionale Moskaus-Erlebnisse

Vor dem Pokalfinale gegen Spartak Moskau stand Sandro Schwarz, ehemals Trainer von Dynamo Moskau, den Journalisten Rede und Antwort.

Der neue Hertha-Coach Sandro Schwarz auf einer Pressekonferenz bei seinem damaligen Verein Dynamo Moskau am 27. Mai 2022.

Sandro Schwarz, neuer Trainer bei Hertha BSC, äußerte sich in einer Medienrunde emotional über die Zeit bei Dynamo Moskau in Bezug auf den Angriffskrieg der Russen.

Seit Donnerstag (2. Juni 2022) ist es nun offiziell – Sandro Schwarz (43) wird neuer Trainer bei Hertha BSC. In einer Medienrunde berichtete er jetzt über die emotionale Zeit in Russland bei Dynamo Moskau.

Im Oktober 2021 hatte Schwarz das Traineramt beim russischen Klub übernommen. Während seiner Amtszeit brach der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine aus. Der 43-Jährige erklärte nun, warum er dennoch die Saison bei Dynamo Moskau beendet hat.

Hertha-Coach Schwarz über emotionale Zeit in Russland

Er habe angesichts der „schrecklichen Bilder“ aus der Ukraine „eine innere Zerrissenheit gespürt“, so Schwarz mit emotionalen Worten: „Ich konnte das vor mir selbst als Mensch vertreten, weil die Gruppe die gleiche Haltung hatte.“

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Die Spieler, Betreuer und Klubverantwortliche dort seien „gute Menschen, die zu dem Thema eine klare Haltung haben, wie wir alle hier“, berichtete Schwarz: „Wenn ich nur ansatzweise gefühlt hätte, dass das Leben dort ab dem 24. Februar normal sei – dann wäre die logische Konsequenz für mich und meine Familie gewesen, Russland sofort zu verlassen.“

Seine Entscheidung, bis zum Saisonende in Moskau zu bleiben, hätte „nichts mit Sport, Titeln oder finanziellen Aspekten“ zu tun gehabt, betonte der 43-Jährige: „Es ging einzig und allein darum, den Menschen vor Ort zu helfen.“ Er habe gespürt, dass er in dieser „sehr emotionalen Zeit“ ein „Anker“ für die Leute bei Dynamo gewesen sei.

Sandro Schwarz: „Ging darum, den Menschen vor Ort zu helfen.“

Schwarz berichtete von einem Erlebnis, bei der er mit einem russischen und einem ukrainischen Spieler im Trainerzimmer „gemeinsam geweint“ habe. „Zukunftsängste, das Gefühl der Abspaltung von der restlichen Welt – das haben alle in meinem Umfeld gespürt“, verriet Schwarz, der seinen Abschied von Dynamo erst nach dem verlorenen Pokalfinale am vergangenen Sonntag (29. Mai) bekannt gegeben hatte. Sein noch zwei Jahre laufender Vertrag wurde vorzeitig aufgelöst. 

Er könne die Kontroverse um seine Entscheidung nachvollziehen, zumal seine deutschen Trainer-Kollegen Markus Gisdol (52/Lokomotive Moskau) und Daniel Farke (45/FK Krasnodar) Russland sofort den Rücken gekehrt hatten. Dennoch betonte Schwarz: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich diesen Angriffskrieg und jegliche Form des Krieges in der Ukraine komplett verurteile.“ 

Nachdem Hertha BSC in der Relegation der Klassenerhalt noch geglückt ist, gab Trainer Felix Magath (68) direkt seinen geplanten Rücktritt bekannt. Nun soll der neue Coach Sandro Schwarz den Trümmerhaufen des Hauptstadtklubs wieder herrichten. (sid/fr)

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