Es geht auch ohne Gym und superstrenge Diäten. Ärztin Dr. Codelia Schott und zwei ihrer Patienten sagen, wie es sich ganz einfach fitter leben lässt.
Patienten erzählenUnsere einfachen Schritte in ein fitteres Leben

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Dr. Cordelia Schott gönnt sich nach Spaziergängen mit Schäferhund „X-Man“ auch Ruhepausen.
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Gerade mal zwei Prozent der Bevölkerung erfüllen laut aktuellem DKV-Report alle Kriterien für einen gesunden Lebensstil (Bewegung, Ernährung, Nichtraucher, maßvoller Alkoholkonsum, Stressbewältigung). Aber nächstes Jahr wird alles anders! Jeder Zweite hat sich fest vorgenommen, mehr Sport zu treiben und sich endlich gesünder zu ernähren. Dumm nur, dass es meist bei Lippenbekenntnissen bleibt und der Gym-Ausweis in der Schublade verstaubt. „Dabei helfen auch viele kleine Schritte, fitter zu werden“, sagt die Orthopädin und Bestsellerautorin Dr. Cordelia Schott.
Sie weiß, wovon sie spricht. Eine schwere, unentdeckte Endometriose führte dazu, dass die Medizinerin sogar notoperiert werden musste. Sie beschäftigte sich daraufhin intensiv mit der Schulmedizin, las alle Studien über die Erkrankung. „Doch das hatte mir alles nicht weitergeholfen.“
So fing sie an, in anderen Kulturen nach medizinischen Lösungen zu forschen. Mit „Selbstliebe, Geduld, Wissen und einer bewussten Verbindung zum Körper“ habe sie es geschafft, wieder topfit und schmerzfrei zu werden.
Jeder ist Experte für seine eigene Gesundheit
„Ärzte sind Experten für Krankheiten, der Experte für deine Gesundheit bist immer du selbst“, predigt sie seitdem ihren Zipperlein geplagten Patienten und Patientinnen. Und geht dabei im wahrsten Sinne des Wortes ans „Eingemachte“.
- Stichwort Verdauung: Ideal, wenn sie regelmäßig ist und so von der Konsistenz, dass man sich den Po gar nicht abwischen müsste.
- Stichwort Schlaf: Es sei ein Mythos, dass man denkt, fünf oder sechs Stunden reichen. „Wir würden einen großen Teil von Diabetes und Autoimmunerkrankungen nicht haben, wenn die Menschen sich mehr um ihren Schlaf kümmern würden.“
- Stichwort trockene Haut und stumpfes Haar: Sicheres Indiz, für Nährstoff-/ Wassermangel
- Stichwort mentale Gesundheit (laut Krankenkassenreports ein immer gravierenderes Problem): „Wenn man sich gereizt, gestresst oder depressiv fühlt, steht das Sympathikus-System auf Dauergas. Irgendwann sendet der Körper Alarmsignale, weil der Parasymphaticus – also unsere Bremse – nicht funktioniert. Und man landet im Abseits.“
Aber wie mache ich es besser? Was ist der cleverste Vorsatz, um im neuen Jahr durchzustarten? „Einfach anfangen“, so die Expertin. Dafür brauche man kein Outfit und müsse sich auch nicht im Fitnessstudio anmelden. Ihre Tipps fürs ultimative Fitness-Light-Programm:
- Abends schon eine Teekanne mit Kräutern wie Zitronenmelisse, Ingwer oder grünem Tee bereitstellen, morgens aufgießen
- Starten Sie den Tag mit einem Glas (Zitronen-)Wasser, das kurbelt die Verdauung an.
- Sauerstoff zum Frühstück: Öffnen Sie morgens das Fenster und machen eine Atemübung. „Ich bevorzuge 2-1-6. Zwei Sekunden tief einatmen, noch mal eine Sekunde tiefer einatmen, da wir alle nicht tief genug atmen – dann die Luft anhalten und nach sechs Sekunden wieder ausatmen.“
- Licht bewusst nutzen: Morgens natürliches Licht ins Gesicht lassen – stärkt den Biorhythmus und die Stimmung.
- Legen Sie eine 5-Minuten-Routine fest, die direkt im Anschluss ans Atmen folgt: Es kann so etwas Einfaches sein wie zehn Liegestütze (zum Anfang starten mit Kniestützen), 20 Kniebeugen oder ein kurzer Spaziergang draußen.
- Beim Zähneputzen auf einem Bein stehen (trainiert Fuß-, Bein-, Rückenmuskulatur und den Gleichgewichtssinn). Wasserflaschen nehmen und Bizeps-Curls machen (Ellbogen dabei stabil am Körper lassen, nur den Unterarm rotieren).
- Kniebeugen verstärken: Tornister der Kinder oder Arbeitstasche nehmen und wann immer sich die Möglichkeit bietet, Kniebeugen machen. Dabei dürfen die Knie nicht über die Fußspitzen herausragen und der Rücken sollte gerade bleiben.
- Bei der Arbeit einen Timer stellen. Jede Stunde kurz aufstehen, strecken, bewusst atmen.
- Leitungswasser oder Tees mit Zitrone, Minze oder Kurkuma verfeinern und darauf achten, dass die Literflasche neben dem Computer abends auch leer ist.
Annette erzählt: „Wie gesunder Schlaf mein Leben veränderte“
Sie war dauererschöpft, gereizt, schleppte 15 Kilogramm Übergewicht mit sich herum. Die zweifache Mutter hatte Angst, dass sie in ihrem relativ jungen Leben bereits an einer Kniearthrose leiden könnte. Für Sport hatte Annette (42), kaufmännische Angestellte, keine Zeit. Zum Frühstück trank sie einen Kaffee im Stehen, mittags ging es in die Kantine, abends gab es Brot mit Wurst, dazu einen Wein zur Entspannung. Ihr war schon klar, dass in ihrem Leben nicht alles rund lief und sie etwas ändern müsste, aber ihr fehlte – wie so vielen Menschen – die Energie. „Ja, ich habe auch ihr Knie behandelt, sie aber auch dazu motiviert, ihr Leben umzustellen“, erinnert sich Dr. Schott. Denn ihre Ernährung und ihre Lebensweise sendete dem Körper täglich biochemische Signale, die ihre Hormone, Neurotransmitter und Entzündungsprozesse langsam aber sicher in Richtung Krankheit verschieben würden.

