Julia (29) "Ich möchte keine Kinder, aber mein Arzt will mich nicht sterilisieren"

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Einige Frauen wissen schon früh, dass sie nicht schwanger werden wollen (Symbolfoto).

  • Einige Frauen wissen schon früh, dass sie keine Kinder bekommen möchten. Doch wenn sie sich für eine Sterilisation entscheiden, wird das schwierig.
  • Mediziner verweigern Frauen unter 30 Jahren den Eingriff sehr häufig, denn er lässt sich nicht rückgängig machen.
  • Julia H. ist eine junge Frau, die weiß, dass sie keine Kinder bekommen will. Sie berichtet, wie es ihr mit ihrem Sterilisationswunsch ergangen ist.

Köln – Einige Frauen wissen schon früh, dass sie keine Kinder bekommen möchten. Wenn diese Frauen die gängigen Verhütungsmittel nicht verwenden wollen und sich für eine dauerhafte Sterilisation entscheiden, kann es für sie schwierig werden – zumindest, wenn sie noch keine 30 Jahre alt sind. Viele Ärzte verweigern jungen Frauen den Eingriff, weil sie meinen, dass diese sich noch umentscheiden könnten, wenn sie älter werden. Eine Sterilisation ist bei Frauen – anders als bei Männern – nicht mehr rückgängig zu machen. Die 25-jährige Kira erzählt auf jetzt.de davon, wie sie 25 Ärzte nach einer Sterilisation gefragt hat und 25 Mal abgelehnt wurde.

„Der Arzt sagte mir, ich sei noch zu jung“

Auch Julia H. wollte sich mit 25 Jahren sterilisieren lassen. „Da ich mich komplett gegen Kinder entschieden habe und mir da eigentlich recht sicher bin, war das für mich eine gute Alternative, um nicht immer die Pille nehmen zu müssen“, erzählt sie. Doch der Arzt verweigerte ihr den Eingriff. „Man hat mir dann gesagt, dass ich noch zu jung sei und dass man das Ganze nicht rückgängig machen kann. Es bestehe auch die Gefahr, dass der Hormonhaushalt durcheinander gerate, man viel früher in die Wechseljahre komme und dass das in dem Alter einfach nicht üblich sei“, erzählt die heute 29-Jährige. Der Arzt habe ihr ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass sie sich wahrscheinlich doch noch anders entscheiden werde und der Wunsch nach Kindern noch erwache.

Bei einer Sterilisation werden die Eileiter der Frau entweder mit Hitze verschweißt, mit einem Clip abgetrennt oder durchtrennt. So wird der Weg der Eizelle durch den Eileiter zur Gebärmutter blockiert und auch die Samenzellen erreichen ihr Ziel nicht mehr. Der Eisprung findet weiterhin statt, auch ihre Menstruation bekommen sterilisierte Frauen weiterhin. Die Kosten von 600 bis 1000 Euro werden seit 2003 nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sondern müssen privat finanziert werden.

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„Die Sterilisation ist die einzige irreversible Verhütungsmethode. Es besteht nur eine geringe  Möglichkeit, sie rückgängig zu machen, das wird aber von der Krankenkasse nicht bezahlt. Bis Mitte, Ende 20 sind heute bei den meisten Frauen aber weder die Partnerwahl noch die Familienplanung abgeschlossen. Wenn sich die Lebenssituation der operierten Frau ändert, helfen nur Maßnahmen der Kinderwunschbehandlung, bei denen der Erfolg letztlich nicht garantiert ist“, erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. In Deutschland bereuten fünf bis zehn Prozent der operierten Frauen die Sterilisation später, in den USA sogar jede Vierte. „Letztlich sind es nicht medizinische Gründe, sondern diese Überlegungen, die meist gegen eine Sterilisation sprechen“, sagt Albring.

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Einige Frauen fühlen sich von den Ärzten bevormundet

Für Julia H. waren die Argumente ihres Arztes gegen eine Sterilisation plausibel, sie verhütet jetzt mit der Temperaturmethode. Dass es auch Frauen gibt, die sich nicht so einfach damit abfinden, ist für Albring nachvollziehbar: „Es ist verständlich, dass manche Frauen sich bevormundet fühlen, wenn sie sich sehr sicher darin sind, niemals Kinder bekommen zu wollen; als ob die Frauenärztin oder der Frauenarzt besser über sie Bescheid wüsste als sie selbst. Frauenärzte haben aber in ihrem Berufsleben schon viele Frauen durch eine Sterilisation begleitet und dabei selbst erlebt, dass auch solche Frauen diesen Eingriff bitter bereuen, die sich vorher ganz sicher waren.“ Er empfiehlt eher die Sterilisation des Mannes, da das Operationsrisiko geringer sei und der Eingriff rückgängig gemacht werden könne. Als dauerhafte Verhütungsmethode rät er zur Spirale, die für fünf Jahre eingesetzt werde und wenig Nebenwirkungen habe. So könne der Zeitpunkt für eine endgültige Entscheidung herausgezögert werden. 

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Empfohlen wird die Sterilisation nur Frauen mit abgeschlossener Familienplanung

„Wir sehen heute immer häufiger junge Frauen, die nicht mehr hormonell verhüten wollen, trotzdem aber eine zuverlässige Verhütung wünschen und sich deshalb über eine Sterilisation beraten lassen“, sagt Albring. Empfohlen werde sie aber nur Frauen mit definitiv abgeschlossener Familienplanung oder Frauen, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen sollten. Albring: „Ärzte sind angetreten um zu heilen und die Gesundheit zu bewahren. Eine Sterilisation ist keine lebensrettende oder gesundheitserhaltende Maßnahme. Ärzte müssen sie nicht durchführen.“

Zum Weiterlesen: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat erste Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung zum Verhütungsverhalten Erwachsener 2018 veröffentlicht. Demnach sind Pille und Kondom nach wie vor die wichtigsten Verhütungsmittel in Deutschland. 47 Prozent der Frauen nutzen die Pille als Verhütungsmethode, 46 Prozent der Teilnehmer verwenden Kondome. Zum Vergleich: Von 705 Befragten gaben nur zwei Prozent die Sterilisation der Frau als Verhütungsmethode an.

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