„Haufen nutzloser Steine“Italienisches Dorf verkauft Häuser für einen Euro – doch niemand greift zu

Blick von einem Bergdorf in das Tal.

Im italienischen Bergdorf Patrica stehen zu viele Häuser leer. Bürgermeister Lucio Fiordaliso hält deshalb an einem besonderen Verkaufsmodell fest (Symbolbild von Castelfalfi von Juli 2022, steht in keinem Zusammenhang).

Mithilfe eines ungewöhnlichen Verkaufsmodells möchte ein italienisches Bergdorf seinen Leerstand reduzieren und wieder mehr Leben in das Dorf bringen.

von Eva Gneisinger (eg)

Dort leben, wo andere Urlaub machen: Für viele ist die Flucht aus dem oftmals grauen Deutschland ein lang gehegter Traum, ein Leben in südlichen Gefilden mit milden Temperaturen, viel Sonnenschein und dem Meer vor der Haustüre die Wunschvorstellung schlechthin.

Wie wär's da mit Italien? Hier können Auswanderer-Träume wahr werden: Aktuell bieten viele italienische Kleinstädte und Dörfer leerstehende Häuser zum Verkauf an – für gerade einmal einen Euro!

Schnäppchen für einen Euro – doch niemand greift zu

Wer also noch eine Bleibe sucht, könnte im Bergdorf Patrica in der Region Latium nahe Rom fündig werden. Die leerstehenden Häuser finden einfach keine neuen Besitzerinnen und Besitzer, weshalb sich Bürgermeister Lucio Fiordaliso für eine Ein-Euro-Verkaufsvariante entscheiden hat.

Doch auch der Schnäppchenpreis ändert nichts an der Tatsache: Die heruntergekommenen Häuser, die oft seit Jahren brach liegen, möchte niemand haben. Zu hoch ist der Eigenanteil, den die potenziellen Käuferinnen und Käufer in die Renovierungsarbeiten stecken müssten.

Hier siehst du ein Instagram-Foto, welches das Bergdorf Patrica von oben zeigt:

Gegenüber CNN erklärt der Einheimische Gianni Valleco, dass er und seine zwei Brüder sich dazu entschieden hatten, ihr Elternhaus zum Schnäppchenpreis anzubieten. Sie wollten den „Haufen nutzloser Steine“ loswerden, doch es klappte nicht.

Den Brüdern war schnell klar, warum es keine Interessenten gab: „Wir waren uns bewusst, dass sich das Haus unserer Eltern nach einem halben Jahrhundert in Schutt und Asche verwandelt hatte, es war völlig zerstört, dem Erdboden gleichgemacht.“

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Hinzu kommt ein weiteres Problem: Um die Häuser verkaufen zu können, braucht es die Zustimmung der ehemaligen Besitzerinnen und Besitzer: „Wir brauchen zunächst das Einverständnis der Eigentümerinnen und Eigentümer beziehungsweise ihrer Erben“, so Fiordaliso. Ohne dieses können die Objekte nicht zum Verkauf angeboten werden.

Die Häuser seien zudem oftmals unter mehreren Erben aufgeteilt, sodass es eine Zustimmung aller Beteiligten bedarf. Liegen die Parteien jedoch im Clinch oder haben schlichtweg keinen Kontakt mehr zueinander, ist eine Einigung nahezu unmöglich.

Die Suche nach den rechtmäßigen Erben gestalte sich schwierig, so der Bürgermeister: „Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“ Erst zwei Häuser wurden zu dem symbolischen Ein-Euro-Preis verkauft, berichtet Fiordaliso CNN. Auch wenn er mit der Ein-Euro-Offensive noch keinen Erfolg hatte, will er weitermachen.

In anderen italienischen Kleinstädten ist das Programm hingegen ein voller Erfolg: In Mussomeli auf Sizilien seien innerhalb der letzten fünf Jahre fast 95 Prozent der Häuser verkauft worden, wie der stellvertretende Bürgermeister Toti Nigrelli gegenüber Business Insider erklärt.

Das Ein-Euro-Programm sprach vor allem amerikanische und europäische Investoren an und füllte nicht nur das Städtchen wieder mit Leben, sondern kurbelte gleichzeitig auch den Tourismus an.