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Annette W. (42) hatte Übergewicht, war dauermüde – mit gezielten Maßnahmen, um schon am Tag den guten Schlaf zu fördern, bekam sie ihre Probleme in den Griff.
Ein halbes Jahr später sei Annette nicht mehr wiederzuerkennen gewesen. Strahlende Haut, ohne Knieschmerzen, dafür neun Kilo leichter – aber vor allem voller Energie. Wie sie das geschafft hat? Zweimal die Woche Pilates, frische, pflanzenbasierte Mahlzeiten, Spaziergang in der Mittagspause – um nur einiges zu nennen. All das förderte auch einen guten Schlaf, für Dr. Cordelia Schott das A und O eines gesunden Lebens. „Schlaf ist der allerwichtigste Hebel bei der Regeneration und Heilung“, sagt die Orthopädin. „Wenn wir nicht tief schlafen und nicht gut schlafen, werden wir weder den Meniskusschaden noch die Bandscheibenprobleme langfristig in den Griff bekommen. Dabei könnten viele orthopädische Probleme quasi im Schlaf verschwinden.“ Studien würden belegen, dass man mit gesundem Schlaf 15 Jahre länger leben könne. Der Durchschnittsmensch brauche sieben bis acht Stunden Schlaf. Sie rät dazu, regelmäßige Einschlafzeiten einzuhalten, ab abends nicht mehr in Displays zu gucken, eine Blaulichtfilterbrille zu tragen und das Schlafzimmer kühl zu halten.
Thomas (54) überwand Muskel- und Gliederschmerzen
Patient Thomas (54) kam wegen seiner Muskel- und Gliederschmerzen in ihre Praxis. Aufgrund seiner Blutwerte hatte der Hausarzt ihm Blutdrucksenker verordnet, außerdem einen Cholesterinsenker und einen Magenschutz. Dr. Schott empfahl ihm, die Ernährung umzustellen, da Muskel- und Gliederschmerzen auch am Cholesterinsenker liegen könnten. „Es liegt in Ihrer Hand, quasi auf Ihrem Teller.“ Drei Monate später kam er wieder. Acht Kilogramm leichter, das runde Bäuchlein abgeflacht. Blutdruck und LDL-Cholesterin wieder im Normbereich. Die Schmerzen? Ebenfalls verschwunden. Die Medikamente? Vom Hausarzt wieder abgesetzt.

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Thomas (54), drehte an ein paar Stellschräubchen, änderte seine Ernährung – und seine Beschwerden sind Geschichte.
Zufall? „Sicher nicht“, so die Ärztin. „Eine Pille ist einfach, aber meist keine Lösung.“ Die Medizinerin erklärt es ihren Patienten und Patientinnen mit einem einfachen Bild: „Es funktioniert wie beim Auto. Wenn du schlechten Treibstoff tankst, wird dein Körper öfter stottern.“ So könne man die Ursachen vieler Erkrankungen angehen, etwa Insulinresistenz, chronische Entzündungen, Bluthochdruck, Darmprobleme, Hauterkrankungen, viele Formen der Demenz, Migräne, hormonelle Disbalancen oder die Fettleber.

