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Interview

Zum 75. GeburtstagRock-Legende deutet Ende einer Erfolgsband an – kuriose Köln-Erinnerungen

Francis Rossi von der britischen Band „Status Quo“.

Francis Rossi (hier bei einem Auftritt am 15. September 2019) ist seit Gründung Sänger und Gitarrist der Rockband Status Quo.

Status Quo machen schon seit über 60 Jahren erfolgreich Rockmusik. Band-Chef und Frontmann Francis Rossi feiert seinen 75. Geburtstag. Im Juni kommt er mit seiner Gruppe zum Konzert nach Köln.

von Marcel Schwamborn (msw)

Die Anfänge einer der erfolgreichsten Rockbands der Musikgeschichte reichen bis ins Jahr 1962. Damals gründete Francis Rossi eine Schülerband, die nach und nach Zuwachs bekam und ihren Namen anfangs mehrmals änderte.

Mit ihrem Boogie-Rock-Stil und ihren Live-Shows voller Energie erspielten sich die Briten eine permanent wachsende Fangemeinde. 62 Jahre nach den Anfängen blicken Status Quo schon auf 33 Studioalben und über 100 Singles zurück.

Status Quo: 33 Alben und über 100 Singles seit der Gründung

Die Hits wie „Whatever you want“, „Down Down“, „Rockin‘ all over the World“ oder „In the Army now“ sind Meilensteine der Rockgeschichte, die für über 120 Millionen verkaufte Tonträger sorgten.

Alles zum Thema Tanzbrunnen

In diesem Jahr stehen noch einmal mehr als 40 Konzerte für Status Quo auf dem Programm. Eins davon steigt am 10. Juni im Tanzbrunnen in Köln. Zusammen mit der Spider Murphy Gang soll auf der Open-Air-Bühne in Deutz gerockt werden.

Status Quo bei einem Auftritt.

In dieser Besetzung wie hier am 30. November 2022 sind Status Quo auch in diesem Jahr unterwegs. Es könnte die letzte Tour der Band werden.

In der aktuellen Besetzung ist Sänger und Gitarrist Rossi das einzige Gründungsmitglied. Am Mittwoch (29. Mai 2024) feiert der Komponist seinen 75. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums sprach der Sohn eines Italieners und einer Irin mit EXPRESS.de über die Zukunft der Band.

Schütteln Sie Live-Konzerte nach über einem halben Jahrhundert nicht locker aus dem Ärmel?

Francis Rossi: Wir wollen die Auftritte auch genießen. Wenn wir Spaß haben, dann spürt das Publikum das und die Energie kommt zurück auf die Bühne. Wir haben nach dem Lockdown 60 Shows im Jahr 2022 gespielt, seitdem wieder pausiert. Es ist schon viel Arbeit, sich für solch eine Tour vorzubereiten. Wir haben über vier Wochen geprobt, weil wir auch einen Anspruch an die Konzerte haben.

Während der Tour werden Sie 75. Wollten Sie diesen besonderen Tag nicht zu Hause feiern?

Francis Rossi: Tja, ich bin nun mal verdammt alt. Ich feiere das aber nicht, das finde ich seltsam. Wir haben alle einen Geburtstag, meiner liegt halt 75 Jahre zurück. Aber ich brauche keine Party. Je älter ich geworden bin, desto mehr habe ich festgestellt, dass ich doch eine langweilige Person bin.

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Dabei haben Sie auch andere Zeiten erlebt.

Francis Rossi: Ich hatte in den 80ern sechs wilde Jahre, in denen ich zu Alkohol und Kokain gegriffen habe, das ist vorbei. Ich hatte keine Lust mehr auf den permanenten Kater und den Filmriss am Tag danach. Ab und zu eine Zigarette, das reicht.

Was darf denn bei Ihren Konzerten in der Garderobe nicht fehlen?

Francis Rossi: Ich könnte alles in meiner Garderobe haben, was ich will. Aber dann muss ich das auch bezahlen. Wenn ich 16 Flaschen Whiskey und Brandy bestelle, dazu noch Sushi in rauen Mengen, dann bekomme ich das auch. Aber nicht als Geschenk, ich muss das natürlich bezahlen. Also warum sollte ich? Ich habe immer Kaffee, Tee und Wasser in der Garderobe, mehr nicht.

Francis Rossi: „Abschiedstour klingt doch sehr nach Marketing-Trick“

Wie lange wird es Status Quo noch geben?

Francis Rossi: Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nach dieser Tour noch einmal als Status Quo auftreten werden. Ich gehe noch einmal solo mit meinem „Tunes & Chat“-Programm auf Tour. Frühestens 2026 könnten wir also wieder auftreten, dann bin ich 77, Andrew Bown wird 80 sein. Das erscheint mir nicht mehr möglich, dass wir dann noch die Power haben. Ich will aber nicht von einer Abschiedstour sprechen, das klingt doch sehr nach einem Marketing-Trick, um Tickets zu verkaufen. Aber schon jetzt sind die Proben hart für uns. Status Quo-Konzerte kosten schon viel Energie.

