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„Mafiöser Haufen“ DFB stimmt mit Kongress auf WM ein – Buh-Rufe für Botschafter von Katar

DFB-DFB-Kongress: Sport und Menschenrechte: Maßnahmen vor, während und nach der WM in Katar 2022, Steffen Simon, Bernd Neuendorf, Oliver Bierhoff.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf (M.) und Direktor Oliver Bierhoff bei Moderator Steffen Simon beim Kongress zum Thema „Menschenrechte in Katar“ am 19. September 2022 in Frankfurt.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) intensiviert den Dialog über die Situation im WM-Ausrichterland Katar und veranstaltet deshalb einen Kongress am DFB-Campus.

Die letzte Länderspiel-Phase vor der WM in Katar begann für die Nationalspieler nicht auf dem Trainingsplatz. Nach der Ankunft im Teamquartier in Neu-Isenburg ging es für einige Akteure direkt zum DFB-Campus. Dort stand am Montag (19. September 2022) ein Kongress zum Thema „Sport und Menschenrechte“ an.

In vier Dialog-Foren soll vor dem Hintergrund der Menschenrechtslage in Katar über die Rolle des DFB und anderer an der WM beteiligter Akteure diskutiert werden. Bereits im März sowie im Sommer hatten die Verbands-Verantwortlichen die Nationalspieler auf die besonderen Herausforderungen beim Winter-Turnier vorbereitet.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit klarer Forderung auch an die FIFA

DFB-Präsident Bernd Neuendorf (61) wird im Oktober erneut nach Katar reisen, dann zusammen mit Innenministerin Nancy Faeser (52). „Wir hoffen auf neue Impulse, um gegenüber der Regierung in Katar Forderungen zu stellen. Wir wollen den Blick schärfen“, erläuterte er die Ziele des Forums in Frankfurt.

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„Positiv hervorzuheben ist, dass in Katar einzelne Gesetze, beispielsweise zum Mindestlohn oder zu den Arbeitszeiten, modifiziert wurden. Was Sorge macht, ist die Umsetzung der rechtlichen Änderungen“, klagte der Fußball-Boss.

Mit zwei konkreten Forderungen richtet er sich an das Gastgeberland und die ausrichtende FIFA. Zum einen bräuchten die zahlreichen Menschen, die zum Arbeiten nach Katar kommen, in sogenannten „Migration Working Centers“, einen klaren Anlaufpunkt. Zum anderen erwartet der DFB die Einrichtung eines Fonds für Menschen, die beim Stadionbau ums Leben gekommen sind oder sich schwer verletzt haben. „Dies richtet sich an die FIFA, die Verantwortung übernehmen muss für ihre Maßnahmen.“

Konkret forderte die Gewerkschaft Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) von der FIFA die Einrichtung eines Entschädigungsfonds in Höhe von 440 Millionen US-Dollar für die Angehörigen von Arbeitern, die auf WM-Baustellen gestorbenen sind oder verletzt wurden.

DFB: Oliver Bierhoff sieht großen Spagat für Nationalmannschaft

DFB-Direktor Oliver Bierhoff (54) berichtete von der großen Herausforderung für die Mannschaft. „Wir müssen darauf achten, diesen Spagat zu finden, zwischen der Verantwortung und dem Bewusstsein, das wir als Menschen haben. Auf der anderen Seite gehen wir als deutsche Fußball-Nationalmannschaft rüber, wir vertreten unser Land, wir wollen erfolgreich Fußball spielen.“

Die „vielen Geräusche und auch Kritiken, die vorher kommen“, dürften „nicht dazu führen, dass wir keine Lust am Turnier haben. Sondern, dass wir uns auf eine Weltmeisterschaft freuen, auf das Messen mit den Besten der Welt und darauf freuen, dass wir Deutschland vertreten können und hoffentlich den nächsten Stern holen.“

Diese Balance gilt es auch in dieser Woche wiederzufinden. „Nicht alle Spieler sind politisch denkend. Aber das Thema Menschenrechte beschäftigt sie sehr“, sagt Bierhoff. Deshalb wird zunächst über das WM-Land diskutiert, ehe ab Dienstag Bundestrainer Hansi Flick (57) den Fokus wieder auf den Sport lenken wird.

