Schockbilder auf Schachteln Das sind die Tricks der Raucher

_FP_6590

Hustende Kinder, amputierte Gliedmaßen. Die Fotos auf den Zigarettenschachteln sollen Raucher schocken.

Köln – Die Schockfotos sind da! Nach und nach kommen die Zigaretten-Schachteln mit den fiesen Bildern, wie die EU sie vorschreibt, im Handel an. Und die können selbst den hartgesottensten Raucher gehörig den Kippen-Appetit verderben.

Fast abgestorbene Füße oder vergammelte Zähne - so etwas will niemand sehen.

Wir haben uns unter den Glimmstängelliebhabern umgehört und sie nach ihren Tricks gefragt, wie sie den Anblick der Ekelbilder vermeiden.

Die Zigarettenschachteln mit den Schockfotos - eine echter Herausforderung für Kioskbesitzer und Raucher zugleich.

„Wir haben die neuen Packungen seit rund drei Wochen, aber mit jeder neuen Lieferung kommen mehr. Die Kunden kaufen aber nicht weniger, sie kaufen stattdessen einfach eine andere Marke oder eine andere Größe, auf der noch kein Bild ist“, sagt Büdchenbesitzerin Fatus Ayaz (37).

Aber was machen die Raucher, die ihrer Marke treubleiben wollen? So manch einer hat seine eigenen Tricks.

Wie Sabine Kops (47), die die Schockfotos schon von ausländischen Zigaretten kennt: „Die Bilder sind schrecklich! Ich kannte sie schon aus Ägypten und habe angefangen alte Schalten zu sammeln, als ich wusste, dass die Bilder kommen werden. Ich fülle sie mir dann einfach um.“

Die Ekelfotos will sie vor allem ihren Kindern ersparen. „Ich lasse die neuen Schachteln direkt im Küchenschrank verschwinden, ich will nicht, dass meine Kinder das sehen müssen.“

Lisa Konhäuser (26) raucht zwar trotz Schockfotos weiter, macht sich aber auch Gedanken über die neuen Packungen. „Ich finde es einfach ekelig, wenn man zum Beispiel im Biergarten sitzt und die Packung auf den Tisch legt.“ Ihr Trick: „Ich übermale die Bilder einfach mit einem dicken Filzstift“, erzählt sie.

Rauchen ja, aber die Ekelbilder verschwinden lassen: „Ich versuche die Packung einfach immer in der Tasche zu lassen, vor allem wenn ich unterwegs bin“, sagt Petra Jaerling (51). „Die Bilder schrecken schon ab. Ich denke, dass ich mich dran gewöhnen werde. Man muss die Packung ja nicht unbedingt auf den Tisch legen.“

Auch Raucherin Julie Weimann (19) sind die Fotos unangenehm: „Ich überklebe sie einfach mit einem Panini-Bildchen. Die Fotos sind wirklich ekelig, die muss ich mir nicht immer angucken.“

Verstecken, verdecken, überkleben. Doch mit dem Rauchen will kaum jemand wegen der Schockbilder aufhören. Büdchenbesitzerin Gülcan Danok (27): „Wegen der Bilder auf den Packungen verkaufen wir keineswegs weniger Zigaretten.“

Auch Manuel Werle (26) lässt sich von den Schockbildern nicht abschrecken: „Aber ich stecke die Schachtel in eine Kunststoffdose. Dann muss ich die Ekel-Packung nicht die ganze Zeit sehen.“ Dass die Nachfrage nach den Schachtel-Überziehern jetzt steigt, freut Hersteller wie Richard Locatelli, Geschäftsführer von „cardbox media solutions“: „Wir haben rund um die Uhr zu tun. Es gibt eine unglaubliche Nachfrage. Einzelhändler sowie Privatpersonen rufen hier ständig an.“

 Auch die Zigaretten-Händler suchten, so Locatelli, jetzt nach Lösungen, um ihre Shops durch die Schockbilder nicht in ein Gruselkabinett verwandeln zu müssen.

Fakten zu den Horrorschachteln

Ab dem 20. Mai mussten die Hersteller die gruseligen Fotos auf ihre Schachteln drucken. Viele haben bis dahin vorproduziert, um die Horror-Bebilderung noch eine Zeit lang vor den Kunden zu verbergen.

Übersehen kann man die Fotos und die neuen Warnhinweise nicht. Laut Beschluss der EU müssen 65 Prozent der Vorder- und Rückseite damit bedruckt sein.

12 Motive sind zurzeit im Umlauf. Insgesamt gibt es 42 Bilder und 14 Warnhinweise. Jedes Jahr werden die Fotos ausgetauscht - um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden.

Die EU-Kommission hat einigen Aufwand betrieben, damit die Abbildungen den größtmöglichen Abschreckungs-Effekt haben. Die Wirkung wurde an 8000 Probanden aus zehn EU-Mitgliedsstaaten getestet. 800 Deutsche, die an einem Online-Experiment teilgenommen haben, sind u.a. mitverantwortlich für die Auswahl der Bilder. Aber auch eine ganze Reihe von Experten war beteiligt. Psychologen, Verhaltensforscher und Kommunikationswissenschaftler gaben ihre Meinung ab. Die Schockfotos wurden von der EU-Kommission auch Medizinern vorgelegt, die die Authentizität bestätigten. Gekostet hat das ganze 600.000 Euro.

Die Identität der Personen auf den Bildern hält die Kommission geheim.

Wirken sie denn auch? In Australien, wo die Schockbilder schon seit 2012 auf den Schachteln sind, rauchen nur noch etwa 16 %, einer der niedrigsten Werte weltweit. In Deutschland liegen wir bei etwa 25 %.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.