Hilfe, Sport macht mich dick! Doc Esser entlarvt faule Ausreden – und gibt richtige Tipps

Dr. med Heinz-Wilhelm Esser

Doc Esser (hier auf einem undatierten Foto) gibt Tipps, um den inneren Schweinehund zu überwinden.

Sportliche Vorsätze zum Jahreswechsel: Sie umzusetzen, ist für viele Menschen komplizierter als gedacht. Der Kölner TV-Arzt Doc Esser entlarvt bei EXPRESS.de Sport-Ausreden. Finden Sie sich wieder?

Auf ein Neues! Mehr als die Hälfte aller Deutschen versucht es laut Umfrage der Krankenkasse DAK auch dieses Jahr wieder: fitter werden, gesünder essen. Doch bei 36 Prozent halten die Vorsätze nur zwischen einem Tag bis hin zu einem Monat.

Und die Psycho-Schmach ärgert fast noch mehr als Hüftgold und Pudding-Ärmchen. „Nicht aufgeben. Okay, heute ein Rückschlag, morgen starte ich neu“, rät Doc Esser (49). Auch wenn’s schwerfällt. 

Doc Esser: Kölner TV-Arzt entlarvt Ausreden von Sportmuffeln

Für EXPRESS.de analysiert der Kölner TV-Arzt, der eigentlich Dr. med. Hans-Wilhelm „Heiwi“ Esser heißt und von allen nur kurz Doc Esser genannt wird, die größten Sportmuffel-Ausreden. Uff, an manchen ist sogar was dran!

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  • „So ein Mist! Ich treibe Sport und nehm’ dabei zu statt ab.“ Doc Esser: „Wer vorher kaum Sport gemacht hat und jetzt drei- bis viermal die Woche trainiert, wird im ersten Monat ein bis anderthalb Kilo zunehmen, das ist im Idealfall Muskelmasse.“
    Wer jedoch glaube, weil er beim Sport Unmengen an Kalorien verbrannt habe, könne er danach den Kühlschrank plündern, irre gewaltig. Das lande sofort auf den Hüften. Schon bei Normalgewichtigen verlangsame sich der Stoffwechsel nach dem Training um 30 Prozent. „Bei stark Übergewichtigen, wir reden hier von einem BMI von 30 und mehr, macht das laut neuesten Studien sogar 50 Prozent aus. Sie nehmen also wirklich schnell zu“, so der Experte.
    Aber deswegen auf Sport verzichten? Nein. Wer dick, aber beweglich ist, beugt mit Sport Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Diabetes II vor. Essers Tipp: Nach dem Sport eine längere Pause vor der ersten Nahrungsaufnahme einlegen!
  • „Mir läuft die Nase!“ Doc Esser: „Und, wo ist das Problem?“ Aus seiner Sicht ist eine harmlose Erkältung mit Sport sehr wohl vereinbar, die frische Luft tue sogar gut. Ein „No-Go“ sind aber Fieber, Husten, Schwäche, Atemnot, Glieder- und Muskelschmerzen.
  • „Ich habe einfach zu wenig Zeit.“ Doc Esser: „Das Argument lasse ich nur bei der alleinerziehenden Mutter mit drei Kindern gelten.“ Wer ehrlich zu sich selbst sei, schaffe es sehr wohl, mindestens dreimal wöchentlich ein Workout von 20 Minuten mit dem eigenen Körpergewicht auszuführen. Hampelmann, Armkreisen, Kniebeugen, Tisch-Liegestütze bringen seiner Meinung nach schon viel. Sein Tipp: „Besser weniger Wiederholungen, aber darauf achten, die Übungen sauber auszuführen.“
  • „Ich komme am Tag einfach nicht auf die empfohlenen 10.000 Schritte.“ Doc Esser: „Müssen Sie auch gar nicht. Das war 1964 ein Marketing-Gag für einen Fitness-Tracker.“ Mehrere Studien hätten mittlerweile ergeben, dass rund 7000 Schritte täglich deutlich zur Verbesserung der Gesundheit führen. Bei mehr als 7500 Schritten scheint sich übrigens keine unmittelbare weitere Steigerung der Lebenserwartung nachweisen zu lassen.

Doc Esser entlarvt faule Ausreden über Frühstück und Superfoods

Wer sich eigentlich etwas Gutes tun möchte und sich nicht aufraffen kann, findet allerhand Ausreden. Die einzige Person, die man damit „betuppt“, ist man selber. Indem man Ausreden wie diese erfindet:

  • „Ich mag nicht auf mein Frühstück nicht verzichten“. Doc Esser: „Müssen Sie ebenfalls nicht. Bei Hobbysportlern empfiehlt man sogar eine kleine Mahlzeit vor dem Training.“ Wichtig sei es vor allem, auf seinen Körper zu hören und so zu essen, wie es einem guttue. Esser: „Ich selbst bekomme morgens nur einen Kaffee runter. Auch gut, so praktiziere ich quasi automatisch Intervallfasten.“ Neue Studien untermauern mittlerweile allerdings auch wieder die alte Regel: Morgens wie ein Kaiser (sprich kohlenhydratreich), mittags wie ein König, abends wie ein Bettler (proteinreich). Tipp nach einer aktuellen Untersuchung: „Wer auf sein geliebtes Weißbrot beim Italiener nicht verzichten will, kann die Reihenfolge der Mahlzeit verändern. Erst das Fleisch, dann den Nachtisch, dann das Brot. Die Gruppe, die sich in einem Versuch so ernährt hat, hatte nämlich den niedrigsten Insulinspiegel“, so Esser.
  • „Ich würde lieber joggen als Rad fahren. Aber das schadet ja den Knochen.“ Doc Esser: „Von wegen! Für die Knochengesundheit ist es prima, wenn die Knochen durchgerüttelt werden. Deshalb boxe ich zum Beispiel. Das baut Knochenzellen auf und reduziert abbauende Zellen.“ Nur bei Gelenkproblemen sollte man darauf verzichten, Softsportarten wie Schwimmen und Radfahren dann vorziehen.
  • „Superfoods wie Chiasamen, Spirula und Kurkuma kann ich mir einfach nicht leisten.“ Doc Esser: „Warum auch? Da gibt es hierzulande entschieden nachhaltigere, günstigere und bessere Alternativen.“ Statt zu überteuerten und zum Teil mit Herbiziden verseuchten Produkten aus Übersee zu greifen, rät er zu Leinsamen („Okay, schmeckt scheiße, ist aber super“), Blaubeeren, Sauerkraut und Co. Und: Nicht nur wegen der Gesundheit, auch aus Respekt vor den Tieren sollte man seinen Fleischkonsum reduzieren, sich halt nur einmal in der Woche ein wirklich gutes Stück Fleisch gönnen.

Gute Vorsätze umsetzen: Apps können helfen

Der fitte Start ins neue Jahr muss nicht teuer sein, es gibt auch Apps, die in der Basisversion kostenlos sind – und für einen überschaubaren Preis personalisiert werden können.

Beispiele: Seven (Training mit dem eigenen Körpergewicht, 7 Minuten pro Tag). Komoot (Routenplaner für Wander-/Radbegeisterte), Strava (ideal für sportliche Radfahrer). Auch der Streamining-Dienst Netflix hat neuerdings Fitnessvideos von Nike auf seiner Plattform.

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