Geheimwaffe fürs KlimaDarum sollten wir Moos im Garten nicht bekämpfen

Moosgarten in Staudernheim

Schattiger Garten und das Moos obsiegt über den Rasen? Bloß nicht hadern, sondern freuen! Ein kleiner Moosgarten (wie hier bei Michael Altmoos in Rheinland-Pfalz) ist eine kleine Klima-Wonne!

Moose sind unverwüstliche Urzeitpflanzen – und unsere grüne Geheimwaffe im Klima-Kampf. Ein Experte erklärt die fabelhafte Welt der Moose – und warum wir beim Vertikutieren immer verlieren.

von Stefanie Monien (smo)

Klimawandel, Erderwärmung – düstere Aussichten: Ja, die Zeiten, in denen wir leben, sind von der globalen „Großwetterlage“ her nicht gerade rosig. Dafür aber moosig! Dahinter steckt mehr als nur ein banales Wortspiel, denn „Moose sind unsere Lebensversicherung gerade im Klimawandel“. Sagt einer, der es nicht nur vom Namen, sondern vor allem von seinem Know-how her weiß: Dr. Michael Altmoos, Naturschutzbiologe und Ökologe. Er öffnet uns die Tür zur faszinierenden Welt der Moose. Wer nach dieser Lektüre noch vertikutiert, ist selber Schuld ... 

Moose – für die einen Ausdruck purer Naturromatik (Stichwort: verwunschene Märchenwälder), für die anderen immergrüner Erzfeind, den es von A wie Abkratzen bis V wie Vertikutieren zu bekämpfen gilt. Dabei sind Moose laut Altmoos „harmlos und friedlich“.

Ein Wald ohne Moos wäre zum Sterben verurteilt

Vor allem aber sind Moose „Big Points“ im Wasserhaushalt, gerade in diesen immer trockener werdenden Zeiten ein ganz wichtiger Aspekt. „Einen Wald ohne Moose gibt es nicht, der wäre zum Sterben verurteilt“, sagt Michael Altmoos, der übrigens nicht wegen, sondern trotz seines Nachnamens zu den Moosen kam.

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„Mir ist das erst richtig bewusst geworden, als ich meinen ersten Mooskurs hatte und die Teilnehmerliste aufgerufen wurde. Da habe ich Ärger bekommen, weil der Dozent Moose sehr, sehr ernst genommen hat (sich leider auch) und dachte, ich wollte ihn verulken wegen des Nachnamens.“ Am Kurs teilnehmen durfte Altmoos trotzdem und ist den „Namenspflanzen“ treu geblieben. 

Experte: „Ohne Moose keine Chance auf Klimaschutz“

„Es wird ja oft kolportiert, dass Wälder im Klimawandel sterben. Das ist Quatsch, Forstplantagen sterben im Klimawandel, nicht Naturwälder. Und je moosreicher und natürlicher ein Wald ist, desto klimarobuster ist er“, erläutert Altmoos. „Moose speichern viel Kohlenstoff, die Torfmoose zum Beispiel binden 30 Prozent des globalen Kohlenstoffs. Sie sind also wahre Klimaanlagen, die die Luft herunterkühlen. Sie vertragen Trockenphasen und Dürrestress, um dann beim nächsten Regen wieder in ihrer gewohnten Form präsent zu sein. Ohne sie haben wir keine Chance auf umfassenden Klimaschutz, um es mal ganz platt zu sagen.“

„Es wird ja oft kolportiert, dass Wälder im Klimawandel sterben. Das ist Quatsch, Forstplantagen sterben im Klimawandel, nicht Naturwälder. Und je moosreicher und natürlicher ein Wald ist, desto klimarobuster ist er“, erläutert Altmoos. „Moose speichern viel Kohlenstoff, die Torfmoose zum Beispiel binden 30 Prozent des globalen Kohlenstoffs. Sie sind also wahre Klimaanlagen, die die Luft herunterkühlen. Sie vertragen Trockenphasen und Dürrestress, um dann beim nächsten Regen wieder in ihrer gewohnten Form präsent zu sein. Ohne sie haben wir keine Chance auf umfassenden Klimaschutz, um es mal ganz platt zu sagen.“

Moos im Rasen: Hier kommt der ultimative Tipp vom Experten

Auch Moose im heimischen Garten „sind eine ganz tolle Klimaanlage. Und Moos kann beruhigende Wirkung haben, ist wichtiger Kleinstlebensraum“, schwärmt der Experte, der über sich sagt, er sei „kein Moosfetischist“. „Ich sehe immer das große Ganze. Mag die friedliche Atmosphäre, die einen in eine ruhige Stimmung versetzen. So etwas braucht unsere Zeit ja.“ Er rät auch Menschen ohne Garten, im übertragenen Sinne Moos anzusetzen: „Kleine Schalen auf dem Balkon mit Moos bepflanzt, wirken beruhigend. Heimisches Moos verträgt Austrocknung. Das sieht nicht immer schön aus, aber beim nächsten Regen wird es wieder grün.“

Und dabei gilt Moos doch traditionell als natürlicher Feind des Rasengärtners. Doch jener sollte sich lieber mit der grünen Mini-Klimaanlage anfreunden, statt mit frustrierter Miene den Vertikutierer zu bemühen. „Jeder gute Rasen, auch der Trockenrasen, hat eine Moosschicht, die den Wasserhaushalt reguliert, einen kleinen Lebensraum schafft“, so Altmoos.

Heimische Moose lieben es schattig in leicht sauerem Milieu, gedeihen auch da, wo manche lieber Rasen hätten. „Wer das Moos loswerden will, vertikutiert sich einen Wolf, weil das Moos an solchen Stellen immer gewinnt! Man kann es bekämpfen oder damit arbeiten. Mein Tipp für Gärtner, die am Moos verzweifeln: Nicht das Moos rausrupfen, sondern den Rasen – und einen Moosgarten anlegen.“