Alzheimer Neues Präparat sorgt für wahres Beben an der Börse

Der Wissenschaftler Dr. Alexander Navarrete Santos arbeitet in einem Forschungslabor der Universität Halle an einer Analyse von Zellen und Partikeln einer Alzheimer-Probe.

Der Erfolg in der Alzheimer-Forschung bescherte dem US-Konzern Biogen und dem japanischen Unternehmen Eisai einen enormen Aktienanstieg. Das Foto aus dem Jahr 2012 zeigt einen deutschen Wissenschaftler mit einer Alzheimer-Probe.

Wichtiger Meilenstein in der Alzheimer-Forschung! Das Medikament von Biogen und Eisai soll den geistigen Abbau verlangsamen – und könnte den beiden Unternehmen zusätzlich mehrere Milliarden Euro Einnahmen einbringen. 

Ein neuer Durchbruch für die Alzheimer-Medizin? Ein noch nicht zugelassenes Alzheimer-Medikament könnte Studiendaten zufolge in Zukunft das Fortschreiten der Erkrankung deutlich abbremsen.

Entwickelt wird dieses von dem US-Konzern Biogen und dem japanischen Pharmaunternehmen Eisai. Bereits zuvor erfolgte Studien und entwickelte Präparate brachten bisher wenig bis gar keinen Erfolg – doch das könnte sich nun ändern.

Alzheimer: Forschungserfolg lässt Aktien steigen

Aber nicht nur das: Die Aktien des US-Biotechnologiekonzerns Biogen haben auch dank des Forschungserfolgs um die 40 Prozent zugelegt – und auch die Zahlen des Forschungspartners Eisai sprangen nach oben.

Der Erfolg färbte unter anderem auch auf die im Pharmabereich existierenden Konkurrenten Eli Lilly, Roche und Morphosys ab, denn da kletterten die Aktienwerte ebenfalls in die Höhe. Auch hier wird fleißig an eigenen Medikamenten für die Alzheimer-Erkrankung gearbeitet.

Aber wie vielversprechend ist das Medikament? Wie das Unternehmen Biogen mitteilte, verlangsamte der Antikörper Lecanemab bei Patienten und Patientinnen in einem frühen Stadium den Abbau der geistigen Fähigkeiten um 27 Prozent. Experten und Expertinnen in Deutschland beurteilen die vorgestellten Ergebnisse insgesamt positiv.

„Wenn sich das bestätigt, wäre das eine gute Nachricht“, sagt Linda Thienpont, Leiterin der Abteilung Wissenschaft bei der Alzheimer Forschung Initiative. Es wäre das erste Mal, dass ein Wirkstoff, der in die Mechanismen der Alzheimer-Krankheit eingreift, tatsächlich einen positiven Effekt auf die Kognition der Betroffenen habe.

Von einem Durchbruch in der Alzheimer-Forschung spricht Frank Jessen, Forscher am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

Die Daten der zugrundeliegenden Studie sind bisher nicht veröffentlicht, die Unternehmen haben die Ergebnisse der Phase-3-Studie in einer Unternehmensmitteilung vorgestellt.

Neues Alzheimer-Medikament soll keine Heilung bringen

Lecanemab ist ein Antikörper, der sich gegen das Eiweiß Amyloid-beta (Abeta) richtet. Dieses Molekül lagert sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten in Form sogenannter Plaques ab, die ein Kennzeichen der Demenz-Erkrankung sind. In der Studie wurden 1795 Menschen im Frühstadium von Alzheimer untersucht - eine Hälfte bekam den Antikörper, die andere ein unwirksames Scheinmedikament.

Es zeigte sich, dass das Mittel zu einer deutlichen Reduzierung der Ablagerungen im Gehirn führt. Darüber hinaus verlangsamte sich der Abbau der geistigen Fähigkeiten. Geprüft wurde unter anderem die Gedächtnisleistung, das Orientierungsvermögen und die Problemlösekompetenz.

„Das ist eine ordentliche Studie, in der die klinische Wirksamkeit sorgfältig geprüft wurde“, sagte Jessen. „Es zeigt sich, dass nicht nur die Amyloid-Ablagerungen aus dem Gehirn entfernt werden, sondern – und das ist das Entscheidende – dass sich der Abbau der geistigen Fähigkeiten über 18 Monate entscheidend verlangsamt.“ So ein Effekt habe in klinischen Studien mit anderen Antikörpern bisher nicht überzeugend gezeigt werden können.

Beide Experten, die nicht an der Studie beteiligt waren, betonen, dass auch dieses Medikament die Alzheimer-Erkrankung nicht heilen kann. „Die Krankheit wird auch weiter voranschreiten, nur langsamer, was aber für die Patienten und Patientinnen sowie deren Angehörigen von großer Bedeutung sein kann“, sagte Jessen.

Unklar sei zum jetzigen Zeitpunkt auch, wie lange der berichtete Effekt anhalte, das müssten weitere Beobachtungsstudien zeigen.

„Positiv ist zu vermerken, dass Nebenwirkungen wie zum Beispiel Hirnschwellungen weniger oft auftraten als in Studien zuvor mit vergleichbaren Wirkstoffen“, sagt Thienpont. „Für eine umfassende Einschätzung müssen wir die detaillierten Studienergebnisse abwarten.“

Biogen hat angekündigt, die Daten Ende November auf einem Alzheimer-Kongress vorzustellen und sie in einem medizinischen Fachmagazin zu veröffentlichen. Das Präparat werde bereits von der US-Arzneimittelbehörde FDA in einem beschleunigten Zulassungsverfahren geprüft, auch in Japan und Europa wollen Biogen und Eisai die Zulassung beantragen. (dpa/kvk)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.