„Tatort“ aus WienEs knistert beim Ermittler-Duo: Was läuft da zwischen Moritz und Bibi?

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, li.) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser, re.)
trinken im „Tatort“ einen Kaffee und rauchen eine Zigarette.

Auf einer Wellenlänge: Im „Tatort“ „Was ist das für eine Welt“ teilen sich Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, li.) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser, re.) sogar eine Zigarette.

Bereits zum 30. Mal bilden Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ein Ermittler-Duo im „Tatort“. EXPRESS.de sprach mit dem Hauptdarsteller aus Österreich.

von Marcel Schwamborn (msw)

In der Kult-Krimireihe „Tatort“ im Ersten hat auch regelmäßig das sehr beliebte Ermittler-Duo aus Österreich einen Einsatz. Die Folge „Was ist das für eine Welt“ am Sonntag (26. Februar 2023, 20.15 Uhr) ist bereits die 30., in der Harald Krassnitzer (62, als Moritz Eisner) und Adele Neuhauser (64, als Bibi Fellner) zusammen agieren.

Krassnitzer ist bereits seit 1999 als „Tatort“-Sonderermittler im Einsatz, die neueste Episode ist bereits sein 54. Fall. Mit EXPRESS.de sprach der Schauspieler über den Krimi-Klassiker.

Harald Krassnitzer löst 30. Fall gemeinsam mit Adele Neuhauser

30 gemeinsame Fälle, ist das eine besondere Zahl für Sie?Harald Krassnitzer: Ehrlich gesagt achten wir da gar nicht so drauf und zählen auch gar nicht mit. Wir drehen zwei bis drei Folgen pro Jahr, machen zwischendurch andere Projekte. Bei jedem Film hat man ein anderes Team um sich, arbeitet in neuen Konstellationen. Da fühlt es sich nicht wie eine Serie an.

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Für Sie steht im kommenden Jahr sogar das 25-jährige „Dienstjubiläum“ an. Ist schon ein Ende in Sicht?Harald Krassnitzer: Wir planen gerade bis 2025 und überlegen, welche Themen uns ansprechen. Wir gestalten die Inhalte schließlich auch mit. Ich sehe uns noch eine ganze Zeit in den Rollen. Mich reizt es immer wieder aufs Neue, aktuelle Themen anzupacken. Da haben wir auch diesmal einen spannenden Bereich gefunden.

Welchen?Harald Krassnitzer: In den nächsten zwei Folgen werden im Wesentlichen junge Menschen und ihre Sorgen und Nöte im Fokus der Geschichte stehen. Diese Menschen sehen, dass sich die Welt immer weiter in eine katastrophale Richtung entwickelt. Sie müssen damit rechnen, dass sie größtenteils das aufräumen müssen, was wir Älteren hinterlassen haben.

Wie denken Sie denn in dem Zusammenhang über Klimaproteste?Harald Krassnitzer: Ich habe tiefes Verständnis für die Aktionen und finde es interessant, mit welcher Erregung wir uns über den Protest aufregen. Hätten wir nur annähernd dasselbe Erregungspotential für den Zustand dieser Welt, dann wären wir in vielen Bereichen wesentlich weiter. Ich kann allerdings auch Menschen verstehen, die unter Termindruck und unter dem Druck der Ökonomie stehen, um ihre Familien über Wasser zu halten.

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, li.) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser, re.) schauen durch eine Scheibe eines Hauses.

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, li.) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser, re.) bei den Ermittlungen im neuen „Tatort“.

Im aktuellen „Tatort“ geht es unter anderem um einen IT-Spezialisten, der durch Software-Optimierungen Arbeitsplätze abbaut.Harald Krassnitzer: Die Menschen erleben Inflation, Energieknappheit, Erdbeben, Krieg, Transformationsprozesse, dazu permanent neue Studien, die belegen, dass wir die Ziele nicht erreichen werden. Dann kommen die Schlaumeier, die sagen, dass Firmen effizienter arbeiten müssen und entlassen Tausende in der IT-, Medien oder Automobilbranche. Diese Dinge belasten die Menschen derart, dass ich mir gut vorstellen kann, dass immer mehr zu Einzelkämpfer werden, um selbst zu überleben.

Wie schwierig ist es, in einem Krimi die Balance aus Fall und ernstem Hintergrund zu schaffen?Harald Krassnitzer: Die starke Eigenschaft unseres Teams ist es, dass wir nicht zu moralischen Instanzen werden. Wir wollen eine Geschichte erzählen. Die einen sehen darin einen spannenden Krimi, andere sind berührt von den Schicksalen, die dritten finde es komisch. Alles kann in irgendeiner Form bedient werden. Das Wichtigste ist aber immer, dass man der Geschichte folgen möchte.

In der neuen Episode nähern sich Bibi und Moritz in Gesprächen weiter an. Wie weit geht das noch?Harald Krassnitzer: Das Verhältnis der beiden finde ich wunderschön. Es zeigt Menschen, die ihren Job mit Leidenschaft ausüben, aber nicht in der Lage sind, eine Beziehung zu führen. Das Äußern der Sehnsüchte, sie aber nicht ausleben zu können, das hat so einen emotionalen und komischen Faktor, der uns eher liegt. Was hätten wir davon, wenn Bibi und Moritz künftig ein Paar wären? Dann hätten wir die x-te langweilige Beziehungskiste.

Schauen Sie eigentlich auch die „Tatort“-Folgen der Konkurrenz?Harald Krassnitzer: Ich versuche möglichst alle Folgen zu schauen. Es ist auch schon mal passiert, dass wir in den Vorbereitungen zu einem Stoff steckten und plötzlich festgestellt haben, dass andere das Thema bereits behandelt haben. Wir wollen uns ja nicht mit den Kolleginnen und Kollegen in die Quere kommen, sondern suchen das Alleinstellungsmerkmal.

„Tatort“: Diese anderen Teams schätzt Harald Krassnitzer besonders

Und welche Ermittler-Teams gefallen Ihnen besonders?Harald Krassnitzer: Drei Teams schätze ich ganz besonders: die Kölner, die Münchner und die Münsteraner. Da wird ein Fall ähnlich wie bei uns erzählt. Es gibt spannende Strukturen und die haben einen guten Humor.

Sprechen die Menschen auf der Straße Sie eigentlich als Ermittler Eisner an?Harald Krassnitzer: Erstaunlicherweise war das bei Serien intensiver, dass mich Menschen als „Winzerkönig“ oder „Bergdoktor“ angesprochen haben. Beim „Tatort“ verbinden mich die Leute eher mit dem Format, nicht mit der Rolle. Götz George war der Urvater aller „Tatort“-Figuren. Das hat alles gesprengt, indem er das Klischee eines Kommissars komplett aufgebrochen hat. Wegen seiner ureigenen Form und seiner Sprache war er für alle der „Schimanski“.