Sie spannt, rötet sich, fühlt sich rau an: Im Winter stressen Kälte, Wind und Heizungsluft die Haut. Hilfe naht – mit den Tipps einer Kölner Skin-Expertin.
Kölner Skin-ExpertinAlles Routine! Pflege-Tipps für Winterhaut

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Glatte, pralle Haut mit einem leichten Rosé-Hauch: So wünscht man sich das Hautbild im Winter.
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Draußen ist es eiskalt, drinnen attackiert trockene Heizungsluft die Hautbarriere und das kuschelige Wannenbad mit viel Badeschaum mag zwar die Seele entspannen, nicht aber die Epidermis. Wie die Haut möglichst glatt durch die kalte Jahreszeit kommt und wie man bei der Pflege nicht ins Schleudern gerät, erklärt Skin-Expertin Alexandra Orantek, Storemanagerin von „Nø Cosmetics“ am Kölner Friesenwall.
Die grundsätzliche Herausforderung im Winter ist es, dringend benötigte Feuchtigkeit „in die Haut“ zu bekommen und vor allem dort zu halten, denn die trockene Heizungsluft lässt viel von der Feuchtigkeit verdunsten. „Das ist auch bei der Körperpflege ein ganz großes Thema. Man duscht schön heiß, rubbelt sich anschließend mit dem Handtuch trocken und cremt sich erst danach ein. So aber verliert die Haut die Feuchtigkeit, die sie sich durchs Duschen angeeignet hat“, sagt die Expertin.“
Und deshalb sollte man folgende – einfache – Tipps beherzigen:
- Kurz und lauwarm duschen statt lange und heiß, denn Hitze greift die Haut zusätzlich an.
- Cremes oder Öle direkt auf der noch feuchten Haut anwenden.
- Produkte benutzen, die die Hautbarriere (früher oft als „Säureschutzmantel“ bezeichnet) stärken und z. B. Cholesterol oder Ceramide enthalten. Letztere wirken wie ein „Kitt“ zwischen den Hautzellen.
- Famose Pflegeformel: Erst das Serum, dann die Creme!
- Auch, wenn man im Winter die Sonne kaum bis gar nicht sieht, ist sie da! Also: „Sonnenschutz verwenden, mindestens LSF 30“, rät Alexandra Orantek.

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Alexandra Orantek ist Storemanagerin bei „Nø Cosmetics“ (spricht sich „No“) in Köln. Das Unternehmen, das hochwertige Hautpflege zu Drogeriepreisen anbietet, wurde 2017 von der damals erst 22 Jahre alten Caroline R. Kroll aus Dormagen gegründet, zusammen mit ihrem Vater Andreas J. Kroll und Robert Beinio (bb med). Die Produkte sind vegan, tierversuchsfrei und werden im bb med Labor in Kalkar hergestellt.
Wer in sozialen Medien unterwegs ist, stolpert früher oder später über Influencerinnen, die insbesondere für gestresste Winterhaut Skincare-Routinen propagieren, für die man gefühlt zweieinhalb Stunden am Tag peelen, träufeln, massieren und cremen muss.
Braucht's das wirklich? „Solche komplexen Skincare-Routinen muss man im Alltag nicht zwingend mitmachen“, sagt die Kölner Hautexpertin und räumt ein: „Auch ich habe meine Phasen, in denen ich richtig Lust drauf habe, mit Seren und Co. zu arbeiten. Und dann gibt es Zeiten, in denen ich froh bin, wenn ich mich abends abschminke und meine Creme auftrage. Man hat im Alltag nicht immer die Kapazitäten für große Routinen und es ist auch absolut nicht nötig, sich deshalb unter Druck zu setzen.“
- Ihr Profi-Tipp für die „kleine Routine“: Erst eine milde Reinigung auf Ölbasis, dann eine Creme, die die Hautbarriere stärkt und hilft, die Feuchtigkeit „drin“ zu halten. „Morgens reicht lauwarmes Wasser zur Reinigung meist aus, auf die feuchte Haut dann die Creme auftragen. Bei fettiger oder zu Unreinheiten neigender Haut kann eine milde Reinigung vorab dennoch sinnvoll sein.“
Gerade im Winter, wenn die Haut schon mal fahl daherkommt, greifen viele zu BB Creams oder sehr haltbaren 24-Stunden-Foundations. Die müssen abends aber wieder runter, genau wie dekorative Kosmetik, also Mascara, Rouge, Lippenstift und Co. Aber wie geht das möglichst sanft? „Mit ölbasiertem Reiniger, der ist milder als die meisten Gesichtswasser und macht es viel einfacher, Make-up von der Haut zu bekommen“, sagt Alexandra Orantek.
Viele Kundinnen schwörten zudem auf Double Cleansing, das heißt: Zuerst kommt der Gesichtsreiniger auf Ölbasis, dann ein milder Reiniger auf Wasserbasis. Und was ist mit dem seit einigen Jahren angesagten Mizellenwasser? „Das ist eine Art wasserbasierte, milde Reinigung. Ich persönlich bin kein Riesenfan, einfach, weil man zur Verwendung Wattepads braucht und ich Produkte lieber mag, die ich mit den Händen benutzen kann.“
Egal ob Reinigung oder Pflege: Was der Haut im Winter am besten hilft, ist individuell und muss oftmals durch Probieren herausgefunden werden. Aber die Expertin warnt vor Übereifer. „Pröbchen sind ein großer Spaß, weil man sie gratis bekommt. Aber man sollte nicht direkt alles durcheinander testen und zehn Produkte in einer Woche anwenden.“ Bei „Nø Cosmetics“ achte man darauf, den Kundinnen und Kunden (ja, auch Männer springen mehr und mehr aufs Thema Hautpflege; s. Infobox) zum Ausprobieren auf die Hautbedürfnisse abgestimmte Proben mitzugeben.

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Der Markt für Schönheitspflegemittel wächst und wächst. Laut des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel e. V. wurden in Deutschland 2024 insgesamt 16,95 Milliarden Euro für kosmetische Produkte ausgegeben, sieben Prozent mehr als 2023. Davon entfielen allein auf Haut- und Gesichtspflege 3,6 Milliarden Euro, auf dekorative Kosmetik 2,2 Milliarden Euro. Dabei holen die Herren auf: 2023 haben laut aktuellster Umfrage 64 Prozent eine Gesichtscreme und 38 Prozent einen Gesichtsreiniger verwendet. Bei der Gen Z hat das Thema Skincare einen sehr hohen Stellenwert, auch bei Männern.
Wer seine Haut gerade im Winter nicht noch mehr stressen möchte, sollte vorsichtshalber nicht zu reiner Ascorbinsäure greifen – die hat ein erhöhtes Reizpotenzial für die Haut. „Werden hingegen öllösliche und sehr milde Vitamin-C-Präparate verwendet, können diese in der Regel auch mit anderen aktiven Wirkstoffen wie Retinol (Vitamin A) kombiniert werden“, sagt die Nø-Expertin. Menschen mit sehr empfindlicher Haut lassen sich also besser beraten, damit er oder sie sich im „Wirkstoff-Dschungel“ nicht verläuft.
Einen augenzwinkernden Tipp hat die Hautexpertin noch parat: „Bloß nicht jeden Tag ein Peeling mit Salicylsäure machen! Meine Kaffeemaschine entkalke ich ja auch nicht täglich, das würde nur die Leitungen kaputt machen!“

