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„Sourtoe-Cocktail“Eine menschliche Zehe im Drink gefällig?

Bizarres Trinkritual in Dawson City: Beim Trinken müssen die Lippen eine mumifizierte menschliche Zehe berühren.

Bizarres Trinkritual in Dawson City: Beim Trinken müssen die Lippen eine mumifizierte menschliche Zehe berühren.

Was die Olive im Martini ist, ist im "Sourtoe-Cocktail" eine menschliche Zehe. In Dawson City, einer Kleinstadt im Norden Kanadas, gehört man erst richtig dazu, wenn man die Zehe in dem Drink mit den Lippen berührt. Runterschlucken sollte man sie aber nicht.

Die kanadische Kleinstadt Dawson City liegt am Ostufer des Yukon River, an der Mündung des Klondike River und circa 240 Kilometer vom nördlichen Polarkreis entfernt - also mitten im Nirgendwo. Ihre Glanzzeit erlebte die Stadt in den 1890er Jahren als Tausende Goldsucher an den Klondike River strömten und die kleine Siedlung in eine boomende Goldgräberstadt verwandelten. Ein historischer Bezirk mit zahlreichen restaurierten Häusern aus dieser Zeit erinnert noch heute an diese Zeit.

Die alte Zeh' muss an die Lippen

In aller Munde ist Dawson derzeit aber aus anderen Gründen: Josh Clark, ein amerikanischer Tourist, hat die Stadt in Bedrängnis gebracht. Wie mehr als 50.000 Menschen vor ihm, nahm auch der Mann aus New Orleans am bizarren Trinkritual des ortsansässigen Sourdough-Saloons teil: er trank einen Sourtoe-Cocktail. Dabei handelt es sich um eine Art Mutprobe, bei der Besucher der Stadt zu echten Einheimischen „getauft“ werden. Der Drink besteht nämlich aus einem beliebigen Basisgetränk und – einer mumifizierten menschlichen Zehe.

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Beim Trinken muss nur eine Regel beachtet werden: Die schrumpelige Zehe muss die Lippen berühren: „You can drink it fast, you can drink it slow, but your lips gonna touch the dirty old toe“. Was frei übersetzt etwa heißt: „Du kannst schütten oder nippen, aber die alte Zeh' muss an die Lippen“. Und zwar nur dahin. Wer die Zehe verschluckt, muss eine Strafgebühr über 500 Dollar bezahlen.

Amerikanischer Tourist schluckt das Schrumpel-Glied

An diese Regel hat sich Josh Clark aber nicht gehalten: Er bestellt das Glied in einem Whisky, dazu ein Bier, lässt sich die Regeln vom Barkeeper vorlesen, setzt an und spült Whisky, Bier und die Zehe hinunter. Alles zu sehen in einem Video des kanadischen Radiosenders CBC. Das Grölen seiner Kumpels im Hintergrund und die fünf 100-Dollar-Scheine, die Clark anschließend anstandslos übergibt, legt den Verdacht der Vorsätzlichkeit nahe.

Ein Umstand, der Barkeeper Terry Lee schockiert: „Ich glaube, das war das erste Mal, das jemand den Zeh mit Absicht geschluckt hat“, sagt er dem Radiosender anderntags. Vorsichtshalber hat der Saloon die Strafe auf 2500 Dollar erhöht. Denn Zehen sind rar: Die Bar verfügt derzeit noch über eine Ersatzzehe, aber das ist Lee nicht genug, denn nach dem Einsatz im Cocktail muss die Zehe eine Woche lang im Salz austrocknen. Andernfalls wird das ledrige Stück weich und zerfällt.

Trinkspiel entstand in einer durchzechten Nacht

Begründet wurde das Sourtoe-Ritual von Dick Stevenson. Er fand die erste Zehe im Haus des Goldgräbers Louie Liken. Dem fror sie in den 1920er Jahren ab, als er mit seinem Bruder Otto Alkohol von Kanada in die USA schmuggeln wollte. Während der Tour blieb keine Zeit für einen Arztbesuch und so amputierte Otto die erfrorene Zehe mit einer Axt. Zur Erinnerung konservierten die Brüder die Zehe in Alkohol.

In einer durchzechten Nacht kam Stevenson 1973 dann die Idee für das Trinkspiel und in der 40-jährigen Tradition sind dem Saloon dabei schon viele Exemplare abhanden gekommen: Eine wurde geklaut, mehrere gingen verloren und einige wurden versehentlich geschluckt. Die Kneipenbesitzer haben den Überblick verloren. Nachschub kommt von humorvollen Einwohnern der Stadt, die ihre Zehen nach einer Amputation oder ihrem Ableben spenden.

Wanted: Zehen für Cocktail

In der aktuellen Notsitution hat sich der Saloon zu einer aktiven Suche entschlossen. Auf seiner Internetseite steht ein morbider Steckbrief: „Sie haben nicht zufällig eine Frostbeule?“ heißt es da frei übersetzt und weiter: „Das Downtown-Hotel sucht derzeit Zehen für seinen weltberühmten Sourtoe-Cocktail. Spender werden in der Sourtoe Hall of Fame verewigt.“

Ob schon neue Zehen aufgetaucht sind, ist nicht überliefert, aber als Werbung für die Stadt funktioniert die Suche optimal. Auch das Fremdenverkehrsbüro von Dawson City beteiligt sich jetzt daran. Auf ihrer Facebook-Seite können User Bilder ihrer Zehen hochladen, zu gewinnen gibt es eine Reise in die Stadt - aber ohne Zwangsamputation.

Menschliche Zehen im Drink sind eklig, aber in manchen Ländern gelten ähnlich fiese Zutaten als Delikatessen. In unserer Bilderstrecke zeigen wir, wo verrotteter Hai, Innereien-Gyros oder Eier mit Embryos auf der Speisekarte stehen.