Die Macken des Anderen Sollte ich meinen Partner ändern?

Paar Streit schweigen

Sie lässt hinter sich alles stehen und liegen, er findet das süß – aber nur am Anfang der Beziehung. Doch man sollte jedem seine Macken lassen.

Köln – Hilfe, die erste Verliebtheit ist vorbei, die rosarote Brille ist abgesetzt – und plötzlich fallen sie auf, die Macken des Anderen. Man sollte den Partner so akzeptieren, wie er ist, liest man immer wieder. Aber leichter gesagt, als getan. Wie schafft man es, den kompletten Umkrempel-Wahn zu unterdrücken?

Das Leben könnte so einfach sein. Wenn doch nur der Partner nicht so unordentlich wäre, pünktlich zu Verabredungen käme und nicht immer vergessen würde, seine Taschentücher aus den Hosen zu holen, bevor diese im Wäschekorb landen. Fast jeder kennt solche oder ähnliche Situationen. Aus der eigenen Perspektive erscheint es gar nicht so schwer, solche Verhaltensweisen zu ändern. Der Partner sieht dies allerdings anders.

Der Charakter bleibt

Zwar können Menschen einzelne Verhaltensweisen natürlich ändern, aber der Charakter bleibt. Experten raten daher: Man sollte seinen Liebsten so akzeptieren, wie er ist. Allerdings gibt es Grenzen: „Die Macken sind das Salz in der Suppe. Zu viel versalzt die Suppe, ohne Salz schmeckt die Suppe fade. Es braucht einfach das richtige Maß“, sagt Psychologe Manfred Ohl aus Reinheim.

Mit der Art des Anderen klarzukommen, bringt beiden letztlich viele Vorteile – mal ganz davon abgesehen, dass niemand das Recht hat, einen erwachsenen Menschen zu erziehen. „Eine Partnerschaft ist nicht dafür da, dass sich der andere ändert“, sagt Hans Onno Röttgers, leitender Psychologe der Uniklinik Marburg.

Meistens läuft es so: In der ersten Verliebtheit nimmt der Partner die Macken des anderen entweder nicht wahr, oder sie stören ihn nicht. Im Laufe der Zeit wird der Blick kritischer. Viele neigen dann dazu, nur noch auf das eine Prozent zu schauen, das sie stört.
Dabei sollte man sich die liebenswerten Seiten des Partners immer wieder bewusstmachen und ihm diese auch mitteilen.

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Einfache Lösungen finden

Besser als ständig auszuteilen ist es, an sich selbst zu arbeiten und nach einfachen Lösungen zu suchen. So macht man sich vom Verhalten des Partners unabhängiger. Wer zum Beispiel immer wieder auf den unpünktlichen Partner warten muss, kann bei einem Termin schon alleine losfahren. Das darf aber bei dem anderen nicht als Strafe ankommen. Man sollte erklären, dass man vorfährt, weil es einem sehr unangenehm ist, zu spät zu einer Verabredung zu kommen.
Zudem sollte man sich überlegen, warum einem bestimmte Verhaltensweisen des Partners wichtig sind. Viele unserer Vorstellungen von einem scheinbar richtigen Benehmen stammen aus unserer Kindheit. Vielleicht ist einem Unpünktlichkeit zuwider, weil früher die Mutter immer auf sich warten ließ?

Unterschiede akzeptieren

Manche Charakterzüge sind nun einmal nicht zu ändern. Ein Chaot wird nie ein Pedant, ein ruhiger Mensch nie eine Stimmungskanone. „Schnell wird übersehen, dass ein Team ja auch von der Unterschiedlichkeit lebt“, sagt Röttgers.

Toleranz und Kompromissfähigkeit sind gut, aber natürlich gibt es Grenzen. Diese muss jeder für sich herausfinden. Für den Psychologen Ohl liegt diese da, wo der andere die eigene Entfaltung einschränkt. Etwa, wenn jemand für den Partner seinen persönlichen Lebensentwurf aufgeben müsste.  

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