„Tatort“ Jubiläums-Krimi aus Köln: Was kann man tatsächlich mit DNA-Analysen herausfinden?

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) im „Tatort: Die Spur des Blutes“.

Ziemlich genau vor 25 Jahren ermittelten Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zum ersten Mal in einem Kölner „Tatort“. In ihrem Jubiläumsfall „Spur des Blutes“ (23. Oktober 2022) bekommen sie es mit dem Fall einer jungen Prostituierten zu tun. Wer hat die 19-Jährige ermordet?

Im „Tatort: Spur des Blutes“ führte ein DNA-Treffer an einer Mädchenleiche zu Verwirrung. Was kann man tatsächlich alles über DNA vom Tatort herausfinden?

Der „Tatort: Die Spur des Blutes“ lief ziemlich genau 25 Jahre nach dem Debüt Max Ballaufs (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenks (Dietmar Bär): „Tatort: Willkommen in Köln“ wurde am 5. Oktober 1997 ausgestrahlt. Trotzdem war die neue Folge kein klassischer Jubiläumsfilm, denn eigentlich ging es hier nicht um die Ermittler, vielmehr stand die Geschichte, insbesondere die von Kriminaltechnikerin Natalie Förster (Tinka Fürst), im Mittelpunkt.

Die fand am Tatort – eine junge Prostituierte wurde ermordet – überraschenderweise DNA, die der ihrigen sehr ähnelte. Ein verwirrender Plot für Ermittler und Zuschauer. Trotzdem stellt sich hier und immer wieder im „Tatort“ die Frage: Welche Details über mögliche Täter kann man 2022 über gefundene DNA tatsächlich bestimmen?

„Tatort: Die Spur des Blutes“: Worum ging es?

Zwei Teenager-Freundinnen, die an der Nadel hängen, arbeiten auf dem Kölner Straßenstrich. Lara, eines der beiden Mädchen, die von Zuhälter Mike (Robert Stadlober) „betreut“ werden, wird ermordet. Ihre Leiche wird in einem Kanal am Stadtrand gefunden. Einige Täter kommen infrage, da Lara in ihrer Todesnacht vermutlich mehrere Freier hatte.

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Die Kommissare versuchen, die letzte Nacht des Mädchens zu rekonstruieren. Sie sind dabei von der Laborauswertung der Spuren an Laras Körper abhängig. Ausgerechnet jetzt, da die Ermittler dringend auf die Hilfe ihrer Kollegin Natalie Förster (Tinka Fürst) angewiesen sind, scheint diese nicht richtig bei der Sache zu sein.

„Die Spur des Blutes“: Worum ging der Kölner „Tatort“ wirklich?

Ziemlich geschickt wandert der Kölner Krimi (Drehbuch: Jan Martin Scharf und Arne Nolting) durch mindestens drei verschiedene Phasen. Zunächst lernt man zwei träumerische Mädchen kennen. Ohne Weiteres könnten sie auch die Oberstufe eines gutbürgerlichen Gymnasiums besuchen. Doch weit gefehlt. Für ihre Träume benötigen die beiden Heroin, das sie sich auf dem Straßenstrich finanzieren.

Dem tragischen Mädchenporträt folgt ein klassischer Ermittlungs-Krimi, denn mehrere Freier und der Zuhälter werden auf Tatfähigkeit und Alibis abgeklopft. Am spannendsten wird der Krimi (Regie: „Tatort“-Newcomerin Tini Tüllmann) allerdings in Phase drei, in der es zum Duell zwischen Natalie Förster (Tinka Fürst) und einer vom großen österreichischen Schauspieler und Kabarettisten Josef Hader verkörperten Figur kommt.

Deren „freundlich“ geführter, langer Suspense-Dialog bewegt sich in bester Alfred Hitchcock-Tradition und dürfte eine der spannendsten Szenen der immer noch recht frischen „Tatort“-Saison 2022/23 bleiben.

„Tatort“: Wer waren die beiden Stars?

Der 60-jährige Josef Hader gilt als bekanntester und erfolgreichster Kabarettist Österreichs. Er kann aber auch auf eine beachtliche Zahl von Filmrollen, Drehbüchern und sogar eine hochgelobte eigene Regiearbeit zurückblicken: In „Wilde Maus“ saß Hader 2017 erstmals selbst auf dem Chefsessel und inszenierte sich als alternden Musikkritiker in der Lebenskrise.

Andere bekannte – und vielfach preisgekrönte – Filme mit Josef Hader sind „Indien“ (1993), „Der Knochenmann“ (2010) oder als Ermittler in den Brenner-Krimis von Wolf Haas („Komm, süßer Tod“ von 2000 und drei weitere Filme bis 2015).

Hader lebt mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Pia Hierzegger, in Wien. Er hat zwei Söhne. Seine Spielpartnerin Tinka Fürst ist 34 Jahre alt. Die gebürtige Berlinerin studierte Schauspiel am berühmten Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Im Kölner Tatort mit Ballauf und Schenk übernimmt sie seit 2019 die Rolle der Kriminaltechnikerin Natalie Förster und darf in der aktuellen Folge ein beeindruckend großes „Solo“ tragen.

Warum sind DNA-Spuren vom „Tatort“ nicht immer eindeutig?

Häufig liegt am Tatort nicht nur die DNA‐Spur des Täters vor, sondern es sind auch die DNA des Opfers, von Zeugen und anderen „berechtigten Personen“ (Ersthelfer, Polizeikräfte) zu finden.

Dann wird die Analyse komplex und das Verhältnis der DNA‐Spuren zueinander bedeutsam. (Täter-)DNA kann beispielsweise aus gefundenem Blut, Sperma, Speichel, aber auch Hautpartikeln ermittelt werden.

Was kann man über DNA-Analysen heute tatsächlich feststellen?

Seit einigen Jahren steht die DNA‐Forensik vor neuen Möglichkeiten, die moderne Sequenzierungstechniken, zusammengefasst als Next Generation Sequencing (NGS) oder Third Generation Sequencing (SMRT), bieten.

Die neuen Methoden erlauben eine schnelle Sequenzierung des gesamten Genoms und damit die Bestimmung von Merkmalen wie Augenfarbe und Haarfarbe einer Person, was in Deutschland jedoch erst seit kurzem erlaubt und nach wie vor umstritten ist.

Bereits die „Tatorte“ „Rebland“ (Schwarzwald) und zuletzt „Die Rache an der Welt“ (Göttingen) thematisierten die Grauzone solcher Ermittlungen, die zu Vorurteilen gegenüber Ethnien und bestimmten „Täterkreisen“ führen können.

Wie geht es beim Kölner „Tatort“ weiter?

Zwei Kölner „Tatort“-Krimis sind für die erste Jahreshälfte 2023 geplant. In „Schutzmaßnahmen“ spielt nach 23 Jahren Pause mal wieder Freddy Schenks ältere Tochter eine Rolle, übrigens verkörpert von derselben Darstellerin wie 1999: Natalie Spinell.

In „Abbruchkante“ geht es danach um eine Dorfgemeinschaft, die eben noch dem Tagebau weichen sollte, doch nun dank Klimadebatte bleiben darf. Was ihr aber offenbar nicht guttut, denn die Stimmung im Ort, auf die Freddy Schenk und Max Ballauf treffen, ist denkbar schlecht. (tsch)

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