Nerv-Verpackung Kleinigkeit bestellt, Lieferung im Riesenkarton – das ist der Grund

Ein Amazon-Karton in einem Logistikzentrum: Oft werden kleine Gegenstände auch in großen Kartons verschickt.

Ein Amazon-Karton in einem Logistikzentrum: Oft werden kleine Gegenstände auch in großen Kartons verschickt.

Köln. Wer kennt das nicht: Im Internet (z.B. bei Amazon) eine Kleinigkeit bestellt – dann kommt die Ware in einem viel zu großen Karton. Kleines Produkt – riesige Verpackung. Das nervt...

Trotz Umweltkampagnen gegen den Verpackungsmüll versenden viele Online- Händler ihre Waren offenbar weiterhin in viel zu großen Kartons. Das zeigte bereits das rbb Verbrauchermagazin Super.Markt in einer Sendung, die bereits 2020 ausgestrahlt wurde. Doch geändert hat sich seitdem nichts.

So wird beispielsweise der kleine Fahrradschlauch in einem viel zu großen Karton verschickt. Statt einem Fahrradschlauch hätten vermutlich 20 Schläuche in das Paket gepasst.

Und was sagen die Großversender zu dem Verpackungswahn?

Amazon hat 30 verschiedene Kartongrößen

Auf rbb-Nachfrage erklärt beispielsweise Amazon, dass das Unternehmen 30 verschiedene Kartongrößen im Angebot hat. Gearbeitet wird mit Algorithmen. Taucht ein Artikel zum ersten Mal im Logistik-Zentrum auf, werden Daten wie Gewicht, Größe, Höhe und Breite gespeichert. Das System gibt dann an der Packstation die Empfehlung für den passenden Karton.

Beispielsweise haben Scheibenwischer jedoch bei Amazon keine Standardkartonage, so das Unternehmen: „Auch ist es nicht möglich, Scheibenwischer ohne gesonderte Verpackung zu verschicken, da die Originalverpackung zu schmal ist, um das Versandlabel aufzudrucken.“

Der international agierende Versandhändler Conrad Electronics benutzt sechs Standard-Kartongrößen: „Dadurch kann es vorkommen, dass kleine Artikel in einem vergleichsweise großen Karton ausgeliefert werden“, erklärt das Unternehmen gegenüber Super.Markt.

Verpackungsmüll erreicht Rekordhoch

Etwas anders sieht es Karl-Heinz Behrens, Verpackungsmittel-Mechaniker und Inhaber der Berliner Kartonagenfabrik FaPack, die Hunderte von Paketgrößen im Angebot hat. Er vermutet eher wirtschaftliche Gründe.

„Entscheidend für die Verpackungskosten sind die Lohnkosten darin. Wenn der Verpacker zu lange Zeit hat, sich zu überlegen, welche Größe er nimmt, ist das teurer als die größte Schachtel“, lautet seine Erklärung.

Mit 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfällen ist in Deutschland ein neuer Höchststand erreicht, so das Umwelt Bundesamt. Das sind pro Kopf 107 Kilo im Jahr. (mt)

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