Scheich Abdulla Bin Mohammed bin Saud Al-Thani (62) klagte als Botschafter Katars über die Darstellung seines Landes. Er verwies auf die WM 2018 in Russland. „Wenn wir vier Jahre zurückgehen, war die WM in einem Land, die Krim war gerade eingenommen, Menschen im Gefängnis, unterdrückte Menschen, und da war keine Aufmerksamkeit aus Deutschland und nicht aus irgendeinem anderen Land in Europa“.

Katar: Botschafter kündigte Olympia-Bewerbung für 2032 an

Sein Land stehe seit zwölf Jahren im Fokus und habe viele Veränderungen angestoßen. „Lasst uns fair sein, nicht nur auf ein Thema fokussieren. Wir heißen alle Menschen willkommen. Wir sind noch nicht perfekt. Es ist eine Reise, die sich nach der WM fortsetzen wird.“ Auch in Deutschland hätte zum Beispiel das Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau viele Jahre in Anspruch genommen.

Der Botschafter wurde zornig angesichts der massiven Kritik an seinem Land. „Kommen Sie zu uns und genießen Sie den Fußball und die Kulturen. Treffen Sie Arbeiter im Bus, im Hotel, in Restaurants und fragen Sie sie, warum Bayern München seit Jahren dort ein Trainingslager absolviert. Ob sich ihr Leben durch die Jobs verändert hat.“

DFB-DFB-Kongress: Sport und Menschenrechte: Maßnahmen vor, während und nach der WM in Katar 2022, Scheich Abdulla Bin Mohammed bin Saud Al-Thani.

Scheich Abdulla Bin Mohammed bin Saud Al-Thani verteidigte beim Kongress sein Land Katar.

Richtung Medienvertretern forderte er: „Sprechen Sie vor Ort mit den Menschen oder halten Sie den Mund. Sie haben die Möglichkeit, dort mit Menschen zu sprechen und sich nicht hinter der Hecke zu verstecken. Hinter geschlossenen Türen sagen Sie das eine, außerhalb etwas anderes.“

Nach seinen Informationen würden 70.000 Deutsche zur WM nach Katar reisen. Sie sollen sich selbst ein Bild machen. Zudem kündigte er abermals an, dass sich das Emirat um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2032 bewerben will, nachdem man schon zweimal gescheitert war.

Sport und Menschenrechte: Maßnahmen vor, während und nach der WM in Katar 2022, Steffen Simon, Bernd Neuendorf, Oliver Bierhoff.

Viele Experten waren zum Kongress über Sport und Menschenrechte nach Frankfurt gekommen, unter anderem Andreas Rettig (vorne links im Bild).

Nachdem der Botschafter seinen Vortrag beendet hatte, gab es nur wenig Applaus, aber auch einzelne Buh-Rufe, beispielsweise von Andreas Rettig (59), dem früheren DFL-Geschäftsführer. Er hatte die Ausführungen ebenso fassungslos verfolgt wie Dario Minden vom Fanbündnis „Unsere Kurve“.

„Als Menschen, die den Fußball lieben, schämen wir uns über die Käuflichkeit und die Ausbeutung, die rund um das Turnier stattfinden“, sagte der Fanvertreter: „Menschenrechte werden plötzlich wieder Verhandlungsmasse – nur weil der Gegenüber genug Geld hat.“

Fans fordern DFB zur Gewinn-Abgabe auf

Auch den DFB kritisierte Minden heftig. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum niemals ein Boykott ernsthaft erwogen wurde. Damit wurde das verheerende Signal gesendet, dass wir doch eh kommen“, äußerte der Jurist.

Als Ausgleich verlangte er vom DFB, dass dieser „Teil reiner progressiven Allianz“ werden muss, damit sich die Anhänger „künftig auf solche Fußball-Feste wieder freuen“ könnten. Zudem müsse der Verband auf jegliche WM-Gewinne verzichten, um sich nicht an der Großveranstaltung zu bereichern. Alle Gewinne sollten den „Entrechteten“ zur Verfügung gestellt werden.

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