Sie hatten in den Jahren viele Probleme in der Band mit den verschiedenen Egos. Wie ist die Stimmung aktuell?

Francis Rossi: Richie Malone hat ein kleines Alkohol-Problem, aber er ist nun mal Ire (lacht). Er musste auch erst die Disziplin lernen, die ich in der Band verlange. Rick Parfitt hatte ja auch Probleme damit. Im Rock `n`Roll-Business ist viel mehr Professionalität nötig, als viele denken. Die ganzen Märchen vom Rockstar-Leben sind völliger Quatsch. Niemand kann in seinem Job betrunken zur Arbeit kommen. Wenn ich mein Hotelzimmer verwüste und den Fernseher aus dem Fenster schmeiße, dann kriege ich eine Rechnung über 10.000 Euro.

Bandboß Mike „Francis“ Rossi (r.) und Rick Parfitt (l.) von der britischen Rockgruppe Status Quo.

Francis Rossi (r.) zusammen mit Rick Parfitt bei einem Konzert am 17. April 1998 in Düsseldorf. Der Gitarrist starb 2016.

Wenn Sie nicht mehr die Kraft haben, mit der Band weiterzumachen: Sollten andere Musiker den Bandnamen Status Quo weiterführen?

Francis Rossi: Eine sehr interessante Frage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Andrew Bown und John Edwards ohne mich weitermachen, die würden eher noch ein Solo-Projekt verfolgen. Meine Stimme ist auf allen Songs seit sechs Jahrzehnten. Das wäre dann doch eher eine Tribute-Band. Schon ein schwieriges Thema, ob die Gruppe ohne Gründungsmitglied noch bestehen könnte.

Bei über 100 Singles: Welche Lieder sind Pflicht bei einem Konzert?

Francis Rossi: Wir spielen rund 20 Lieder, darunter ein Medley mit vielen Songs. Die Menschen, die zu uns kommen, wollen die Lieder hören, die sie von uns kennen. Iron Maiden haben es sich mal erlaubt, nur ihr neues Album zu spielen, statt die großen Hits. Wir wissen, was wir unseren Fans schuldig sind. Und meistens genießen wir es auch, die Songs zu spielen. Es gibt natürlich Abende, da will der Funken nicht überspringen, aber keiner weiß, wieso.

Haben Sie an Köln besondere Erinnerungen?

Francis Rossi: Ja, ich liebe es, über die Brücke mit den Schlössern zu gehen, mir den Dom anzuschauen und im China-Restaurant direkt daneben zu essen. Ich habe mich mehrmals mit einem Kellner unterhalten, der kam wie mein Bruder aus Sevenoaks. Auch bei einem Mexikaner war ich schon essen, Schnitzel ebenfalls in allen Variationen. Gulaschsuppe liebe ich auch sehr. Ich gehe sowieso gerne in Deutschland shoppen, in Köln habe ich auch schon 4711-Parfüm gekauft.

Warum treten Sie eigentlich im Doppelpack mit der Spider Murphy Gang auf?

Francis Rossi: Unser Promoter hatte die Idee. Vor zehn Jahren sind wir schon mal zusammen aufgetreten. Ich habe sie die „Spanky Gang“ genannt, weil ich mir den Namen nicht merken konnte. Wir glauben, dass sich so für die Fans das optimale Konzert-Paket für das Ticket bietet. Die Zeiten sind kompliziert geworden…

Status Quo in Köln im Doppelpack mit Spider Murphy Gang

Rechnen sich Konzerte nicht mehr?

Francis Rossi: Nicht nur das Tour-Geschäft ist schwieriger als vor der Pandemie. Der Brexit war auch so eine bescheuerte Entscheidung, hinter der ich nicht gestanden habe. Dann kommt diese russische Person mit diesem sinnlosen Krieg, der Wahnsinn in Israel. Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Leben noch einmal einen Krieg so hautnah erleben muss.

Bald beginnt in Deutschland die Fußball-EM. Interessieren Sie sich dafür?

Francis Rossi: Ich schaue mir schon gerne Länderspiele an, gehöre aber nicht zu denen, die kurz vor dem Selbstmord sind, weil ihr Team verloren hat. Ich drücke bei der EM England und Schottland die Daumen. Auch wenn mein Vater Italiener war, mag ich die italienische Mannschaft nicht, die spielt mir zu dreckig, um unbedingt zu gewinnen. Dann schaue ich lieber Deutschland, Holland oder Belgien. Ich freue mich auf unsere freien Tage während der Tour, um ein paar Spiele zu schauen.